Die Zecke aus dem Bernsteinwald

In Bernstein eingeschlossene Zecke

Wie ein gläserner Sarg umschließt das fossile Harz die Zecke. Die Beine, der Körper – alles ist erhalten und von allen Seiten anzuschauen. Und doch ist diese Zecke 50 Millionen Jahre alt – konserviert in Bernstein. Und umso erstaunlicher, dass sie trotz ihres Alters dem Gemeinen Holzbock ähnelt, die in Deutschland am weitesten verbreitete Zecke.

 

Vor 50 Millionen Jahren eingeschleppt


Die Bernsteinzecke wurde an der Ostsee bei Kaliningrad gefunden und ist das einzige bekannte Exemplar aus dem Bernsteinwald. Unter dem Namen Ixodes succineus beschrieb der Forscher Herbert Weidner 1964 diese erste ausgewachsene Zecke im Bernstein, die heute in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen zu bestaunen ist.

Vor 50 Millionen Jahren erstreckte sich ein Urwald von Skandinavien über die noch nicht vorhandene Ostsee bis nach Russland hinein. Dieser Urwald ist der Ursprung allen europäischen Bernsteins. Vor allem die damaligen Kiefern sonderten eine große Menge an Harz ab. Dieses war für kleine Tiere eine Todesfalle und ein Segen für die Paläontologen, Wissenschaftler, die Lebewesen aus vergangenen Erdzeitaltern erforschen.

Das Harz trocknete im Laufe der Jahre an der Luft und wurde zunehmend fester. Es entstand das so genannte Kopal. Sonnenlicht und Luft zersetzten das Kopal. Nur im Wasser konnte es sich zu Bernstein entwickeln. Durch die zahlreichen Flüsse, die den Wald durchzogen, konnte sich viel Harz im Wasser zu Bernstein bilden – und viele Insekten und Spinnen aus dieser Zeit konserviert werden. Doch von Zecken gibt es bisher nur dieses eine Exemplar. „Vermutlich wurde die Zecke von Tieren eingeschleppt und gehörte nicht zur damaligen Tierwelt im Bernsteinwald“, sagt Dr. Lehmann, Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung.

 

Faszinierende Ähnlichkeit


Trotz des Alters der Zecke fasziniert den Forscher die Ähnlichkeit mit dem heutigen weit verbreiteten Holzbock. „Die Zecke hatte schon damals vor rund 50 Millionen  fast den Stand ihrer heutigen Entwicklung erreicht“, sagt Dr. Jens Lehmann. Zum Vergleich, die Gattung Mensch existiert seit zirka 8 Millionen Jahren, der Homo sapiens seit rund 30.000 Jahren.

Ein Blick auf die Mundwerkzeuge bei Ixodes succineus lässt erahnen, dass sie wie beim Holzbock perfekt für das Blutsaugen geeignet war. Der Körper unterscheidet sich nur bei dem vorderen Beinpaar vom Holzbock – diese sind bei der Bernsteinzecke breiter und anders geformt.

 

Vorliebe für Reptilien

 

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die damaligen Zecken ausschließlich an Amphibien und Reptilien ernährten. Säugetiere kamen wohl erst einige Millionen Jahre später auf den Speisezettel. Auch heute noch nutzt ihr Nachfolger, der Gemeine Holzbock, Eidechsen als Wirte.

Ob die Zecken schon damals Träger gefährlicher Krankheiten waren, kann nicht beantwortet werden. Eine Entnahme des Erbmaterials bei Insekten oder Spinnen, die in Bernstein konserviert sind, um dadurch eventuell solche Informationen zu gewinnen, ist nicht möglich. „Sie haben im Bernstein nur die Hülle, die Innereien sind zu Staub verfallen“, sagt Dr. Lehmann. Somit ist auch eine anschließende Reproduzierung solcher Tiere anhand des Erbmaterials eher im Reich der Science-Fiction-Filme wie Jurassic Park anzusiedeln.

 

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