Forscher untersuchen Igel, um mehr über Borreliose zu erfahren
Igel sind häufig von Parasiten wie zum Beispiel der Igelzecke (Ixodes hexagonus) und dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) befallen. Diese Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen, die auch für Menschen gefährlich sind.
Igel sind häufig von Parasiten wie zum Beispiel der Igelzecke (Ixodes hexagonus) und dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) befallen. Diese Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen, die auch für Menschen gefährlich sind. Allerdings gibt es erst sehr wenige Erkenntnisse über das Zusammenspiel dieser Parasiten und dem Igel als Wirtstier. Hier setzt ein Forschungsprojekt der Universität Karlsruhe an: Am zoologischen Institut I, Abteilung Ökologie/Parasitologie unter der Leitung von Prof. Taraschewski, untersuchen Wissenschaftler die stacheligen Tiere. Dr. Trevor Petney, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Igel-Projekts, erklärt: „Uns interessiert, wie sich der Zeckenbefall auf die Igelpopulation auswirkt. Außerdem wollen wir die Funktion der Igel im Verbreitungskreislauf von Krankheiten wie Borreliose und FSME bestimmen.“
Igelblut für die Forschung
Die Forscher halten rund 40 Igel unter natürlichen Bedingungen. Sie besuchen außerdem verschiedene Igelstationen in ganz Deutschland. Lebenden Igeln nehmen sie Blut ab und untersuchen es auf Antikörper gegen verschiedene Pathogene, wie Borrelien und FSME. Finden sich im Igelblut Antikörper, hatte der Igel Kontakt mit dem Erreger. Auch tote Igel, die zum Beispiel überfahren wurden oder bei Tierärzten und Igelauffangstationen gestorben sind, landen auf dem Seziertisch der Zoologen. „Wir arbeiten eng mit Igelstationen und anderen Forschungseinrichtungen wie dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart zusammen. Igel, die erst vor kurzer Zeit gestorben sind, werden tiefgekühlt und mit Kühlakkus zu uns geschickt“, sagt Jasmin Skuballa, die ebenfalls am Igel-Projekt mitarbeitet. Die Wissenschaftler entnehmen Proben der Organe und testen mit der PCR-Methode, ob sich in ihnen die Erbsubstanz (DNA) von Borrelien nachweisen lässt. Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist Standard in der Routinediagnostik beim Nachweis von Bakterien oder Viren. „Wir katalogisieren die Ergebnisse und erstellen so eine Karte, auf der verzeichnet ist, in welchen Regionen Igel mit diesen Krankheiten infiziert sind“, sagt Jasmin Skuballa.
Borreliose bei Igeln
Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Igel als Wirtstiere auch eine Bedeutung für Borreliose- und FSME Erkrankungen beim Menschen haben. Die Biologen konnten bisher bei Igeln drei verschiedene Stämme von Borreliose-Erregern nachweisen. Darunter sind Borrelia afzelii und Borrelia garinii - diese Stämme können auch beim Menschen die Erkrankung auslösen. Auch eine erst seit kurzem beschriebene Borrelienart, Borrelia spielmanii wurde erstmalig in Igeln nachgewiesen. Sie wird ebenfalls als humanpathogen eingestuft.



