Informationsdienst zecken.de - Newsletter Juli 2007
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Gefährliche Urlaubsmitbringsel
Zeck, bleib weg! So schützen Sie sich vor Zeckenstichen.
Zecke des Monats: Die Schafzecke
Versuche mit künstlicher Haut und Ochsenblut
Gefährliche Urlaubsmitbringsel

- Die Braune Hundezecke befällt hauptsächlich Hunde, kann aber auch auf den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen. (Foto: R.Oehme, Stuttgart)
Und wenn er noch so treuherzig schaut - Hände weg von streunenden und kranken Hunden! Immer wieder bringen Reisende Tiere aus dem Urlaub mit nach Hause. Doch ein Hund kann ein gefährliches Mitbringsel sein: Mit ihm kommt häufig auch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) zu uns. Besonders in den Mittelmeerländern sind viele Hunde von diesem Parasiten befallen. Obwohl die Braune Hundezecke überwiegend an Hunden Blut saugt, kann sie auch Menschen stechen. Diese Zecke kann Rickettsien übertragen, einen Erreger, der das Mittelmeerfleckfieber auslösen kann. Nach einer Infektion mit dem Mittelmeerfleckfieber kommt es rund um die Einstichstelle zu Punktblutungen unter der Haut. Die Erkrankung kann harmlos verlaufen, es kann aber auch zu lebensbedrohlichen Blutungen in Lunge, Leber und Zentralnervensystem kommen.
Klimawandel bringt neuen Lebensraum
In der Natur war es in Deutschland bislang zu kalt für die Braune Hundezecke. Doch wenn sich das Klima weiter erwärmt, ist damit zu rechnen, dass die Braune Hundezecke auch hier heimisch wird - und mit ihr das Mittelmeerfleckfieber. Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg warnt: "Es ist zu erwarten, dass sich das Mittelmeerfleckfieber bei uns ausbreiten wird. Die Erfahrung zeigt: Sind erst die Überträger hier, treten auch die Krankheiten vermehrt auf. Die Hundezecke wird immer wieder eingeschleppt. Künftig wird sie wahrscheinlich auch hier überleben können."
Schützen Sie sich und Ihr Tier!
Urlauber sollten einige Vorsichtsmaßnahmen einhalten, wenn Sie Ihren eigenen Hund mit in die Ferien in Mittelmeerländer nehmen: Suchen sie das Tier regelmäßig ab und entfernen Sie Zecken sofort. Empfehlenswert ist außerdem die Anwendung spezieller chemischer Mittel zur Zeckenabwehr. Überprüfen Sie nach der Rückkehr regelmäßig das Körbchen ihres Hundes und alle anderen Stellen, an denen er sich aufhält, um auch abgefallene Zecke, Nymphen und Larven zu entdecken.
Hundezecken-Invasion in der Wohnung
Hat man die Zecken erst einmal eingeschleppt, kann es schnell zu einem unangenehmen Problem kommen: Die Braune Hundezecke kann sich im Gegensatz zu anderen heimischen Zecken in Wohnräumen vermehren. Sie ist nicht auf ein feuchtes Klima angewiesen, sondern überlebt auch in trockener Luft und pflanzt sich fort. So kann es durchaus vorkommen, dass man sich aus dem Urlaub auch ein Zeckenpärchen mitbringt - und dann eine böse Überraschung erlebt, wenn die Tiere plötzlich in großer Zahl in der Wohnung auftreten.
Zeck, bleib weg! So schützen Sie sich vor Zeckenstichen.
Sie sind überall: Zecken leben im hohen Gras, im Unterholz und auch in Städten tauchen sie vermehrt in Parks und Grünanlagen auf. Seien Sie also auf der Hut, wenn Sie sich in der Natur bewegen! Das gilt für den Waldspaziergang, aber auch für die Gartenarbeit, das Picknick auf einer Sommerwiese und den Sport. Einen sicheren Schutz vor Zecken gibt es nicht – doch mit einigen Verhaltensregeln können Sie das Risiko verringern, von einer Zecke gestochen zu werden.
Zeckenstiche spürt man nicht
Zecken sondern beim Stechen ein Betäubungsmittel ab, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Das bedeutet, dass man einen Zeckenstich nicht spürt! Deshalb: Suchen Sie Ihren Körper nach Zecken ab, wenn Sie draußen in der Natur waren. Zecken bevorzugen gut durchblutete Stellen am Körper mit dünner Haut wie zum Beispiel Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und den Unterleib. Sehen Sie deshalb dort besonders gründlich nach. Vielleicht erwischen Sie die Zecke, bevor sie sticht. Zecken krabbeln häufig erst einmal auf dem Körper und der Kleidung herum, um eine geeignete Einstichstelle zu finden
Vorbeugen mit viel Stoff
Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, können Sie sich mit der richtigen Kleidung schützen: Tragen Sie am besten helle Kleidung, wenn Sie sich in der Natur bewegen. Auf ihr sind die kleinen, dunklen Tiere besser zu erkennen. Wenn möglich, ziehen Sie lange Hosen, Oberteile mit langen Ärmeln und geschlossene Schuhe an, wenn Sie sich draußen bewegen. Sie können sich zusätzlich schützen, indem Sie die Socken über Ihre Hosenbeine ziehen.
Was Zecken nicht riechen können
Insektenabwehrende Mittel, so genannte Repellents, können Zecken abschrecken. Für die Tiere ist der Geruch dieser Mittel unangenehm. Sie bieten aber keinen hundertprozentigen Schutz vor Zeckenstichen. Sie sollten deshalb mehrere Schutzmaßnahmen kombinieren! Mit diesen Verhaltensregeln kommen Sie sicherer durch den Sommer.
Zecke des Monats: Die Schafzecke

- Eine Schafzecke (links) im Größenvergleich zum Gemeinen Holzbock. Die deutlich größere Schafzecke wird auch Riesenzecke genannt. (Foto: Bechtel, Heidelberg)
Neben dem häufig vorkommenden Gemeinen Holzbock leben in Deutschland auch andere Zeckenarten wie zum Beispiel die Schafzecke (Dermacentor marginatus), die zu den Schildzecken gehört und hauptsächlich in den südlichen Bundesländern auftritt. Sie ist verhältnismäßig groß und misst bis zu 16 Millimeter. Man nennt sie deshalb auch Riesenzecke. Zum Vergleich: Der Gemeine Holzbock ist - wenn er kein Blut gesaugt hat - als ausgewachsenes Tier nur zwei bis vier Millimeter lang. Die Larven und Nymphen der Schafzecke stechen bevorzugt kleine Säugetiere. Ausgewachsene Tiere findet man bei Schafen am Hinterkopf, am Hals und am Rücken. Ein Zeckenbefall an Schafen ist schnell zu erkennen: Der Zeckenkot enthält Blutbestandteile und verfärbt die Wolle der Schafe. Die Schafzecke ist nicht selektiv: Sie sticht auch Ziegen, Rinder, Rotwild, Hunde und Menschen.
Extreme Ansteckungsgefahr
Die Schafzecke kann gefährliche Krankheiten übertragen: Sie verbreitet den Erreger Coxiella brunetti, der das Q-Fieber auslöst. Das Bakterium befindet sich im Kot der Zecke, übertragen wird es nicht mit dem Stich, sondern durch Einkratzen in die Haut des Opfers. Auch über eingetrockneten Zeckenkot, der als Staub in der Luft vorkommt, können sich Menschen mit dem Q-Fieber infizieren, wenn sie den Erreger einatmen. Bei Schafen und Ziegen führt das Q-Fieber zu Fehl- und Totgeburten. In Fruchtwasser und Nachgeburt befindet sich dann eine extrem hohe Anzahl an Erregern. Auch eine indirekte Ansteckung ist möglich, zum Beispiel über verunreinigtes Stroh. 2003 erkrankten rund 300 Besucher eines Bauernmarktes in Soest am Q-Fieber, eines der ausgestellten Schafe war mit Coxiella brunetti infiziert. In Jena wurden 350 Menschen krank, nachdem auf einer Weide in der Nähe einer Plattenbaussiedlung ein infiziertes Schaf ein Lamm zur Welt gebracht hatte.
Verlauf der Krankheit
In mehr als der Hälfte der Fälle verläuft eine Infektion beim Menschen unbemerkt, bei rund 40 Prozent treten nach zwei bis vier Wochen erste Symptome auf: hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Viele Patienten empfinden Licht als unangenehm. Häufig kommen trockener Husten und eine Lungenentzündung dazu. Das Q-Fieber kann chronisch verlaufen und zu einer Entzündung des Herzmuskels führen. Mit Antibiotika lässt sich die Krankheit behandeln.
Versuche mit künstlicher Haut und Ochsenblut
Forschern des Instituts für Biologie der Universität Neuchâtel ist es gelungen, eine künstliche Haut zu entwickeln, an der sie die Wirksamkeit chemischer Mittel gegen Zecken testen können. "Die Zecken fühlen sich auf dieser künstlichen Haut sehr wohl und verhalten sich ganz natürlich", sagt Dr. Thomas Kröber, der an dem Projekt unter der Leitung von Dr. Patrick Guerin mitarbeitet. So sieht der Versuchsaufbau aus: In einem kleinen Zylinder befindet sich Ochsenblut, das sich die Forscher im Schlachthof besorgen. Dem Blut wird zum Beispiel ein Mittel gegen Zecken, ein so genanntes Akarizid, zugesetzt. In diesen Zylinder wird eine röhrenförmige Fütterungseinheit getaucht, über deren unteres Ende eine weniger als 0,1 Millimeter dicke, mit Gewebe verstärkte Silikonmembran gespannt ist. Diese Membran wurde mit einem Extrakt aus Rinderfell präpariert. Zecken, die sich überwiegend über den Geruchssinn orientieren, halten die Versuchsumgebung für einen geeigneten Wirt.
Forscher überlisten die Zecken
Die Zecken werden ausgetrickst: Sie heften sich an die künstliche Haut, reißen sie mit ihren scharfen Mundwerkzeugen auf und fangen an, Blut zu saugen - wie an einem lebendigen Tier. "Zwischen 75 und 100 Prozent der Zecken setzen sich an der Kunsthaut fest", sagt Dr. Thomas Kröber. Durch die standardisierte Versuchsumgebung herrschen kontrollierte Bedingungen. "Bei Versuchen mit lebenden Tieren zeigen sich unterschiedlich starke Abwehrreaktionen der einzelnen Tiere, die nicht vorhersehbar sind. Die Tiere bewegen und kratzen sich, die Zecken können wieder abfallen und auch Immunreaktionen sind bekannt", erklärt Dr. Kröber. Man braucht außerdem weitaus größere Mengen der Testsubstanz, wenn man mit lebenden Tieren arbeitet. Die Forscher überprüfen mit ihren Versuchen die Wirksamkeit von Akariziden, die Haustieren wie Rindern auf den Rücken gesprüht werden, um den Zeckenbefall einzudämmen. Um ein solches Mittel an einem zehn Kilogramm schweren Hund zu testen, sind einige hundert Milligramm davon nötig. Für die Versuche mit der Kunsthaut reicht ein Bruchteil davon aus. Der Fütterungsassay könnte darüber hinaus für weitere angewandte Forschungen mit Zecken genutzt werden: Zum Beispiel zur Untersuchung von Krankheitsübertragungsmechanismen und zeckenabschreckenden Stoffen, so genannten Repellents, oder zur Entwicklung potentieller Impfstoffe.
Weniger Tierversuche nötig
Man spricht bei solchen Versuchsanordnungen von in vitro-Versuchen. Das bedeutet, dass Forscher nicht mit einem lebenden Organismus arbeiten, sondern im Reagenzglas forschen. In vitro-Versuche können, wie dieses Beispiel zeigt, wirtschaftlicher als Versuche am lebenden Tier sein. Sie helfen, die Zahl der Tierversuche zu verringern. Die Forschung von Dr. Kröber und Dr. Guerin wird deshalb von der 3R Research Foundation Switzerland gefördert. Die 3R Stiftung unterstützt Vorhaben, in denen Alternativen zu Versuchen an Tieren entwickelt werden. 3R steht für Reduce, Refine, Replace. Auf Deutsch: Vermindern, Verbessern, Vermeiden. Das Team von Dr. Guerin hat dieses Ziel erreicht: Die Zecken fallen auf die künstliche Kuhhaut rein.


