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Mehr Kranke durch Zeckenviren

Holzbock trotzt Wetterkapriolen

Schützen Sie sich vor Zecken!

 

 

Mehr Kranke durch Zeckenviren

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat 2011 einen deutlichen Anstieg der Hirnhautentzündung FSME registriert: 423 Erkrankungen wurden deutschlandweit gemeldet. Zum Vergleich: 2010 waren es lediglich 260. Ähnlich viele Fälle der von Zecken übertragenen Viruserkrankung gab es zuletzt 2006.

FSME-Erkrankungen kommen in allen Altersgruppen vor. Im schlimmsten Fall sind dauerhafte Schäden – wie Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen – oder Tod die Folge. „Ähnlich den Vorjahren mussten 82 Prozent der Erkrankten stationär behandelt werden. Bei etwa einem Drittel war das zentrale Nervensystem beteiligt“, erläutert Dr. Wolfgang Hautmann vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). „Schwere Verläufe sind besonders oft bei Männern ab 40 zu beobachten, kommen aber – jedoch seltener – auch bei Kindern vor“, ergänzt  Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Die Gesundheitsämter melden die aufgetretenen Fälle dem RKI, das unter anderem Ort und Zeit der Infektion prüft. Auf dieser Grundlage weist das RKI dann die Risikogebiete für FSME aus. Sie liegen vor allem im südlichen Teil Deutschlands: in Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen und Südthüringen. „Einzelfälle außerhalb der Risikogebiete treten immer wieder auf. Die werden besonders genau überprüft“, erklärt Hautmann. 39 Menschen infizierten sich den RKI-Angaben zufolge im letzten Jahr in Nicht-Risikogebieten. Allein Schleswig-Holstein und Bremen blieben FSME-frei. Hinzu kommt: „Die tatsächliche Zahl der Menschen, die sich durch Zeckenstich mit FSME infizieren, ist Schätzungen zufolge zehnmal so hoch wie die Anzahl der gemeldeten Fälle. Viele Infektionen verlaufen mild, etwa wie eine Sommergrippe, so dass diese nicht vom Arzt untersucht werden“, so Oehme.

2011 gehört zu den Jahren mit überdurchschnittlich vielen FSME-Erkrankungen

Für Bayern gibt Hautmann daher die Empfehlung: „Im Prinzip sollte sich jeder, der sich in Bayern aufhält, gegen FSME impfen lassen. Bei der heutigen Mobilität gilt das nicht nur für Menschen, die in den Risikogebieten leben.“ Auch Oehme sieht nicht allein die örtliche Bevölkerung in der Pflicht: „Besonders viele Infektionen gibt es im Südschwarzwald und am Bodensee. Das sind gleichzeitig beliebte Ausflugsziele.“ Durch höhere Impfraten ließen sich Erkrankungen verhindern. „Es gibt aber noch genügend Ungeimpfte, sodass Häufungen wie im letzten Jahr immer wieder auftreten“, erklärt Hautmann. „Auffällig ist, dass selbst Menschen, die in Risikogebieten leben – und die Gefahr kennen müssten – trotzdem nicht oder nur unvollständig geimpft sind. Die erkranken dann – zum Teil auch schwer. Dabei sind das eigentlich vermeidbare Erkrankungen.“

Einen Grund für die Zunahme der FSME-Fälle sehen Experten im schönen Wetter im Frühjahr und Herbst letzten Jahres. „Hier spielt aber nicht nur die starke Zeckenaktivität eine Rolle. Entscheidend ist, wie viel die Leute draußen sind“, sagt Hautmann. Ähnlich sieht es Oehme: „Dass wir so viele Erkrankungen haben, liegt vor allem am Verhalten der Menschen. Bei schönem Wetter kommt es vermehrt zu Kontakten mit Zecken.“

Mit Prognosen für das laufende Jahr tun sich die Experten schwer, da hier viele Faktoren von Bedeutung sind: neben dem Wetter und der Zeckenzahl eben das Freizeitverhalten der Menschen. Allerdings, so Hautmann: „Wissenschaftler beobachten oft einen zyklischen Verlauf bei den FSME-Infektionen. Alle paar Jahre tritt demnach eine Häufung auf. Nach der FSME-Welle 2005/2006 könnte sich die Tendenz aus 2011 in diesem Jahr fortsetzen. Ob dem tatsächlich so ist, bleibt abzuwarten.“

 

Quelle: Robert Koch-Institut: www3.rki.de/SurvStat/, Datenstand: 09.03.2012

 

 

Holzbock trotzt Wetterkapriolen

Zecken sind wetterfühlig, aber keine Winterschläfer. Ist der Winter so mild wie in den letzten Monaten, können die kleinen Spinnentiere je nach Standort aktiv bleiben. Begegnungen mit dem Gemeinen Holzbock – der hier besonders verbreiteten Zeckenart – waren daher keine Seltenheit.

Der Deutsche Wetterdienst vermeldete zunächst den trockensten November seit Bestehen der Wetteraufzeichnung. Der Dezember war dann mit drei Grad über dem Durchschnitt sehr warm und nass. Darauf folgte ein durchwachsener Januar mit ebenfalls einigen milden Tagen. Unter solchen Bedingungen sollte man auch im Winter an den Zeckenschutz denken. Erst der aktuelle Kälteeinbruch hat die Zeckenaktivität zum Erliegen gebracht: Die Blutsauger ziehen sich in eine schützende Laubschicht am Boden zurück und warten auf wärmere Tage. Gefährlich wird ihnen die Kälte erst bei einer länger anhaltenden Frostperiode um -20°C.

 

Mildes Wetter macht Zecken munter
Zecken jeden Alters sind in der Lage zu überwintern, ob hungrig oder vollgesogen. In strengen Wintern verfallen sie in eine Art Winterstarre, in milden Wintern bleibt eine so genannte Restaktivität. „Aktiv werden aber nur einzelne Zecken“, erklärt der Biologe Dr. Olaf Kahl, „Im Winter sind weniger potentielle Wirte verfügbar und die zurückgefahrene Vegetation bietet weniger günstige Plätze. Zecken verlieren auf der Suche nach einer Blutmahlzeit auch ordentlich Energie. Vielversprechender ist für sie die Wirtsuche von Frühjahr bis Herbst.“ Der Wissenschaftler beobachtet zusammen mit Mitarbeitern ganzjährig die Aktivität der Zecken in Deutschland. Anhand der Daten seiner Beobachtungsstationen wird für die Internetseite www.zeckenwetter.de auch im Winter eine zweimal wöchentlich aktualisierte Prognosekarte erstellt. „An den Stationen haben wir feststellen können, dass die Zecken auch in der ersten Januarhälfte noch restaktiv waren“, konstatiert Kahl und rät zur Vorsicht: „Eine Infektion mit Borrelien oder dem FSME-Virus durch Zeckenstich ist bei solchem Wetter in den betroffenen Gebieten nicht ganz auszuschließen. Bei der Borreliose gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Gegen FSME kann man sich allerdings impfen lassen.“ Das tut man am besten jetzt – bevor die Zecken wieder verstärkt aktiv werden. Einen guten Schutz für die anstehende Saison bieten bereits zwei Injektionen im Abstand von 1-3 Monaten. Mit der dritten Injektion nach weiteren 5-12 Monaten setzt dann die Langzeitwirkung ein. Eine Auffrischung ist danach nur alle 3-5 Jahre nötig.

Auch bei mildem Winterwetter heißt es für Naturfreunde: Vorsicht, Zecken lauern auf Gräsern!

Milder Winter = viele Zecken?
Was bedeutet der milde Winter aber für die Zeckengefahr in diesem Jahr? Müssen wir mit besonders vielen Zecken rechnen? Experten geben vorerst Entwarnung: „Aus den Erfahrungen der letzten Jahre schließen wir, dass ein milder Winter Zecken nicht unbedingt begünstigt. So wie ein kalter Winter ihnen auch nicht unbedingt schadet“, sagt Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. „Nach dem kalten, schneereichen Winter im letzten Jahr hatten wir 2011 doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr. Grund hierfür war in erster Linie das frühe Frühlingswetter“, so Dobler. Die tatsächliche Zeckengefahr für 2012 wird also eher in den kommenden Monaten entschieden. Wer vorsorgt, ist auch dann auf der sicheren Seite.

 

 

Schützen Sie sich vor Zecken!

Bei milden Temperaturen begegnet man ihnen sogar im Winter: Zecken. Sie halten keinen Winterschlaf, sondern sind bei Temperaturen ab sieben Grad auf der Suche nach einer Blutmahlzeit. Damit Sie nicht das nächste Opfer werden, schützen Sie sich! Diese sieben Tipps helfen Ihnen durch die „Zeckensaison“:

  • Bedecken Sie Ihren Körper mit langer Kleidung? Tragen Sie Ihre Socken über der Hose? Dann kann es losgehen – in den Wald oder Garten. Geschlossene Kleidung bedeutet für Zecken eine Barriere. Auf hellem Stoff sind die Winzlinge zudem leichter zu erkennen. So können Sie sie entfernen, bevor sie Ihr Blut erreichen.
  • Um Ihre Gesundheit zu schützen, sollte Ihnen das nicht peinlich sein: Suchen Sie sich und Ihre Familie nach einem Aufenthalt im Freien nach Zecken ab. Bevorzugte Stellen sind Kniekehlen, Achselhöhlen und Leiste. Bei Kindern sollten Sie auch an den Kopf denken!
  • Wenn eine Zecke zugestochen hat: Ziehen oder drehen Sie sie mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenzange vorsichtig heraus. Je schneller Sie den Blutsauger entfernen, desto besser. Sie vermindern damit das Borreliose-Risiko! Denn: die Bakterien gelangen erst nach etwa 24 Stunden in den menschlichen Körper. Hausmittel, wie Nagellack und Öl, sind zu Recht aus der Mode. Sie erhöhen nur das Erkrankungsrisiko!
Packen Sie die Zecke möglichst hautnah!
  • Behalten Sie nach einem Zeckenstich die Einstichstelle im Auge! Das gilt besonders, wenn Sie die Zecke nicht gleich bemerkt haben und ihr Hinterleib geschwollen ist. Bildet sich eine kreisförmige Rötung – Anzeichen einer Borreliose – gehen Sie zum Arzt! Eine frühzeitige Antibiotika-Behandlung verhindert spätere Komplikationen.
  • Vor der Hirnhautentzündung FSME kann man sich durch eine Impfung schützen. FSME ist eine gefährliche Viruserkrankung. Einmal infiziert, können lediglich die Symptome behandelt werden. Die FSME ist vor allem im Süden Deutschlands verbreitet. Eine aktuelle Übersicht der Risikogebiete liefert die Seite www.zecken.de. Regionale Unterschiede sind allerdings relativ: Auch auf Reisen kann man sich eine Zecke einfangen! Grundsätzlich sollten Sie sich möglichst vor Beginn der „Saison“ impfen lassen.
  • Anti-Zeckensprays werden auf Haut oder Kleidung aufgetragen. Laut Stiftung Warentest schützen die Mittel zuverlässig vor Mücken. Weniger wirksam sind sie gegen Zecken. Der Effekt hält, so Stiftung Warentest, entgegen Herstellerangaben im Schnitt nur 2 Stunden an. Die Folge: Sie müssen die Mittel regelmäßig neu auftragen.
  • Erfolgt die Zeckenattacke während der beruflichen Tätigkeit, sollten Sie das dokumentieren. Denn: In diesem Fall ist die Berufsunfallversicherung in der Pflicht. Das gilt nicht nur für Förster, sondern auch für Lehrer, Polizisten oder LKW-Fahrer. Besser ist allerdings: Sie vermeiden gesundheitliche Folgen, indem Sie die anderen Punkte beachten.
 

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