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Achtung, Bergfreunde: Zecken breiten sich im Gebirge aus
Stiftung Warentest: Anti-Zecken-Mittel bieten keinen zuverlässigen Schutz
Erster FSME-Fall in Deutschland - Zecken sind auch bei Kälte aktiv
Achtung, Bergfreunde: Zecken breiten sich im Gebirge aus
In vielen Internetforen für Bergwanderer und Kletterer häufen sich Berichte von Sportlern, die bei ihren Gebirgstouren von Zecken gestochen wurden. Bislang ging die Forschung davon aus, das Zecken nur bis zu einer Höhe von zirka 700 bis 800 Meter über dem Meeresspiegel vorkommen. Seit einigen Jahren aber gibt es vermehrt Hinweise, dass Zecken auch in höheren Lagen leben. Das bedeutet, dass sich künftig auch zum Beispiel Wanderer und Urlauber im Gebirge gegen Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten wie FSME und Borreliose schützen müssen.
Zecken erobern das Riesengebirge
Im tschechischen Riesengebirge konnten Forscher nachweisen, dass Zecken inzwischen auch in einer Höhe von 1250 Metern vorkommen. Die Wissenschaftler suchten über fünf Jahre in verschiedenen Höhen nach Zecken und entdeckten dabei neue Populationen. Mit der Flag-Methode kann man herausfinden, wie viele Zecken in einem bestimmten Gebiet leben. Dabei ziehen die Wissenschaftler ein helles Tuch über ein genau definiertes Areal. Die dort lebenden Zecken verfangen sich darin und können gezählt werden. Im Riesengebirge zählten die Wissenschaftler in 600 bis 800 Meter nach einer Stunde Flagging durchschnittlich 31 Nymphen, in 800 bis 1000 Meter fanden sie 17,6 und in 1000-1200 Metern Höhe noch 2,3 Tiere.
Zusammenhang mit der Klimaerwärmung
Diese neuen Zeckenpopulationen sind erstaunlich überlebensfähig. Gesogene Zecken entwickeln sich auch in dieser Höhe ganz normal, ungesogene überleben mindestens eine Vegetationsperiode. Die Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung: Die monatliche Durchschnittstemperatur ist im Riesengebirge in den Monaten Mai bis August um 2,5 Grad C gestiegen - das ergab eine Auswertung von Klimadaten aus dem Jahren 1961 bis 2005. Diese höheren Temperaturen ermöglichen es den Zecken, auch in höheren Lagen zu überleben und sich zu vermehren.

- Auch im Gebirge müssen Sie sich vor Zecken schützen!
Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Zecken in den Bergen
Auch in Österreich konnten Zecken im Gebirge nachgewiesen werden. Im Sommer 2008 hatten sich sechs Menschen durch den Verzehr von Rohmilch-Ziegenkäse mit dem FSME-Virus infiziert. Dieser Frischkäse wurde auf einer Alm auf 1564 Metern Höhe aus FSME-infizierter Ziegen-Rohmilch hergestellt. Im Schweizer Kanton Bern werden seit zwei Jahren Zecken bis zu einer Höhe von 1500 Metern beobachtet, darauf weist das Kantonsarztamt hin und spricht eine Impfempfehlung zum Schutz vor der FSME aus.
Zecken biologisch bekämpfen
Das Projekt „Borreliose-Prävention“ geht in die zweite Runde. Forscher der Universität Hohenheim untersuchen, welche natürlichen Feinde Zecken haben und wie diese helfen können, die Zeckenpopulation einzudämmen. Zecken können gefährliche Krankheiten wie FSME und Borreliose auf den Menschen übertragen.
Versuche unter kontrollierten Bedingungen
Im ersten Abschnitt der Forschungsreihe untersuchten die Parasitologen der Universität Hohenheim über längere Zeit das Verhalten von Zecken und ihren Fressfeinden unter Laborbedingungen. Nun ist die Finanzierung des Projekts für mindestens ein weiteres Jahr gesichert. „Wir machen jetzt einen weiteren Schritt - raus aus dem Labor, hinein in die Umwelt“, sagt Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim.
Pilze, Wespen und Würmer töten die Zecken
Das Team um Prof. Dr. Ute Mackenstedt und Prof. Dr. Johannes Steidle hat in den vergangenen Jahren drei einheimische Fressfeinde der Zecken untersucht: Der Pilz Metarhizium anisopliae durchdringt die Cuticula der Zecken. Im Körper der Zecke breitet er sich aus und überwuchert sie so von innen. Die Erzwespe Ixodiphagus hookeri legt ihre Eier im Hinterleib der Zecke ab. Dort wachsen die kleinen Wespen, die Zecken sterben ab und schließlich bohren die Wespen ein Loch in den Körper der Zecke und verlassen sie so. Auch Nematoden, also Fadenwürmer, können Zecken töten. Würmer der Art Steinernema carpocapsae dringen über Körperöffnungen und Haut der Zecke in ihren Körper ein. Dabei setzen sie Bakterien frei, die die Zecke absterben lassen.

- Eine von Pilzen befallene Zecke.
Ein Spezialist für jedes Zeckenstadium
Sobald die Zecken wieder aktiv sind, werden die Forscher sie nun unter möglichst naturnahen Bedingungen untersuchen. Dazu wird eine zirka ein Quadratmeter große Versuchsfläche im Freien mit Laub und Pflanzenresten bedeckt und einige Stäbe aufgestellt, an denen die Zecken hochklettern können. Das Areal ist mit Zäunen begrenzt und abgedeckt. Die Forscher setzen Zecken in verschiedenen Entwicklungsstadien in das Versuchsareal: Larven, Nymphen, adulte Zecken sowie mit Blut voll gesogene und ungesogene Zecken. Dann untersuchen sie, wie viele der natürlichen Feinde nötig sind, um die Zecken zu töten. „Wir testen auch, welches Zeckenstadium für welchen Feind anfällig ist“, sagt Prof. Dr. Mackenstedt. Pilze zum Beispiel befallen hauptsächlich Nymphen. Gegen adulte, also ausgewachsene, Zecken helfen die Fadenwürmer besonders gut. Bei den Untersuchungen ist viel Sorgfalt gefordert, um das natürliche Gleichgewicht nicht zu stören. „Wir brauchen einen langen Atem für unsere Forschung und müssen auch beobachten, wie sich die natürlichen Feinde der Zecke auf die gesamte Umwelt auswirken erklärt die Parasitologin.
Stiftung Warentest: Anti-Zecken-Mittel bieten keinen zuverlässigen Schutz
Mit dem Frühling erwachen auch die Plagegeister wieder: Mücken, Bremsen und Zecken. Stiche dieser Insekten sind mehr als nur unangenehm. Insbesondere Zeckenstiche können für den Menschen gefährlich sein, die Blutsauger können beim Stich gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder FSME, die Frühsommer-Hirnhautentzündung, übertragen. Doch wie kann man sich schützen? Die Stiftung Warentest weist in einem Mitte März veröffentlichten Dossier erneut darauf hin, dass viele Insektenabwehrmittel, so genannte Repellents, keinen zuverlässigen Schutz bieten.
Fast zwei Drittel der Anti-Zecken-Mittel wirken nicht
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stiftung 20 Anti-Zecken-Mittel getestet - mit ernüchternden Ergebnissen: Gleich 12 der Mittel sind mangelhaft. Lediglich sechs der getesteten Mittel erhielten das Urteil befriedigend, zwei wurden als ausreichend bewertet. Zecken-Repellents enthalten Stoffe, die von den Zecken mit ihrem Geruchsorgan wahrgenommen werden. Diese Stoffe wirken abschreckend und sollen verhindern, dass die Zecke auf die Haut krabbelt, sich festkrallt und schließlich sticht. Die Tester haben geprüft, ob die Zecke mindestens fünf Zentimeter auf der mit dem Repellent eingeriebenen Haut zurücklegen kann und wie lange die abschreckende Wirkung anhält. Bei vielen der getesteten Produkte gab es keinen lang anhaltenden Schutz, ein Produkt wirkte sogar nur einige Minuten. Etliche Mittel hatten auf ausgewachsene Zecken eine wesentlich schlechtere Wirkung als auf das frühere Entwicklungsstadium der Zecken als so genannte Nymphe. Zudem fehlten bei vielen Produkten Warnhinweise, etwa auf mögliche allergische Reaktionen. Fünf der Mittel dürften gar nicht verkauft werden, da sie keine gültige Registrierung als Biozid haben. Auf Bioziden müssen Anwendungs- und Warnhinweise deutlich erkennbar sein, da diese Substanzen Organismen töten.

- Zwei Zecken auf der Hand eines Menschen - Anti-Zecken-Mittel bieten davor keinen zuverlässigen Schutz!
Was wirklich gegen Zecken hilft
Die Stiftung Warentest rät: „Verlassen Sie sich nicht auf Anti-Zecken-Mittel!“ Einen sicheren Schutz vor Zeckenstichen gibt es also nicht, aber Sie können einiges tun, um das Risiko zu verringern: Halten Sie sich nicht im hohen Gras oder Unterholz auf. Tragen Sie lange Ärmel und lange Hosen und ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine. Helle Kleidung ist günstiger als dunkle, Zecken kann man gut darauf erkennen und entfernen. Suchen Sie sich ab, wenn Sie in der Natur unterwegs waren. Zecken bevorzugen warme, gut durchblutete Hautstellen. Achten Sie deshalb besonders auf Arme, Achselhöhlen, Kniekehlen, Hals, Kopf und den Schritt. Entdecken Sie eine Zecke, entfernen Sie sie so rasch wie möglich. Verzichten Sie dabei unbedingt auf Hausmittel wie das Beträufeln wie Öl und ziehen Sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette aus der Haut. Doch letztlich hilft gegen eine Infektion mit der gefährlichen FSME nur eines: die Impfung. Diese ist gut verträglich und wird kostenlos vom Haus- und Kinderarzt vorgenommen. Auffrischungen sind nur im Abstand von drei bis fünf Jahren nötig.
Erster FSME-Fall in Deutschland - Zecken sind auch bei Kälte aktiv
Auch wenn es im Moment noch ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit ist, können Zecken gefährlich für den Menschen werden. So meldete das Robert-Koch-Institut bereits in der vierten Januarwoche 2009 den ersten FSME-Fall in Deutschland. Hauptsächlich sind Zecken in der Zeit von Ende Februar bis Anfang November aktiv - doch auch in den kälteren Monaten sind Blutsauger auf der Jagd nach einem Wirt.
Zecken sind ab sechs Grad aktiv
Zecken halten keinen Winterschlaf, sie fallen lediglich in eine Art Winterstarre und trotzen der Kälte, indem sie sich unter einer schützenden Laubdecke verkriechen. Steigen die Temperaturen auf mehr als sechs Grad Celsius, erwachen die Zecken und krabbeln zum Beispiel an Grashalmen nach oben. Dort warten sie auf einen Wirt, vom dem sie sich abstreifen lassen. Dicke Kleidung kann nicht hundertprozentig vor Zecken schützen, denn die Spinnentiere krabbeln so lange auf dem Körper umher, bis sie eine geeignete Einstichstelle gefunden haben.
Wärmeres Klima führt zu mehr Zeckenaktivität
Durch die langfristige Klimaerwärmung steigt die Gefahr, sich auch im Winter mit durch Zecken übertragenen Krankheiten wie FSME oder Borreliose zu infizieren. Bereits wenige frostfreie Tage reichen aus, um die Zecken aufzuwecken. Experten empfehlen deshalb, sich an wärmeren Tagen auch außerhalb der Zeckensaison vor den Tieren zu schützen und nach einem Aufenthalt im Freien den Körper nach Zecken abzusuchen.


