Informationsdienst zecken.de – Newsletter Februar 2009
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Keine Entwarnung: Zecken sind im Winter nicht erfroren
Zugvögel verschleppen Zecken über große Distanzen
Ziegen helfen FSME-Risikogebiete zu identifizieren
Ei, Larve, Nymphe, Zecke – In welchem Entwicklungsstadium Zecken gefährlich sind
Keine Entwarnung: Zecken sind im Winter nicht erfroren
Dieser Winter ist zwar kälter als der letzte: Den Zecken schadet die kalte Jahreszeit allerdings kaum. Selbst wenn es schneit und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, überleben viele der kleinen, aber gefürchteten Spinnentiere, die krankmachende Bakterien und Viren auf den Menschen übertragen können.
Wenn im Spätherbst die Temperaturen fallen, suchen die Zecken vor allem in Nestern von Mäusen, der Laubstreu aber auch in Maulwurfsbauten oder Fuchshöhlen Schutz vor der Kälte. Eine geschlossene Schneedecke wirkt dort sogar isolierend. „Nur lange, schwere Fröste, bei denen der Boden über 20 cm durchfriert, haben einen Einfluss auf die Zeckenpopulation“, erläutert Professor Heinz Mehlhorn, Parasitologe an der Universität Düsseldorf. Das ist in Deutschland in einem normalen Winter allerdings selten der Fall. Der Experte weiß, dass Zecken sehr robust sind: Selbst in Sibirien kommen sie vor. Auch die Eiszeiten haben den Zecken nichts anhaben können. „Trockene Sommer sind für Zecken viel eher ein Problem als kalte Winter“, so Mehlhorn.
Steigen die Temperaturen wieder über 7 Grad Celsius werden die Zecken aktiv. Das kann auch an einem milden Wintertag der Fall sein. Dann klettern die auch als Holzböcke genannten Tiere an Grashalmen, Stauden oder Büschen hoch und warten auf einen warmblütigen Wirt, an den sie sich anheften können. Das Kommen eines Rehs oder Menschen können Zecken gut erkennen: Sie spüren die Erschütterung des Bodens und riechen den Schweiß und Atem. Gelingt es der Zecke, sich mit den Vorderbeinen am Wirt festzukrallen, sucht sie unter Umständen mehrere Stunden nach einer geeigneten Einstichstelle. Dort, wo die Haut dünn und gut durchblutet ist, sticht sie zu. Vom Stich selbst merkt der Wirt oft nichts, da die Zecke schmerzstillende Stoffe mit dem Speichel in die Wunde abgibt. Mehrere Tage saugt die Zecke nun Blut und gibt ein Teil der Flüssigkeit mit Speichel vermischt wieder zurück.
Bei dieser Blutmahlzeit kann die Zecke deshalb sowohl selbst Erreger aufnehmen als auch den Wirt anstecken. „In Deutschland sind 20 bis 30 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert“, so Mehlhorn. Die schraubenförmigen Bakterien können zur Krankheit Lyme-Borreliose führen, die mit Antibiotika gut behandelt werden kann, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Ein typisches Zeichen ist das Auftreten einer Wanderröte nach dem Stich, das allerdings auch fehlen kann.
Aber Zecken können nicht nur Bakterien sondern auch Viren übertragen. Während Zecken mit Borrelien in ganz Deutschland vorkommen, sind Zecken mit FSME-Viren vor allem in Süddeutschland verbreitet. Allerdings zeigen die FSME-Verbreitungskarten auch Erkrankungsfälle aus dem Norden und Osten Deutschlands. „An manchen Stellen tragen bis zu 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus“, erläutert Mehlhorn. Das FSME-Virus kann zu einer Entzündung von Hirn und Hirnhäuten, einer Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis, führen, die man nicht ursächlich behandeln kann. Allein eine rechtzeitige Impfung kann vor der Krankheit schützen. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin die Impfung für alle Zecken exponierte Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Neben Forstarbeitern oder Landwirten sind das auch alle, die in ihrer Freizeit gerne die Natur genießen.
Aber nicht nur in Wäldern lauern die Zecken. Immer häufiger halten sie sich ganz in der Nähe des Menschen auf. In naturnahen Gärten locken Komposthaufen Igel und Mäuse an, selbst Füchse kommen zunehmend in die Wohngebiete. Mit den Tieren verbreiten sich so auch die Zecken im Lebensraum des Menschen. „Zecken sind überall da, wo auch Tiere sind, die Zecken befallen“, so Mehlhorn. Auch wenn Zecken selbst wenig beweglich sind, überwinden sie mit ihren Wirten große Distanzen. Selbst wenn ein extremer Winter den Zecken in einer Region stark zusetzt, sind diese Gebiete schon bald wieder von Zecken befallen.
Zugvögel verschleppen Zecken über große Distanzen
Aus eigener Kraft kommen Zecken nur wenige Meter weit. An Vögeln festgesogen überwinden sie selbst Gebirge und Meere. So können Vögel auch zur Verbreitung von Zeckenerkrankungen mit beitragen. Zecken sind bei der Wahl ihrer Wirte nicht wählerisch. An über 300 verschiedenen Haus- oder Wildtierarten hat man die winzigen Schmarotzer bereits gefunden. Auch wenn sie in ihren Jugendstadien bevorzugt Kleinsäuger wie Mäuse, Igel oder Eichhörnchen befallen: Die in Deutschland heimische Zeckenart, Ixodes ricinus, wurde an mehr als 100 Vogelarten nachgewiesen.
Vögel, die auf einer Wiese oder im Laub nach Nahrung suchen, können leicht auf eine hungrige Zecke treffen. Besonders die jungen Zecken, die Larven und Nymphen, halten sich gerne in Bodennähe auf. Mit einem hochkomplexen Sinnesorgan, dem Haller`schen Organ, das sich an ihren Vorderbeinen befindet, können sie einen nahenden Vogel rechtzeitig wahrnehmen und sich blitzschnell festkrallen. Für ihre weitere Entwicklung benötigen sie eine Blutmahlzeit und so saugen sie sich fest.
Da das Saugen mehrere Tage dauert, begleitet die Zecke fortan den Wirtsvogel bei seinen Flügen. Welche Entfernung sie dabei zurücklegt, hängt davon ab, ob sie an einem Stand-, Strich- oder Zugvogel saugt. So können zum einen infizierte Zecken in bisher unbelastete Regionen verschleppt werden. Zum anderen können die Vögel durch die Zecken selbst mit Krankheitserregern infiziert werden. Forscher der Universität Bonn haben im Rahmen einer Beringungsaktion Zugvögel auf Zeckenbefall untersucht. Im Durchschnitt war jeder dritte der im Frühling auf der Ostseeinsel Greifswalder Oie gefangenen Vögel von Zecken befallen, allerdings waren verschiedene Vogelarten unterschiedlich stark betroffen. Die abgesammelten Zecken untersuchten die Wissenschaftler anschließend molekularbiologisch auf Krankheitserreger wie Borrelien. Die Infektionsrate war von dem Entwicklungsstadium der Zecken abhängig: Jede fünfte Larve und mehr als jede dritte Nymphe war infiziert. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Zecken diese Erreger von den Vögeln erworben haben.
Zecken können sich nicht nur mit Borrelien bei Vögeln anstecken. Auch das FSME-Virus kann beim Saugen wahrscheinlich übertragen werden. Bereits vor Jahrhunderten muss das FSME-Virus durch Vögel aus dem östlichen Russland über das Meer nach Japan verbreitet worden sein wie genetische Untersuchungen des Virenstammes zeigen. Auch in Finnland wurden Zecken gefunden, die mit einem fernen sibirischen FSME-Virustyp infiziert waren.
Ziegen helfen FSME-Risikogebiete zu identifizieren
Große Haustiere wie Ziegen, Schafe oder Rinder werden häufig von Zecken befallen. Eine polnische Forschergruppe um Pawel Stefanoff hat jetzt herausgefunden, dass eine Blutuntersuchung bei Ziegen helfen kann, Risikogebiete für die von Zecken auf den Menschen übertragene Frühsommer-Meningoencephalitis, kurz FSME, zu erkennen. Ziegen können wie Menschen von Zecken mit dem FSME-Virus angesteckt werden. Die Infektion lässt sich später leicht im Blut nachweisen, da der Körper als Abwehrreaktion Antikörper gebildet hat, die gegen das FSME-Virus gerichtet sind.
Die Warschauer Forscher suchten im Serum von fast 1500 Menschen nach den spezifischen Antikörpern. Die Proben hatten sie nach dem Zufallsprinzip in der Blutbank ausgewählt. Je nach Region konnten sie so bei ein bis vier Prozent der Blutspender Antikörper nachweisen. Menschen, die aus Risikogebieten kamen, hatten nicht häufiger Antikörper gegen FSME-Viren im Blut als Menschen aus unbelasteten Gebieten. Die Forscher glauben daher, dass die Ansteckung auf Reisen in Risikogebiete erfolgte.
Zugleich untersuchten Stefanoff und Kollegen das Blut von 358 Ziegen von Milch produzierenden Bauernhöfen. Hier zeigte sich, dass in bekannten Risikogebieten 9,3% der Ziegen infiziert waren. In nicht endemischen Gebieten waren es hingegen nur 1,4%. Blutuntersuchungen von Ziegen zeigen offenbar genauer, wie verbreitet FSME-Viren in einem Gebiet sind. So konnten im Nordwesten Polens neue Gebiete als mögliche Risikogebiete identifiziert werden, die bisher nicht durch erhöhte FSME-Fallzahlen aufgefallen waren.
Der Genuss von Rohmilch oder Käseprodukten aus Rohmilch kann, wenn die Tiere mit dem FSME-Virus infiziert sind, zur so genannten alimentären FSME führen. Klinisch unterscheidet sich diese von Nahrungsmitteln verursachte FSME nicht von der durch Zecken übertragenen. Daher sollte Milch grundsätzlich nur abgekocht verwendet werden. Auch pasteurisierte Milch ist unbedenklich.
In Österreich hatten sich im Sommer 2008 sechs Menschen durch den Verzehr von Rohmilch-Ziegenkäse mit dem FSME-Virus infiziert. Vier erkrankten schwer an FSME. Keine der Personen war gegen FSME geimpft. Der Frischkäse wurde vom Senner auf seiner Alm in 1564 Metern Höhe selbst hergestellt. Die anschließende Untersuchung ergab, dass die Rohmilch für den Käse von einer Ziege namens „Bianca“ stammte, die mit FSME-Viren infiziert war.
Ei, Larve, Nymphe, Zecke – In welchem Entwicklungsstadium Zecken gefährlich sind
Zecken sind Schmarotzer: Sie brauchen das Blut eines anderen Tieres oder Menschen. Nur so können sich die Spinnentiere von der Larve zur Nymphe und schließlich zur erwachsenen Zecke entwickeln. Der Stich ist für das Opfer aber nicht ohne Risiko.
Eine Vielzahl von Erregern können durch Zecken übertragen werden. Für den Menschen von Bedeutung sind vor allem die Borrelien, die zu den spiralförmigen Bakterien gehören, sowie das FSME-Virus. Schon in den Eiern, von denen ein Zeckenweibchen etwa 3000 in die schützende Laubstreu legt, können die Erreger enthalten sein. Aus den Eiern schlüpfen die knapp einen Millimeter großen Larven. Für den Menschen sind die sechsbeinigen Tiere selten gefährlich: Sie tragen wenn überhaupt wenige Erreger in sich und können die Haut des Menschen nur an sehr dünnen Stellen durchdringen. Außerdem bewegen sie sich aufgrund ihrer Körpergröße in Bodennähe. So befallen sie in erster Linie kleine Tiere, wie Mäuse, Igel oder Eichhörnchen.
Einige Wochen oder auch Monate nach der ersten Blutmahlzeit entwickelt sich die Larve weiter zur Nymphe. Das nach der Häutung nun achtbeinige, bis zwei Millimeter große Tier hat sich beim ersten Wirtskontakt häufig mit Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren infiziert. Bei der Krankheitsübertragung auf den Menschen spielt das Nymphenstadium daher eine große Rolle. Weil Nymphen auch sehr zahlreich in der Natur vorkommen – sie sind etwa zehnmal so häufig wie erwachsene Zecken – sind die meisten der am Körper des Menschen gefundenen Zecken in diesem Stadium. Da sie zudem sehr klein sind, werden sie vom Mensch oft gar nicht bemerkt, so dass sie ungestört drei bis fünf Tage saugen können.
Nach der zweiten Blutmahlzeit entwickelt sich die Nymphe zur zwei bis vier Millimeter großen, erwachsenen Zecke. Die jetzt geschlechtsreifen Tiere können etwa 1,50 Meter hoch klettern und befallen häufig größere Wirte, zum Beispiel Rehe, Hunde oder auch Menschen. Im Gegensatz zum Männchen, das nur sehr selten saugt, braucht das Weibchen eine umfangreiche dritte Blutmahlzeit, um Eier ablegen zu können. Die Weibchen sind daher für den Menschen gefährlicher als die Männchen. Die lange Saugzeit von sechs bis zehn Tagen, bei der das Weibchen um das 200fache seines Körpergewichtes zunehmen kann, erhöht die Möglichkeit einer Krankheitsübertragung im Vergleich zu den Nymphen. Auch die Tatsache, dass eine erwachsene Zecke bereits an zwei verschiedenen Wirten gesogen hat, macht eine Infektion wahrscheinlicher. Da die erwachsenen Zecken aber größer sind als die Nymphen, werden sie vom Menschen häufiger entdeckt und entfernt bevor sie voll gesogen sind.
Zwar führt nicht jeder Stich einer infizierten Zecke zur Erkrankung. Doch sollte man sich so gut vor Zeckenstichen schützen wie möglich. Auf Zeckenabwehrmittel alleine kann man sich dabei nicht verlassen. Wie die Stiftung Warentest im Testheft 5/2008 untersuchte, bieten die sogenannten Repellents allenfalls kurzzeitigen Schutz. Von zwanzig untersuchten Mitteln erreichte keines ein gutes Testurteil, zwölf wurden sogar mit mangelhaft bewertet. Zuviel sollte man daher nicht erwarten, wenn man das Spray vor dem Aufenthalt in der Natur auf Schuhe, Socken, Hosen, sowie Beine und Arme sprüht. In jedem Fall sinnvoll ist der Schutz durch geeignete Kleidung, wie lange Hosen, festes Schuhwerk sowie langärmelige Oberteile. Wichtig ist es auch, den Körper möglichst bald nach einem Ausflug nach Zecken abzusuchen. Werden die Zecken schnell entfernt, sinkt vor allem das Risiko, an Borreliose zu erkranken. FSME-Viren werden allerdings schon in den ersten Stunden nach dem Stich übertragen. Hier schützt nur die FSME-Impfung.






