Informationsdienst zecken.de
Die Texte können für journalistische Zwecke kostenfrei übernommen werden.
FSME auf Norderney – zwischen Wahrheit und Fiktion
Weniger FSME-Erkrankungen in Österreich - Impfung zeigt Wirkung
Zeckenschule.de - was Kinder über Zecken wissen müssen
FSME auf Norderney – zwischen Wahrheit und Fiktion
FSME auf Norderney? Was sich zunächst nach einem ungewöhnlichen Einzelfall anhört, wird schnell zu einer weltweiten Bedrohung – so zumindest im neuen Thriller „Fürchte dich nicht!“* von Jürgen Kehrer.
Der Autor der beliebten Krimi-Reihe „Wilsberg“ kennt sich aus mit spannenden Plots und überraschenden Wendungen – und nebenbei auch mit naturwissenschaftlichen Themen. Beide Fähigkeiten hat er dazu genutzt, einen Wissenschaftsthriller zu schreiben, der den Leser das Fürchten lehrt.
Aber warum ausgerechnet Zecken als Protagonisten eines Wissenschafts- und Politthrillers? Da waren zum einen Berichte über die extrem hohen Zeckenpopulationen auf der Nordseeinsel Juist, die dort so manchen Touristen nach einem Tag in den Dünen zu Dutzenden besiedelten. „Außerdem fand ich Zecken aus schriftstellerischen Überlegungen heraus spannend“, sagt der Autor. „Eine durch Zecken übertragene Krankheit lässt sich zwar schwerer, dafür aber gezielter übertragen und war als Thema einfach origineller als eine Virusinfektion, die ohne den gruseligen Überträger auskommt.“
Schauplatz von „Fürchte dich nicht!“ ist die Nordseeinsel Norderney, auf der sich eine von Zecken übertragene Variante der FSME breitmacht – mit fatalen Folgen. Denn die Opfer des neuen Virus verlieren jegliche Angst vor den Konsequenzen ihres Handelns und werden zunehmend unberechenbar. Zur gleichen Zeit, als das neue Virus auf den Plan tritt, laufen auf Norderney die Vorbereitungen für ein internationales Gipfeltreffen auf Hochtouren. Und schnell wird klar, dass beide Ereignisse aufs Engste miteinander verknüpft sind.

- Das Buchcover von "Fürchte dich nicht!" und der Autor Jürgen Kehrer (Foto: Sarah Koske)
Was „Fürchte dich nicht!“ so spannend und bedrohlich zugleich macht, ist die Tatsache, dass nahezu alle beschriebenen Ereignisse im Bereich des Möglichen liegen. Kein Zufall übrigens, denn Hirngespinste interessieren den Autor wenig: „Die Basisfakten müssen stimmen“, meint er. Aus diesem Grund hat Jürgen Kehrer für seinen Thriller gründlich recherchiert. Er hat nicht nur etliche Bücher und Internetseiten gewälzt, sondern auch persönlich mit Wissenschaftlern gesprochen. So ließ er sich zum Beispiel die Funktionsweise und Handhabung eines Elektronenmikroskops erklären, sprach mit dem Zeckenforscher Dr. Jürgen Stein und stand in regem Austausch mit Prof. Matthias Niedrig vom Robert Koch Institut. Diese Sorgfalt im Hinblick auf wissenschaftlichen Details macht „Fürchte dich nicht“ so authentisch – und so bedrohlich.
Dass Kehrer sich auskennt, merkt man auch an den überraschenden Wendungen, die die Geschichte nimmt. Eine davon ist die alimentäre Übertragungsweise der FSME durch nicht pasteurisierten Ziegen- oder Schafskäse, wie sie tatsächlich im vergangenen Jahr auf einer Alm in Österreich vorgekommen ist. Im Thriller sorgt diese seltene Übertragungsart dafür, dass die FSME ganz gezielt verbreitet werden kann – ohne dass dafür die Opfer von Zecken gestochen werden müssen.
Auch das Motiv der Wesensveränderung durch FSME ist nicht aus der Luft gegriffen. Psychische Veränderungen sind nicht nur ein Merkmal der von Kehrer ersonnenen genveränderten Variante der Krankheit, sondern können ebenso bei der herkömmlichen FSME auftreten. Anders als im Thriller sind reale FSME-Patienten aber nicht frei von Ängsten, sondern leiden im Gegenteil vermehrt an Depressionen, Angstzuständen und plötzlichen Stimmungsschwankungen. Auf die Frage, wie viel von seiner Geschichte der Wahrheit entspricht, und wie viel reine Fiktion ist, antwortet Jürgen Kehrer: „Ich würde sagen, 90 Prozent sind realistisch.“ Und das aus gutem Grund: „Das Schöne am Bücherschreiben ist doch, dass man dabei etwas über Themen lernen kann, die einen interessieren.“
Das gilt bei „Fürchte dich nicht!“ auch für den Leser. Denn neben Spannung und Unterhaltung bringt der Thriller seinen Lesern auch einen guten Einblick in wissenschaftliche Forschungsfelder – und offenbart allerlei Erkenntnisse rund um Zecken und die Krankheiten, die von ihnen übertragen werden.
* Jürgen Kehrer: „Fürchte dich nicht!“, Grafit Verlag 2009
Klinischer Verlauf einer FSME
Bis eine FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ausbricht, können bis zu vier Wochen vergehen. Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit, in der keine Symptome auftreten, zwischen sieben und 14 Tagen. Die FSME verläuft im Allgemeinen in zwei Phasen: In der ersten Phase leidet der Patient unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, häufig auch Halsentzündungen oder Übelkeit. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden - manche Patienten wissen gar nicht, dass sie eine FSME hatten, sondern deuten ihre Beschwerden als "Sommergrippe". Doch bei rund zehn bis 30 Prozent der Erkrankten befällt das Virus das zentrale Nervensystem - es kommt zur zweiten Phase der FSME.
Das FSME-Virus greift das Nervensystem an
In der zweiten Phase bekommen FSME-Patienten nach einigen beschwerdefreien Tagen plötzlich sehr hohes Fieber und klagen über Kopf-, Nacken- und Gelenkschmerzen. Viele empfinden Licht als unangenehm. Ihr Zustand verschlechtert sich nun kontinuierlich. Der weitere Verlauf ist davon abhängig, welche Teile des Nervensystems vom FSME-Virus angegriffen werden:
- bei einer Meningitis kommt es zu einer Entzündung der Hirnhaut
- bei der Enzephalitis kommt es zu einer Entzündung des Gehirns, bei einer Meningoenzephalitis zur Entzündung von Hirnhaut und Gehirn
- bei der Radikulitis sind die Nervenwurzeln betroffen, bei einer Myelitis das Rückenmark

- Bei jüngeren Patienten kann eine FSME leichter verlaufen, für ältere Menschen kann die Krankheit sehr gefährlich werden.
Die Entzündungen des Gehirns und der Nerven führen zu verschiedenen Symptomen. So werden Signale nicht mehr korrekt über die Nervenbahnen weitergeleitet, es kommt zu Störungen in der Bewegung und zu psychischen Veränderungen und Beschwerden. Patienten, die die zweite Phase der FSME durchmachen, zeigen beispielsweise Schluck- und Sprachstörungen, Bewusstseinstrübungen, Depressionen und Lähmungen. 50 Prozent der Erkrankungen verlaufen schwerwiegend und 40 Prozent der FSME-Erkrankten leiden unter lange anhaltenden Folgeschäden.
Älteren Menschen sind besonders gefährdet
In ein bis zwei Prozent der Fälle führt eine FSME sogar zum Tod. "Besonders gefährdet sind ältere Menschen, bei ihnen kann die FSME ungünstig verlaufen", sagt Dr. Thorsten Lenhard von der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg. "Auch bei Menschen mit einem vorgeschädigten Nervensystem wie bei Diabetikern oder Alkoholikern kann die FSME einen schweren Verlauf mit bleibenden Schäden nehmen", ergänzt Dr. Lenhard. Das FSME-Virus wird von Zecken übertragen, Dr. Lenhard betont: "Wird man von einer Zecke gestochen, ist es sehr wichtig, sie so schnell wie möglich zu entfernen. Denn infizierte Zecken geben das Virus von Beginn an ab." Wichtig sei außerdem sich zu informieren, in welchen Gebieten Zecken das Virus übertragen können. In den so genannten Risikogebieten empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), sich mit einer Impfung vor der FSME zu schützen.
Erfahren Sie mehr: So entfernen Sie eine Zecke
Erfahren Sie mehr: FSME-Impfung
Weniger FSME-Erkrankungen in Österreich - Impfung zeigt Wirkung
Fast 90 Prozent der Österreicher sind gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) geimpft - das spiegelt sich auch in den Fallzahlen wider: Vor rund 30 Jahren gab es in Österreich zwischen 600 und 700 FSME-Erkrankungen im Jahr. Inzwischen sind es jährlich nur noch zwischen 40 und 80 Erkrankungen. Anders ist die Situation in Deutschland: Bundesweit sind nur knapp 15 Prozent gegen eine FSME geimpft, in Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern haben zwischen 25 und 30 Prozent der Menschen die vollständige Impfung erhalten. Im Vergleich zu Österreich erkranken hierzulande deutlich mehr Menschen an einer FSME: Im vergangenen Jahr wurden 287 FSME-Fälle in Deutschland gemeldet, 2007 waren es 542 Fälle.
Mehr Aufklärung über die FSME
„Die höheren Impfraten in Österreich hängen damit zusammen, dass es hier ein größeres Bewusstsein für diese Krankheit gibt“, sagt Prof. Dr. Franz X. Heinz von der Medizinischen Universität Wien. "Alle österreichischen Bundesländer sind als Risikogebiete ausgewiesen, lediglich in sehr hohen Lagen gibt es keine Zecken. In vielen Kampagnen von den Gesundheitsämtern, der Ärzte- und Apothekerkammer werden die Menschen über die Impfung, die vor einer FSME schützt, aufgeklärt." Wie in Deutschland wird die Impfung empfohlen für alle, die sich in den Risikogebieten in der Natur aufhalten. "Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert, heute verbringen viele mehr Zeit in der Natur als früher, die Impfempfehlung gilt deshalb nicht mehr nur für Berufsgruppen, die besonders viel draußen arbeiten, wie etwa Waldarbeiter oder Bauern", sagt Prof. Heinz.

- Eine schematische Darstellung des FSME-Erregers
FSME-Risikogebiete breiten sich aus
Doch nicht nur über Zeckenstiche kann man sich mit einer FSME infizieren: Im vergangenen Jahr erkrankten in Vorarlberg sechs Menschen an einer FSME, nachdem sie Ziegenkäse aus Rohmilch gegessen hatten." Die Ziege war durch einen Zeckenstich mit FSME infiziert, das Virus breitete sich in ihrem Körper aus und gelangte auch in die Milch. "Dieser Fall zeigt auch, dass sich die Zecken ausbreiten - denn der Infektionsort, die Alpe Gamp, lag nicht nur außerhalb des bekannten Endemiegebietes, sondern noch dazu auf einer Höhe von 1564 m", erklärt Prof. Heinz. "Das ist ein Hinweis darauf, dass die Zecken durch den Klimawandel auch in höhere Regionen vordringen." Damit steigt auch das Risiko, sich mit dem FSME-Virus zu infizieren - auch in Regionen, die bislang nicht als Risikogebiet galten.
Impfstoff wirkt zu 99 Prozent
"Der Impfstoff wirkt zu 99 Prozent und ist damit einer der wirksamsten Impfstoffe, die wir kennen", sagt Prof. Heinz. In Österreich muss man die Impfung selbst bezahlen, sie kostet zwischen 20 und 24 Euro. Einige österreichische Krankenkassen bezahlen einen Zuschuss zwischen 2 und maximal 19 Euro. In Deutschland hingegen übernehmen die meisten Kassen die gesamten Kosten. Wichtig ist, das korrekte Impfschema zu beachten - denn für eine vollständige Grundimmunisierung muss man sich dreimal innerhalb bestimmter Fristen impfen lassen, außerdem ist in regelmäßigen Abständen eine Auffrischimpfung nötig.
Erfahren Sie mehr: FSME-Impfung
Zeckenschule.de - was Kinder über Zecken wissen müssen
Sommer - für Kinder die schönste Zeit, draußen zu spielen und zu toben. Doch lästige Plagegeister wie Mücken und Bremsen können das Vergnügen mit juckenden und brennenden Stichen trüben. Während die meisten Insektenstiche unangenehm, aber weitestgehend harmlos sind, gehen von anderen Tieren größere Gefahren aus: Zecken können Krankheiten wie eine Borreliose oder eine FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen. Zeckenstiche bleiben jedoch häufig unbemerkt, da Zecken die Einstichstelle betäuben. Jeder, der sich viel in der Natur bewegt, sollte deshalb wissen, wie er sich vor Zecken schützen kann und was zu tun ist, wenn man eine Zecke an seinem Körper entdeckt.

- In der Zeckenschule erfahren Kinder alles, was sie über Zecken wissen müssen.
Kindgerechte Aufklärung
Die Internetseite zeckenschule.de informiert Kinder auf unterhaltsame Weise und in einfacher Sprache über Zecken. Das Angebot richtet sich an Kinder ab sieben Jahren und bietet neben zahlreichen interaktiven Elementen, Animationen, Videos auch Unterlagen, die als PDF heruntergeladen werden können. In der Zeckenschule vermitteln kleine Zeckenschüler spielerisch, wie Zecken leben, warum sie für ihre Entwicklung Blut an Wirten saugen müssen, warum Zeckenstiche gefährlich sein können - und wie man sich vor Zeckenstichen schützen kann.
Zeckenschule.de wurde mehrfach ausgezeichnet
Im September 2008 wurde die Zeckenschule als empfehlenswertes Angebot für Kinder zum Thema Zecken bei "Klick-Tipps" aufgenommen. "Klick-Tipps" informiert wöchentlich über gute Kinderseiten im Web und ist ein Projekt der Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest und jugendschutz.net. Im Mai 2006 hat die Zeckenschule das Gütesiegel "Erfurter Netcode" erhalten. Diese Auszeichnung wird von Online-Experten für besonders kindgerechte Internetseiten vergeben.


