Newsletter Juni 2007

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Auwaldzecken in Deutschland – neue Krankheiten befürchtet

Die Zecke aus dem Bernsteinwald

Über kleine Blutsauger mehr wissen

Impfschutz vervollständigen - bis zu drei Monate Zeit

 

 

Auwaldzecken in Deutschland – neue Krankheiten befürchtet

Die Auwaldzecke an einem Grashalm. (Foto: Dr. T. Talaska)

Eine bisher in Deutschland nahezu unbekannte Zeckenart ist auf dem Vormarsch: die Auwaldzecke. Sie kann gefährliche Krankheitserreger übertragen. In Brandenburg, südöstlich von Berlin, sind seit Juli 2006 vier Menschen von Auwaldzecken gestochen worden – die ersten dokumentierten Fälle in Deutschland. Bisher waren vor allem Hunde von Auwaldzecken befallen. Mancher Hund erkrankte danach an Babesiose – im Volksmund Hundemalaria genannt, da die Symptome an eine Malaria erinnern.

Neben der für Hunde gefährlichen Babesiose kann die Zecke vor allem das für den Menschen gefährliche Fleckfieber durch so genannte Rickettsien-Bakterien auslösen. „Diese Krankheiten sind in Deutschland bisher unbekannt“, schildert Dr. Thomas Talaska, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie das Problem. „Infektionen durch Rickettsien sind nicht leicht zu bestimmen. Die Krankheitsbilder können sehr stark variieren. Mediziner müssen nach einem Zeckenstich bei unklarer Diagnose nun auch solche seltenen Infektionen in Betracht ziehen.“

Die Menschen, die von diesen Zecken in Brandenburg gestochen wurden, hatten Glück: keiner infizierte sich. So konnte eine der Betroffenen die Auwaldzecke entfernen, bevor sie Blut saugen konnte – erst dann werden die gefährlichen Krankheitserreger übertragen.

Die Auwaldzecke, lateinisch Dermacentor reticulatus, lebte bisher in Norditalien, Österreich und Ungarn sowie in osteuropäischen Ländern, auch in den Vereinigten Staaten ist sie verbreitet. Wie ihr Name sagt, bevorzugt sie feuchte Gebiete, wie Auen und Moore. Bereits vor etwa 35 Jahren fand man in Deutschland vereinzelt Auwaldzecken im Raum Leipzig. Man ging damals davon aus, dass Zugvögel diese aus süd- und osteuropäischen Ländern importiert hatten.

Die Verbreitung der Zecke war in Deutschland bisher unklar. Ende 2004 waren daher Hundehalter und Tierärzte in Deutschland aufgerufen, Zecken dieser Gattung an den Verein Parasitus Ex einzusenden. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die in Deutschland noch eher unbekannten Krankheiten, die Haustiere bedrohen, bekannter zu machen. Bis Dezember 2005 konnten rund 1600 Auwaldzecken gezählt werden. Die meisten Zecken kamen aus den Gebieten rund um Berlin, Frankfurt und Magdeburg sowie Leipzig und Tübingen. Förster im Raum Berlin konnten die steigende Population der Auwaldzecke bestätigen.

Die Auwaldzecke ist im Gegensatz zur häufigsten Zeckenart in Deutschland, dem Gemeinen Holzbock, aggressiv und lauffreudig. Sie wartet nicht passiv am Grashalm hängend auf ihr Opfer, sondern geht aktiv auf Beutesuche. Deshalb wird sie auch als Laufzecke bezeichnet. Die Auwaldzecke, die größer als der Gemeine Holzbock ist, erkennt man an dem hellen Rückenschild mit braunen Streifen und Tüpfelungen (Weibchen) oder an einer blaugrauen Zeichnung (Männchen) auf dem Schild. Man nennt sie daher auch Buntzecke.

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Die Zecke aus dem Bernsteinwald

Wie ein gläserner Sarg umschließt das fossile Harz die Zecke. Die Beine, der Körper – alles ist erhalten und von allen Seiten anzuschauen. Und doch ist diese Zecke 50 Millionen Jahre alt – konserviert in Bernstein. Und umso erstaunlicher, dass sie trotz ihres Alters dem Gemeinen Holzbock ähnelt, die in Deutschland am weitesten verbreitete Zecke.

Die Bernsteinzecke wurde an der Ostsee bei Kaliningrad gefunden und ist das einzige bekannte Exemplar aus dem Bernsteinwald. Unter dem Namen Ixodes succineus beschrieb der Forscher Herbert Weidner 1964 diese erste ausgewachsene Zecke im Bernstein, die heute in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen zu bestaunen ist.

Vor 50 Millionen Jahren erstreckte sich ein Urwald von Skandinavien über die noch nicht vorhandene Ostsee bis nach Russland hinein. Dieser Urwald ist der Ursprung allen europäischen Bernsteins. Vor allem die damaligen Kiefern sonderten eine große Menge an Harz ab. Dieses war für kleine Tiere eine Todesfalle und ein Segen für die Paläontologen, Wissenschaftler, die Lebewesen aus vergangenen Erdzeitaltern erforschen.

Das Harz trocknete im Laufe der Jahre an der Luft und wurde zunehmend fester. Es entstand das so genannte Kopal. Sonnenlicht und Luft zersetzten das Kopal. Nur im Wasser konnte es sich zu Bernstein entwickeln. Durch die zahlreichen Flüsse, die den Wald durchzogen, konnte sich viel Harz im Wasser zu Bernstein bilden – und viele Insekten und Spinnen aus dieser Zeit konserviert werden. Doch von Zecken gibt es bisher nur dieses eine Exemplar. „Vermutlich wurde die Zecke von Tieren eingeschleppt und gehörte nicht zur damaligen Tierwelt im Bernsteinwald“, sagt Dr. Lehmann, Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung.

Trotz des Alters der Zecke fasziniert den Forscher die Ähnlichkeit mit dem heutigen weit verbreiteten Holzbock. „Die Zecke hatte schon damals vor rund 50 Millionen  fast den Stand ihrer heutigen Entwicklung erreicht“, sagt Dr. Jens Lehmann. Zum Vergleich, die Gattung Mensch existiert seit zirka 8 Millionen Jahren, der Homo sapiens seit rund 30.000 Jahren.

Ein Blick auf die Mundwerkzeuge bei Ixodes succineus lässt erahnen, dass sie wie beim Holzbock perfekt für das Blutsaugen geeignet war. Der Körper unterscheidet sich nur bei dem vorderen Beinpaar vom Holzbock – diese sind bei der Bernsteinzecke breiter und anders geformt.

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die damaligen Zecken ausschließlich an Amphibien und Reptilien ernährten. Säugetiere kamen wohl erst einige Millionen Jahre später auf den Speisezettel. Auch heute noch nutzt ihr Nachfolger, der Gemeine Holzbock, Eidechsen als Wirte.

Ob die Zecken schon damals Träger gefährlicher Krankheiten waren, kann nicht beantwortet werden. Eine Entnahme des Erbmaterials bei Insekten oder Spinnen, die in Bernstein konserviert sind, um dadurch eventuell solche Informationen zu gewinnen, ist nicht möglich. „Sie haben im Bernstein nur die Hülle, die Innereien sind zu Staub verfallen“, sagt Dr. Lehmann. Somit ist auch eine anschließende Reproduzierung solcher Tiere anhand des Erbmaterials eher im Reich der Science-Fiction-Filme wie Jurassic Park anzusiedeln.

Ixodes succineus - die Zecke, die vor rund 50 Millionen Jahren auf der Erde lebte. Sie ähnelt sehr stark der in Deutschland verbreiteten Ixodes ricinus. (Fotos: Geowissenschaftliche Sammlung, Universität Bremen)

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Über kleine Blutsauger mehr wissen

Der Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgarts informiert in einer Ausstellung über Zecken – Schulklassen können Führungen buchen.

Zecken können  mindestens zwei bis drei Jahre ohne Nahrung überleben. Zecken fallen nicht von den Bäumen. In Baden-Württemberg leben deutschlandweit die meisten Zecken, die mit den gefährlichen Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose infiziert sind. Hätten Sie es gewusst?

In der Wilhelma, dem Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgarts, informiert seit Ende März eine Sonderausstellung über Zecken. Noch bis zum 17. Juni erfährt der Besucher im Insektarium alles über den Gemeinen Holzbock, die meist verbreitete Zecke in Deutschland. Wenn sie sticht, kann sie gefährliche Krankheitserreger wie FSME-Viren und Borreliose-Bakterien übertragen und schwere gesundheitliche Schäden verursachen.

Der Besucher bekommt deshalb auch Tipps, wie man Zeckenstiche vermeiden kann. Und er erfährt, wie diese Krankheiten bei den Menschen verlaufen können. Zeckenmodelle, Schaubilder und ein kurzer Film mit computeranimierten Zecken schließen auch die letzten Wissenslücken über diese gefährlichen Blutsauger.  

Die Wilhelma bietet für Schulklassen Führungen an, buchbar unter der E-Mail wilhelmaschuleatwilhelma.de. An Wochenende liefert das Infomobil der Zoobegleiter zusätzliche Informationen zum Thema.

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Impfschutz vervollständigen – bis zu drei Monate Zeit

Für einen vollständigen Impfschutz gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind drei Impfdosen notwendig. Nach der ersten Dosis bleiben regulär drei Monate Zeit bis zum nächsten Piekser. 

Menschen, die sich zurzeit gegen FSME impfen lassen, müssen nach der ersten Injektion nicht exakt vier Wochen später wieder zum Arzt. Der Impfstoff entfaltet auch seine Wirkung, wenn innerhalb von drei Monaten die zweite Impfdosis erfolgt. Damit hat der Geimpfte einen Kurzzeitschutz gegen diese Form der Hirnhautentzündung. Eine dritte Impfdosis erfolgt produktabhängig fünf bis zwölf Monate später. Dadurch wird der Impfschutz komplettiert. Der Geimpfte hat mit der so genannten Grundimmunisierung einen Langzeitschutz von mindestens drei Jahren.

Einen kontinuierlichen und sicheren Schutz bietet danach eine Auffrischimpfung je nach Alter im Abstand von drei bis fünf Jahren  – dafür genügt eine Injektion, der sogenannte Booster.

Der FSME-Impfstoff besteht aus abgetöteten FSME-Viren, die dem Körper des Geimpften einen Angriff vortäuschen. Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Falls nun später durch einen Zeckenstich das FSME-Virus übertragen wird, binden diese Antikörper das Virus und machen es unschädlich, bevor es in Nervenzellen eindringen und diese zerstören kann.

 

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