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Echte Evolutionssieger: Zecken gibt es seit 350 Millionen Jahren

In Bayern gibt es doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr

Auch beim Urlaub in Europa kann eine Impfung vor Krankheit schützen

FSME-Impfung: Grundimmunität erst nach drei Impfungen - doch viele halten das Impfschema nicht ein

 

 

Echte Evolutionssieger: Zecken gibt es seit 350 Millionen Jahren

Zecken sind ungefähr 1800 mal älter als der Mensch - sie leben seit über 350 Millionen Jahren auf der Erde, der Homo sapiens hingegen erst seit 190.000 Jahren. Die Spinnentiere sind ein Beispiel für die perfekte Evolution, in dieser langen Zeit haben sie sich immer äußerst geschickt an wechselnde Umweltbedingungen angepasst.  Es gibt sie auf der ganzen Welt und auch in extremen Klimaregionen überleben sie - so wurden sogar nahe dem nördlichen Polarkreis Zecken gefunden.

 

Zecken kommen 10 Jahre ohne Nahrung aus
Zecken sind Hungerkünstler und können bis zu 10 Jahre ohne Nahrung überleben. Auf dem Speiseplan einer Zecke steht ausschließlich Blut, das sie bei einem Wirt saugt. Sie lauert im Gras auf ein vorbeistreifendes Tier oder einen Menschen. Wird sie abgestreift, krallt sie sich blitzschnell an ihrem Wirt fest und sucht nach einer geeigneten Einstichstelle. Dabei ist sie nicht besonders wählerisch, von der Eidechse bis zum Menschen kommen viele Lebewesen als Wirt in Frage - so sind Zecken unabhängig von Jahreszeiten und Umgebung. Hat die Zecke dann eine weiche und gut durchblutete Stelle auf dem Körper ihres Opfers gefunden, beginnt ein raffinierter Prozess: Die Mundwerkzeuge der Zecke, die Cheliceren, haben sich im Laufe der Zeit zu scharfen, scherenähnlichen Schneidewerkzeugen entwickelt. Mit ihnen gräbt sie ein Loch in die Haut des Wirtes. In dieser Grube sammelt sich Blut, das die Zecke immer wieder aufsaugt. Doch nur die wertvollen Bestandteile wie Blutkörperchen gelangen in den Kreislauf der Zecke - bereits beim Saugen scheidet die Zecke nicht verwertbare Blutbestandteile wieder aus. So kann sie das 200-fache ihres eigenen Gewichts an konzentrierten Nährstoffen aufnehmen - Energie für eine sehr, sehr lange Zeit.

Eine voll gesogene Zecke - die Tiere können bis zum 200-fachen ihres Körpergewichts aufnehmen.

Die Zecke betäubt die Einstichstelle
Zecken saugen sehr lange, manche Arten bis zu zwei Wochen. Deshalb ist es wichtig, dass sie weder entdeckt noch zufällig abgerissen werden. Die Zecke ist für diese Situation perfekt gerüstet. Beim Stich pumpt sie ihren Speichel in die Wunde - und der hat es in sich: Zum einen verhindern bestimmte Substanzen, dass das Blut gerinnt und zum anderen betäubt er die Stelle  - der Wirt bemerkt nicht, dass ihn eine Zecke gestochen hat. Zecken sind überdies sehr anhänglich: An ihrem Saugrohr haben sie kleine Widerhaken entwickelt, mit denen sie sich im Gewebe des Wirts verhaken. Manche Zecken geben zudem eine Art Zement ab, mit dem sie sich an die Haut des Wirtes kleben.

 

„Zeckentaxis“ wie Zugvögel sorgen für Verbreitung
Zecken nutzen ihre Wirte nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch zur Verbreitung. So transportieren zum Beispiel häufig Zugvögel die Zecke als blinden Passagier in andere Regionen. Oder sie werden, wie die Braune Hundezecke, mit Haustieren aus dem Urlaub in Mittelmeerländern nach Nordeuropa eingeschleppt. So können sich Zecken auf der ganzen Welt verbreiten - und in dieser Situation kommt ihnen eine weitere Eigenschaft zugute: Ein Zeckenweibchen legt bis zu 5.000 Eier. Und so können 5.000 kleine Evolutionssieger weiteren Lebensraum für sich erobern.

 

 

In Bayern gibt es doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr

An den in Bayern auf Zecken untersuchten Stellen gibt es in diesem Jahr etwa doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr - das berichtet Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Der Facharzt für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie beobachtet und untersucht seit fünf Jahren die Zeckenpopulationen an mehreren Standorten in den Landkreisen Amberg und Schwandorf.  „2008 haben wir in einer Stunde zirka 100 Zecken gesammelt, in diesem Jahr sind es rund 200“, sagt Dobler. Der Forscher nutzt die Flagging-Methode, bei der ein helles Stück Stoff über ein abgegrenztes Areal gezogen wird. Die Zecken verhaken sich im Gewebe und können dann abgesammelt und gezählt werden. 

 

Zecken profitieren vom kalten Winter 2008
„Verschiedene Zoologen haben beobachtet, dass Spinnentiere wie Zecken in kalten und langen Wintern bessere Überlebenschancen haben“, berichtet Dobler. Liegen die Temperaturen unter sieben Grad Celsius, fallen Zecken in eine Art Winterstarre, wird es wärmer, wachen sie auf. „Ist es sehr kalt, so wie im vergangenen Jahr, vergeuden die Zecken keine Energie, sondern überdauern in dieser Starre die gesamte kalte Jahreszeit“, erklärt der Mediziner. „Außerdem können sich bei niedrigen Temperaturen bestimmte Schimmelpilze, die Zecken befallen und töten können, nicht vermehren.“

 

 

In Bayern gibt es in diesem Jahr doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr.

Mehr Zecken, mehr FSME-Infektionen?
Mit der Anzahl der Zecken könnte auch die Zahl an FSME-Infektionen bei Menschen steigen. Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird beim Zeckenstich übertragen und kann zu einer Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung führen. Die Krankheit ist meldepflichtig. „Durch den langen Winter begann in diesem Jahr die Zeckensaison vier Wochen später als gewöhnlich, doch inzwischen lässt sich beobachten, dass es auch mehr FSME-Fälle als im Vorjahreszeitraum gibt - in den letzten Wochen sind die Zahlen sprunghaft angestiegen“, sagt Dobler.

 

Schutzmaßnahmen sind wichtiger denn je
Wer sich in einem Risikogebiet viel in der Natur bewegt, sollte sich vor Zeckenstichen schützen. Besonders in hohem Gras und im Unterholz sollte man lange Hosen und lange Ärmel tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken. Auf heller Kleidung sind Zecken schneller zu erkennen. „Man kann außerdem Kleidung und Haut mit einem Zeckenrepellent behandeln“, empfiehlt Dobler. Diese Mittel beinhalten einen Stoff, der abschreckend auf Zecken wirkt. Wichtig ist auch, sich nach jedem Aufenthalt im Freien sorgfältig nach Zecken abzusuchen. Gegen eine FSME kann man sich impfen lassen, die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen für alle, die sich in Risikogebieten aufhalten.

Erfahren Sie mehr: So schützen Sie sich vor Zecken 
Erfahren Sie mehr: Die aktuellen FSME-Verbreitungskarten

 

 

Auch beim Urlaub in Europa kann eine Impfung vor Krankheit schützen

Wer eine Fernreise plant, informiert sich ganz selbstverständlich über notwendige Impfungen. Die Malaria-Prophylaxe oder Schutzimpfungen vor Hepatitis A und B sowie anderen Krankheiten gehören zur Reisevorbereitung dazu. Doch woran viele nicht denken: Auch beim Urlaub in Deutschland und Europa kann eine Impfung vor Krankheit schützen. Wer zum Beispiel in den Schwarzwald fährt, sollte sich gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen lassen - das empfiehlt die Ständige Impfkomission (STIKO). Der Schwarzwald gehört zu den FSME-Risikogebieten  - wie viele andere beliebte Urlaubsziele in Deutschland auch.

Zu den Risikogebieten, in der regelmäßig FSME-Erkrankungen auftreten, gehören Baden-Württemberg, große Teile von Bayern sowie einige Regionen in Hessen und Thüringen. Vereinzelt wurden in den vergangenen Jahren auch FSME-Fälle aus Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mitteldeutschland gemeldet. Das FSME-Virus wird von Zecken übertragen und kann das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen.

 

Zu den Reisevorbereitungen gehört auch, sich über Krankheiten zu informieren.

Nicht nur Urlauber, auch Sportler  und Kurzreisende sollten sich schützen
Insbesondere für Personen, die sich in der Natur aufhalten, ist eine Impfung sinnvoll - dabei spielt es keine Rolle, wie lange Sie sich draußen bewegen. 90 Prozent der an FSME erkrankten Personen infizieren sich bei Freizeitaktivitäten, zum Beispiel beim Wandern, Zelten, Joggen oder der Gartenarbeit. Dieses Risiko wird oft unterschätzt: Neben Campern sind auch Geschäftsreisende gefährdet, etwa bei der abendlichen Joggingrunde im Park. Auch wer nur einen Wochenendtrip zu einem Open Air oder einer Sportveranstaltung in einem Risikogebiet macht, kann dort von einer Zecke gestochen werden.

 

FSME-Risikogebiete in Europa
Auch im europäischen Ausland breitet sich die FSME aus. Risikogebiete gibt es in der Schweiz, in Österreich, Ungarn, Tschechien, in der Slowakei, in Schweden, Serbien, Albanien und dem Baltikum. Denken Sie bei Ihren Reisevorbereitungen also auch an eine FSME-Impfung und informieren Sie sich über die Risikogebiete - damit Sie Ihren Urlaub unbeschwert genießen können!

Erfahren Sie mehr: Risikogebiete in Deutschland und Europa

 

 

FSME-Impfung: Grundimmunität erst nach drei Impfungen - doch viele halten das Impfschema nicht ein

Im Juni 2008 befragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rund 48.000 Personen zum Thema Impfschutz vor FSME. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie die Impfung gegen FSME für sehr wichtig oder wichtig halten - doch bundesweit haben lediglich knapp 15 Prozent der Befragten eine vollständige Grundimmunisierung. Die höchsten Impfquoten gibt es in den Risikogebieten: In Bayern ist ein Drittel vollständig geimpft, in Baden-Württemberg rund ein Viertel und in Thüringen rund ein Fünftel der Bewohner.

 

Erst nach drei Impfungen ist die Grundimmunisierung vollständig
Erst nach insgesamt drei Impfungen ist man vor einer FSME-Infektion geschützt. Zwischen der ersten und zweiten Impfung sollen maximal zwölf Monate liegen, die dritte Impfung muss nach maximal zwölf Monaten nach der zweiten erfolgen. Nach dieser Grundimmunisierung ist man für mindestens drei Jahre geschützt, dann muss die Impfung erneut aufgefrischt werden - dazu genügt eine Spritze, der so genannte Booster. Die Studie der GfK ergab, dass rund die Hälfte aller Befragten nicht weiß, wann eine Auffrischungsimpfung notwendig ist.

 

Viele haben nur eine Impfung - und somit keinen Schutz vor einer FSME
Rund 11 Prozent der Befragten sind nur ein oder zweimal geimpft und haben so keine vollständige Immunisierung. Dabei fällt auf, dass viele die Impfung abbrechen und das Schema nicht einhalten: So haben von den einmalig Geimpften im Jahr 2008 rund 19 Prozent die zweite Impfung nicht durchführen lassen. Bei den bereits zweimal Geimpften waren es rund 5 Prozent, die den dritten Impftermin nicht wahrgenommen haben. Sie sind also nicht gegen eine FSME geschützt - obwohl die Ständige Impfkomission (STIKO) eine Impfung für alle empfiehlt, die in Risikogebieten leben, Urlaub machen oder sich dort viel in der Natur bewegen. Auch das Robert-Koch-Institut betont im Epidemiologischen Bulletin Nr. 18/2009, dass eine weitere Aufklärung über die Relevanz des Impfschutzes in den Risikogebieten sehr wichtig sei.

 

Wie die Impfung funktioniert
Bei der Impfung werden abgetötete FSME-Viren injiziert. Das menschliche Immunsystem bildet dann Abwehrstoffe (Antikörper), die bestimmte Oberflächenproteine des Virus erkennen und sie binden. Kommen nach einer vollständigen Impfung durch einen Zeckenstich erneut FSME-Viren in den Körper, erkennt sie das Immunsystem mit Hilfe der Antikörper und zerstört sie.  Man spricht in diesem Fall von der aktiven FSME-Impfung, da der Körper selbst die Abwehrstoffe produziert, die zur Bekämpfung der Viren notwendig sind.

 

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