Zeckenschutz: Tipps vom Experten

Zeckenstich – was tun? Sie sind nur wenige Millimeter groß, können aber gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Welche vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll sind und was nach einem Zeckenstich zu tun ist, erklärt Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Chefarzt des Zentrallabors und Impfzentrums, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie bei der Stiftung Juliusspital, Würzburg. Die Tipps des Experten gelten für das ganze Jahr, denn auch jetzt in den Herbst- und Wintermonaten können Zecken aktiv sein.

Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Gegen FSME gibt es die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. (Foto: Pfizer)

„Der Begriff ‚Frühsommer‘ in Frühsommer-Meningoenzephalitis ist irreführend“, sagt Schwarz. Denn tatsächlich besteht mittlerweile fast das ganze Jahr die Gefahr, sich bei Aktivitäten im Freien eine Zecke einzufangen. Besonders im Wald, Unterholz oder Wiesen. „Die Tiere werden aktiv, wenn die Temperaturen über mehrere aufeinanderfolgende Tage auf mehr als sieben Grad steigen. Das ist auch bei milden Phasen in den Herbst- und Wintermonaten möglich – was in Deutschland in den vergangenen Jahren durchaus immer wieder vorgekommen ist. Das Infektionsrisiko bleibt bei diesen äußerlichen Bedingungen gleich.“

In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, und seit 2014 auch in Sachsen. 2015 sind drei neue Risikogebiete hinzugekommen, insgesamt sind es 145 in Deutschland.1 „Wir müssen davon ausgehen, dass wir in Zukunft einen weiteren Anstieg der Risikogebiete haben werden – unter anderem vermutlich zum Teil ein Effekt des Klimawandels, der sich auch auf die Verbreitung der Zecken auswirken dürfte“, erläutert Schwarz die Zunahme der FSME-Risikogebiete.

Körper und Kleidung nach Aufenthalten in der Natur gründlich absuchen

Schwarz rät zunächst zu ganz praktischen Vorsichtsmaßnahmen. Bei Aufenthalten in der Natur, etwa beim Spazierengehen, Joggen oder Pilze sammeln sowie bei der Gartenarbeit sollten Füße und Beine durch entsprechende Kleidung geschützt und zeckenabweisende Mittel benutzt werden. Es ist ratsam, stets lange Kleidung zu tragen und die Socken in die Hose zu stecken. Helle Kleidung hilft, Zecken schneller zu entdecken. „Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man Körper und Kleidung gründlich nach Zecken absuchen und entfernen. Die beste Vorbeugung gegen eine durch Zecken übertragene FSME ist aber, sich impfen zu lassen“, erklärt der Experte.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sein können. Entweder, weil sie dort leben oder sich kurzfristig aufhalten, zum Beispiel im Urlaub. Außerdem empfiehlt die STIKO die Impfung bei Aufenthalten in Risikogebieten außerhalb Deutschlands.2 Wer in FSME-Risikogebieten wohnt oder Aufenthalte und Reisen in FSME-Gebiete in Deutschland plant, hat bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf eine Impfung gegen FSME.2

FSME-Impfung: Schnellimmunisierung innerhalb weniger Wochen möglich

Auch Urlauber sollten den Zeckenschutz nicht vernachlässigen, da es FSME auch in anderen Ländern gibt, sagt Schwarz. „Ein FSME-Risiko besteht hauptsächlich in Südskandinavien, Osteuropa, Teilen des Balkans sowie in Österreich und der Schweiz. Auch Norwegen und Teile von Dänemark sind neu hinzugekommen, die früher gar nicht befallen waren. Sehr stark zunehmend ist FSME in Osteuropa, besonders im Baltikum, wo sich die Fallzahlen mehr als verzwanzigfacht haben. Auch in Russland und Sibirien bis nach Nordchina besteht FSME-Infektionsgefahr.“ Bei Urlauben in diese Länder ist laut Schwarz eine FSME-Impfung sinnvoll, wenn Aufenthalte im Freien geplant sind. „Das braucht ja immer ein paar Wochen, so dass man am besten frühzeitig anfängt, um zu gewährleisten, dass man mit einem wirksamen Impfschutz in den Urlaub fährt.“ Für alle, die sich kurzfristig noch impfen lassen wollen, gibt es eine sogenannte Schnellimmunisierung. Je nach Impfstoff lässt sich der Impfschutz mit zwei oder drei Impfungen innerhalb weniger Wochen aufbauen.3 Hier kann der Haus- oder Kinderarzt beraten.

 

Quellen

1)       Epidemiologisches Bulletin: FSME: Risikogebiete in Deutschland, 26. Mai 2015 / Nr. 21, Robert Koch-Institut.

2)       Epidemiologisches Bulletin: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, 25. August 2014 / Nr. 34.

3)       Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Stand: September 2012.