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Schweinegrippe verdrängt Zeckenimpfung?
FSME - ein vermeidbares Schicksal
Schweinegrippe verdrängt Zeckenimpfung?
Durch die Aufregung um die „Schweinegrippe“ und den neu entwickelten Pandemie-Impfstoff sind im letzten Jahr viele Gesundheitsthemen in Vergessenheit geraten. Die Bedeutung anderer Impfungen rückte zeitweise in den Hintergrund und notwendige Impftermine wurden verpasst. Nach Angaben der gesetzlichen Krankenkassen war auch die so genannte „Zeckenimpfung“ (FSME-Impfung) davon betroffen, die einen sicheren Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Form der Hirnhautentzündung, verleiht.
Höchste Zeit, sich wieder um die allgemeine Gesundheitsvorsorge zu kümmern. Denn nicht nur die kalte Jahreszeit ist Hochsaison für Krankheiten – es gibt auch Infektionen, die vor allem dann zuschlagen, wenn die Temperaturen wieder milder werden.

- Quelle: www.fotolia.de
Bei den ersten Frühlingsvorboten werden nicht nur die Menschen wieder aktiv – sondern auch lästige Plagegeister wie Zecken. Und der Stich der ansonsten harmlosen Spinnentiere kann Viren und Bakterien übertragen. Die FSME-Viren sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke und werden bereits kurz nach dem Einstich auf den Menschen übertragen Die Borreliose dagegen ist eine von Bakterien im Darm der Zecke übertragene Erkrankung, die vor allem im Frühstadium sehr gut mit Antibiotika behandelt werden kann. Für die FSME existiert keine solche ursächliche Therapie. Nur eine Impfung kann den Ausbruch der Krankheit von vornherein verhindern. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts für alle empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen oder in ein solches verreisen.
Das Problem: Bei vielen Menschen ist aufgrund der neuen Grippe der jährliche Impfplan durcheinander geraten. Wer daher noch keine FSME-Grundimmunisierung hat oder eine Auffrischimpfung benötigt, sollte das jetzt nachholen. Denn die neue Zeckensaison steht gerade in den Startlöchern – selbst wenn man es den aktuellen Temperaturen nicht unbedingt anmerkt. Tatsache ist aber, dass Zecken schon ab einer Temperatur von 7 Grad Celsius wieder aktiv werden. Dass auch ein harter Winter nicht vor Zecken schützt, zeigen die Erfahrungen des letzten Jahres. Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München zählte 2009 in ausgewählten Regionen Bayerns fast doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr. „Verschiedene Zoologen haben beobachtet, dass Spinnentiere wie Zecken in kalten und langen Wintern bessere Überlebenschancen haben“, erklärte Dobler in diesem Zusammenhang.
2010 wird uns demnach aller Wahrscheinlichkeit nach eine lebhafte Zeckensaison ins Haus stehen. Und auch bei den von Zecken übertragenen Erkrankungen hat sich die Lage nicht entspannt. Mit 313 gemeldeten Fällen ist die Zahl der FSME-Erkrankungen 2009 erneut gestiegen.* Zum Vergleich: 2008 waren es noch 288 Fälle, 2007 sogar nur 238.**
* Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 2, 18. Januar 2010
** Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 16, 20. April 2009
FSME - ein vermeidbares Schicksal
Bei Infektionskrankheiten, gegen die es eine wirksame und gut verträgliche Schutzimpfung gibt, ist im Prinzip jeder einzelne Erkrankungsfall einer zu viel. Denn durch eine vorbeugende Impfung wäre jeder dieser Fälle vermeidbar gewesen.
Ein Beispiel ist die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME. Trotz der verfügbaren Schutzimpfung gibt es in Deutschland Jahr für Jahr mehrere hundert Fälle. Und diese Zahl ist lediglich die Spitze des Eisberges: Gemeldet werden nur Erkrankungen, die so schwer verlaufen, dass der Patient labordiagnostisch untersucht wird. Wie viele Menschen jedes Jahr an der leichteren Form der FSME, die sich nur als unspezifische Sommergrippe zeigt, erkranken, lässt sich nicht mit Sicherheit ermitteln. Nur so viel ist klar: Mit einer hohen Durchimpfungsrate in den Risikogebieten ließe sich die Zahl der schweren Erkrankungen deutlich senken.

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Die Tetanus-Impfung in Deutschland oder die FSME-Impfung in Österreich sind Beispiele, wie eng Erkrankungszahlen und Durchimpfungsrate aneinander gekoppelt sind. Seit Jahren gibt es pro Jahr weniger als 15 Fälle von Tetanus in Deutschland.* Dabei ist das Bakterium, das die Krankheit verursacht, überall verbreitet – und schon kleine Verletzungen können ausreichen, um sich zu infizieren. Einzig die hohen Durchimpfungsraten haben dazu geführt, Tetanus in Deutschland zu einer extrem seltenen Krankheit zu machen. Vor Erreichen der hohen Durchimpfungsraten in Österreich gab es jährlich bis zu 700 FSME-Fälle. Heute sind fast 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung gegen FSME geimpft mit der Konsequenz, dass die jährliche Fallzahl auf ein zehntel gesunken ist.
FSME und Tetanus sind in einem Punkt durchaus vergleichbar: Beide werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern von einem in der Natur zirkulierenden Erreger verursacht. Daher ist ein Kollektivschutz bzw. eine Herdenimmunität wie bei der Masernimpfung auch nach Erreichen hoher Durchimpfungsraten nicht möglich. Jeder einzelne Ungeimpfte hat ein Risiko zu erkranken.
* Quelle: www.rki.de
GfK deckt Impflücken auf
Eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) zeigt: Die Abstände zwischen den einzelnen Impfungen werden bei Menschen mit unvollständiger FSME-Impfung immer größer.
Für eine Grundimmunisierung gegen die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden müssen regulär innerhalb von ein bis drei Monaten verabreicht werden. Eine dritte Injektion erfolgt nach sechs bis zwölf Monaten. Danach ist die so genannte Grundimmunisierung komplett und verleiht einen sicheren Schutz für drei bis fünf Jahre. Um diesen Impfschutz anschließend weiter aufrecht zu erhalten, muss das Immunsystem durch eine einmalige Impfung (auch booster genannt) aufgefrischt werden.

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Zu oft wird dieses Impfschema allerdings nicht eingehalten: Schon die zweite Impfdosis erfolgt bei vielen Menschen so spät, dass Lücken im Impfschutz nicht zu vermeiden sind. Denn maximal 1 Jahr darf zwischen der ersten und zweiten Impfung liegen. Wurde diese Zeitspanne überschritten muss erneut von vorne begonnen werden. In den letzten fünf Jahren lag die Rate der so genannten Impfabbrecher nach Angaben der GfK zwischen 10 bis 20 Prozent. Das hat nicht nur für die Betroffenen den Verlust des Impfschutzes sowie zusätzliche Impftermine zur Folge, sondern belastet auch die Krankenkassen.
Ein möglicher Grund: In vielen Fällen ist es schlicht Vergesslichkeit, die dazu führt, dass offene Impfungen nicht abgeschlossen werden. Das legt zumindest ein weiteres Ergebnis der GfK-Studie nahe: 80 Prozent der Menschen mit mindestens einer Impfung fänden es sinnvoll, rechtzeitig an anstehende Impftermine erinnert zu werden.


