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Neue FSME-Verbreitungskarte 2010 – Risiko bleibt unverändert

Zeckenstich-Risiko bald leichter kalkulierbar

Worauf Zecken angewiesen sind: Blut, Laubstreu und Feuchtigkeit

 

 

 

Neue FSME-Verbreitungskarte 2010 – Risiko bleibt unverändert

Im Epidemiologischen Bulletin Nr.17 vom 03. Mai hat das Robert-Koch-Institut (RKI) die Verbreitung der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME untersucht und die aktuellen Risikogebiete für das Jahr 2010 ausgewiesen. Die Situation hat sich im Vergleich zum Vorjahr, das mit 136 Risiko-Stadt- und Landkreisen einen Höhepunkt erreichte, nicht entspannt.

Seit das RKI 1998 die erste Karte der FSME-Risikogebiete veröffentlicht hat, ist die Zahl der betroffenen Gebiete von 63 auf aktuell 136 Land- und Stadtkreise angestiegen. Alle der 2009 ausgewiesenen Risikogebiete gehören 2010 zu den gefährdeten Regionen.

 

Die ausgewiesenen Gebiete verteilen sich folgendermaßen:

  • 42 Kreise in Baden-Württemberg (von insgesamt 44)
  • 78 Kreise in Bayern (von insgesamt 96)
  • 8 Kreise in Hessen
  • 7 Kreise in Thüringen
  • 1 Kreis in Rheinland-Pfalz

 

 

FSME-Risikogebiete in Deutschland

Für Menschen, die in den betroffenen Gebieten leben und dem Risiko eines Zeckenstiches ausgesetzt sind, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI eine Schutzimpfung gegen FSME. Die gefährliche Hirnhautentzündung kann nicht ursächlich behandelt werden – daher ist die Vorsorge besonders wichtig. Dies ist nicht nur für beruflich gefährdete Gruppen wie Landwirte, Forstarbeiter oder Jäger von Bedeutung. Auch Menschen, die aufgrund ihres Freizeitverhaltens dem Risiko eines Zeckenstiches ausgesetzt sind – zum Beispiel weil sie sich gerne zum Wandern, Radfahren oder Picknicken im Freien aufhalten – sollten sich mit einer Impfung schützen.

Gleiches gilt für Personen, die in ein Risikogebiet verreisen. Viele beliebte Reiseziele im Süden Deutschlands, aber auch in Österreich oder der Tschechischen Republik gelten als gefährdet. Einen aktuellen Überblick über die FSME-Situation in Deutschland und Europa liefert www.zecken.de, auf der auch die aktuelle RKI-Karte für 2010 zu finden ist.

Die Einschätzung des RKI beruht auf den laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) gemeldeten Erkrankungsfällen. Überschreitet das Vorkommen in einem Kreis während des Zeitraums von fünf Jahren die Toleranzgrenze von einem Erkrankungsfall pro 100.000 Einwohner signifikant, wird der Kreis als Risikogebiet ausgewiesen.

Problematisch könnte diese Vorgehensweise bei steigenden Durchimpfungsraten werden: Je mehr Menschen gegen FSME geimpft sind, desto weniger erkranken. Damit könnten die Fallzahlen in einem Kreis aufgrund guter Durchimpfung unter den Grenzwert fallen, obwohl nach wie vor ein hohes Erkrankungsrisiko aufgrund der FSME-Durchseuchung der Zecken herrscht. Alternative Methoden zur Bestimmung eines Risikogebietes, wie beispielsweise die Analyse der Viruslast in Zecken selbst, sind sehr aufwendig und werden bislang nicht flächendeckend praktiziert.

Das RKI geht aber aufgrund mäßiger Durchimpfungsraten – diese liegen laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) in den Risikogebieten bei 25 bis 35 Prozent – davon aus, dass die Erfassung der menschlichen Erkrankungsfälle bisher eine verlässliche Methode zur Risikoabschätzung ist.

Jenseits der ausgewiesenen Risikogebiete können FSME-Erkrankungen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Immer wieder kommt es auch außerhalb der bekannten Gebiete zu Einzelerkrankungen. Betroffen sind Kreise in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland.

Die einzigen Bundesländer, in denen bisher keine Fälle aufgetreten sind, sind Hamburg, Bremen und Berlin.

 

 

 

Zeckenstich-Risiko bald leichter kalkulierbar

Das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, hängt von vielen Faktoren ab. Ein entscheidender Faktor ist die Zeckenaktivität.

Bisher war dieser Faktor für die meisten Menschen schwer oder gar nicht kalkulierbar. Denn wann Zecken aktiv werden ist eine komplexe Angelegenheit, die von verschiedenen Einflüssen abhängt – unter anderem von Temperatur, Luftfeuchte und vorangegangenen Hungerzeiten der kleinen Blutsauger. „Ein Blick auf den Wetterbericht reicht deshalb nicht aus, um das Risiko eines Zeckenstichs realistisch abzuschätzen“, erklärt Dr. Olaf Kahl, Biologe und Mitbegründer der neuen Firma tick-radar.

Abhilfe soll bald die Prognose der Zeckenaktivität schaffen. Die von Kahl und seinem Kollegen Dr. Hans Dautel entwickelte Methode sagt voraus, wann Zecken besonders aktiv sind. „Dabei kombinieren wir Wetter- und Mikroklimadaten mit den Daten aus unseren eigens entwickelten Zeckenwetterstationen“, erläutert Kahl, „solche Stationen gibt es bisher in Berlin, Stuttgart und Gießen. Insgesamt können wir mit unserer Prognose knapp zwei Drittel der Fläche Deutschlands abdecken.“

 

 

Ob Zecken aktiv sind, hängt vom Wetter ab - unter anderem.

Spätestens beim Blick auf eine solche „Zeckenwetterstation“ wird klar, dass tick-radar nicht nur hypothetische Vorhersagen macht: Hier kommen echte Zecken zum Einsatz! In ausbruchsicheren Parzellen haben die Wissenschaftler ihre Prognose-Zecken ausgesetzt. Stäbe aus Holz fungieren als Grashalme, an denen die Tiere empor klettern können. Sobald sie dies tun, und mit ausgestreckten Vorderbeinen die Witterung nach einem Wirt aufnehmen, wissen die Biologen: Die Zecken sind aktiv geworden. Und gehen auf die Suche nach einem potentiellen Wirt.

Die Zeckenforscher unterscheiden fünf verschiedene Risikoklassen. „Wir kennzeichnen unsere Klassen nach dem Ampelprinzip. Bei Rot sind sehr viele Zecken aktiv, bei Rot-Gelb viele und so weiter. Grün bedeutet eine sehr geringe Aktivität, es sind also keine oder höchstens stellenweise einzelne Zecken aktiv“, erklärt der Forscher.

Der Grundgedanke dabei: Je besser Menschen über Zecken informiert sind, desto eher kann das Risiko eines Zeckenstichs minimiert werden. „Dabei geht es nicht darum, bei hoher Zeckenaktivität zu Hause zu bleiben“, so Kahl, „besser ist es, die Natur gut informiert zu genießen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“ Einen gewissen Schutz vor Zeckenstichen bietet lange, geschlossene Kleidung. Auf hellem Stoff sind die kleinen Plagegeister außerdem leichter zu entdecken und gegebenenfalls zu entfernen, noch bevor sie eine Einstichstelle gefunden haben. Auch zeckenabweisende Mittel, sogenannte Repellents, können eine Weile vor Zeckenstichen schützen.

Gegen die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME schützt allein die Impfung. Vor allem in den Risikogebieten im Süden Deutschlands sollte die Bevölkerung daher auf ihrem Impfstatus achten und auch die nötigen Auffrischimpfungen nicht vergessen. Gleiches gilt für Menschen, die in ein vom RKI deklariertes FSME-Risikogebiet vereisen wollen.

Die Zeckenprognose soll drei Großregionen Deutschlands abdecken und für drei bis vier Tage gelten. Für eine Abschätzung, wie hoch das Risiko eines Zeckenstiches ist, wird die Vorhersage wichtige, bisher nicht vorhanden Daten liefern. Dazu werden die Experten von tick-radar nützliche Praxistipps für den Schutz vor den lästigen Blutsaugern geben.

 

 

Worauf Zecken angewiesen sind: Blut, Laubstreu und Feuchtigkeit

Die Lebensweise einer Zecke ist voller Besonderheiten. Die Tatsache, dass sie sich vom Blut ihrer Opfer ernährt, ist bei Weitem nicht die einzige Eigenart. Auch sonst steckt die Zecke voller Überraschungen.

Zecken haben acht Beine und gehören zu den Spinnentieren. Geboren werden sie allerdings mit sechs Beinen, durchsichtig und geschlechtslos. So schlüpfen die jungen Larven aus dem so genannten Zeckenkaviar, nämlich den bis zu dreitausend Eiern, die ein erwachsenes Zeckenweibchen nach der Paarung in die Laubstreu legt. Schon die  0,5 Millimeter großen Larven gehen in Bodennähe auf die Suche nach einem Wirt, hauptsächlich kleine Nagetiere. Wenn das Wirtstier von früheren Zeckenstichen bereits Krankheitserreger wie Borrelien oder FSME-Viren in sich trägt, kann es schon hier zu einer Übertragung auf die Zeckenlarve kommen – die dann die Erreger bei jeder weiteren Blutmalzeit ihrerseits weitergeben wird.

 

 

Zecken "riechen" mit den Vorderbeinen

Zecken riechen mit den Vorderbeinen

Nach dieser ersten Blutmalzeit häuten sich die Larven und werden zu den so genannten Nymphen. Nymphen sind noch immer geschlechtslos, besitzen aber schon die für Spinnentiere charakteristischen acht Beine. Auch Nymphen benötigen für ihre weitere Entwicklung Blut. Das Suchverhalten eines hungrigen Blutsaugers ist verblüffend: Das Tier krabbelt nach oben, etwa auf einen Grashalm, und streckt das vordere Beinpaar aus. Der Grund für diese Gymnastik: Zecken haben an den Vorderbeinen das sogenannte Hallersche Organ, mit dem sie die Witterung nach potentiellen Blutopfern aufnehmen. Dabei kann die Zecke verschiedene Duftstoffe unterscheiden, zum Beispiel die im Schweiß enthaltene Buttersäure oder Kohlendioxid, das bei der Atmung entsteht.

 

 

Betäubungsmittel und Klebstoff

Hat die Zecke ein geeignetes Opfer ausgemacht, lässt sie sich von ihm abstreifen – zum Beispiel vom Bein eines Spaziergängers. Ihr Stich ist für den Menschen schmerzlos und verläuft in den meisten Fällen unbemerkt. Der Grund: In ihrem Speichel befinden sich Substanzen, die die Einstichstelle betäuben. Außerdem enthält der Zeckenspeichel eine Art Kleber, damit sich das Tier über mehrere Tage fest an seinem Wirt haften kann. Während dieser Zeit kann es auch zur Übertragung von Krankheitserregern kommen. Bei der FSME geschieht dies direkt nachdem die Zecke angefangen hat, Blut zu saugen. Auch schnelles Entfernen schützt daher nicht vor der Erkrankung – einzig die Impfung kann verhindern, dass es zum Ausbruch der gefährlichen Hirnhautentzündung kommt. Borrelien dagegen leben im Darm der Zecke und brauchen bis zu einem Tag, um in den Körper des Wirtes zu gelangen.

 

 

Von der Nymphe zur adulten Zecke

Nach der zweiten Blutmalzeit macht die Zecke abermals eine Wandlung durch: Aus der Nymphe wird eine geschlechtsreife erwachsene Zecke. Diese geht nicht nur auf die Suche nach einem Blutopfer, sondern sucht außerdem ein Partner. Die Paarung erfolgt bei Zecken direkt auf dem Wirt. Während das Weibchen saugt, klettert das kleinere Männchen auf die Unterseite des Weibchens und platziert seinen Samen in der Geschlechtsöffnung. Die weibliche Zecke legt nach der Paarung mehrere tausend Eier in die Laubstreu – hier herrscht die nötige Wärme und Luftfeuchtigkeit. Überhaupt bevorzugt die einheimische Zecke ein warmes und feuchtes Klima. Bei zu großer Hitze, Trockenheit oder Kälte ziehen sich die Überlebenskünstler in die bodennahe Laubstreu zurück und warten auf günstigere Bedingungen.

 

 

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