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FSME-Erkrankungen nehmen 2011 deutlich zu

Herbstwetter macht Zecken munter

Borreliose: Die wichtigsten Fakten

 

 

 

FSME-Erkrankungen nehmen 2011 deutlich zu

Dass 2011 ein ausgeprägtes Zeckenjahr werden würde, hat niemand vorhersehen können. Doch schon vor Ablauf der Zeckensaison steht fest: es gibt viele Zecken und besonders viele FSME-Erkrankungen in diesem Jahr. Die Fälle, die bis Ende August  in Baden-Württemberg und Bayern aufgetreten sind, übersteigen bereits die Erkrankungszahlen vom gesamten Vorjahr. Bislang sind es allein in Süddeutschland 290 Erkrankungen. Zum Vergleich: 2010 hat es in dieser Region im gleichen Zeitraum lediglich 170 Fälle der tückischen Viruserkrankung gegeben.

 

„Das ist eine Steigerung um fast 100 Prozent“, sagt Dr. Wolfgang Hautmann vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), „und wir wissen noch nicht, wie das Jahr weitergeht. Es gibt Jahre, in denen wir im Herbst einen zweiten Höhepunkt der Erkrankungszahlen verzeichnen. Das hängt davon ab, wie aktiv die Zecken sind und wie viel Zeit die Menschen im Freien verbringen. Insgesamt rechnen wir aber mit einem ähnlich starken FSME-Jahr wie 2006.“

 

Wie viele FSME-Erkrankungen es 2011 mehr sind als im Vorjahr, steht erst Ende des Jahres fest.

„Außerdem haben wir dieses Jahr deutlich mehr schwere Verläufe mit Rückenmarksbeteiligung registriert“, fügt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hinzu. „Für die Schwere der FSME-Erkrankung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle“, erläutert Oehme, „zum Einen der Virusstamm, vor allem aber das Alter der Betroffenen. Ältere Patienten erkranken häufiger schwer. Dennoch sorgen zum Beispiel Eltern oft dafür, ihre Kinder gegen FSME impfen zu lassen, vernachlässigen aber den eigenen Impfschutz.“ Und weiter: „Gerade hatten wir wieder den Fall eines Vaters, der sich in seinem naturnahen Garten mit FSME infiziert hat. Sein Sohn war geimpft – er selbst jedoch nicht.“

 

Auch Hautmann spricht sich für einen kompletten Impfschutz aus: „Viele gehen wegen eines Zeckenstichs zum Arzt und lassen sich dann gleich eine erste Grundimmunisierungs-Spritze verabreichen. Die anderen zwei nötigen Impfungen werden dann aber vergessen – der Schutz bleibt unvollständig. Ähnlich verhält es sich mit Auffrischimpfungen. Man denkt erst wieder daran, wenn man erneut gestochen wurde. Dann kann es allerdings zu spät sein.“

 

Die Zahl der FSME-Erkrankungen in diesem Jahr ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Oehme sieht hier einen Zusammenhang mit der Zahl der Geimpften: „Im Freiburger Raum, im Breisgau und Hochschwarzwald ist die Durchimpfungsrate gering. Gleichzeitig haben wir eine hohe Zahl infizierter Zecken – daher auch viele FSME-Erkrankungen. Im Nordschwarzwald sind hingegen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft. Entsprechend weniger Fälle treten hier auf.“ Auch Reisenden aus Norddeutschland gibt er den Rat, sich zu schützen, denn auch der Bodensee zähle zu den Risikogebieten. Immer wieder infizierten sich Reisende hier durch den Kontakt mit einer Zecke.

 

Ähnlich sieht es auch Hautmann vom LGL: „Viele denken bei FSME an den Bayrischen Wald, weniger an Nordbayern. Dabei kommen fast in ganz Bayern FSME-Infektionen vor.“

 

Beide Experten raten deshalb, sich jetzt noch impfen zu lassen. Dann habe man auch gleich einen sicheren Schutz für das kommende Jahr. Denn so Hautmann: „Gerade wenn wir einen schönen Herbst bekommen, bleibt das Risiko noch eine Weile bestehen. Wer hält sich schließlich bei gutem Wetter nicht gern im Freien auf?“

 

Weitere Informationen zu Risikogebieten und zur Zeckenaktivität auf www.zecken.de

 

 

Herbstwetter macht Zecken munter

Wandern, Biken, Geo-Caching oder Nordic Walking – der Herbst bietet Natur- und Outdoorfreunden eine traumhafte Kulisse. Immer mit von der Partie: Die Zecke als ungebetener Zaungast. Milde Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass der kleine Blutsauger jetzt noch einmal richtig munter wird.

 

Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Regeln können sich Outdoor-Freunde wirksam schützen. Eine wichtige Maßnahme ist die Impfung gegen die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Darüber hinaus lohnt es sich, über die Vorlieben und Lebensgewohnheiten der Zecke Bescheid zu wissen.

 

Zum Beispiel ihre Lieblingsplätze: Der gemeine Holzbock, die in Deutschland am weitesten verbreitete Zeckenart, liebt den Waldboden mit seiner dichten Laubstreu. Vorsicht daher beim Sammeln von Pilzen und Kastanien: Hier begibt man sich direkt ins „Wohnzimmer“ der Zecke. Das „Speisezimmer“ befindet sich dagegen Etage höher: Wenn Zecken Hunger haben und auf die Suche nach einem Wirt gehen, klettern sie auf Gräser, Sträucher und krautige Pflanzen bis zu einer Höhe von 1,5 Metern. Ihr Ziel: Von einem geeigneten Wirt abgestreift werden und zustechen!

 

Ein einfaches Mittel für den Zeckenschutz beim Outdoorsport: Socken über die Hose.

Daher gilt für Wanderer, Pilzsammler und Nordic Walker: Hosenbeine in die Socken, festes Schuhwerk anziehen und zeckenabweisende Mittel auftragen. Ganz wichtig außerdem: Nach einem Ausflug ins Grüne den Körper gründlich absuchen. Je früher man Zecken entdeckt und entfernt, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose. Diese Erkrankung wird von Bakterien ausgelöst, die sich im Darm der Zecke befinden und die beim Saugen auf den Menschen übertragen werden können – allerdings nur, wenn man der Zecke ausreichend Zeit lässt. Denn Borreliose-Bakterien brauchen 12-24 Stunden, um überhaupt in den menschlichen Organismus zu gelangen.

 

Deutlich schneller ist das FSME-Virus: Da sich der Erreger in den Speicheldrüsen der Zecke befindet, wird er direkt nach dem Stich übertragen. Rasches Entfernen ist daher kein zuverlässiger Schutz. Anders sieht es mit der Impfung aus: Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut als wirksame Schutzmaßnahme für Personen empfohlen, die sich gern in der freien Natur aufhalten. Das gilt vor allem in den so genannten FSME-Risikogebieten, also in Bayern, Baden-Württemberg sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen.

 

Ein weiterer Tipp: Vergessen Sie beim Thema Zeckenschutz nicht ihr Haustier! Damit Bello nach einem langen Herbstspaziergang keine ungebetenen Gäste mit nach Hause bringt, lohnt sich auch hier der Einsatz von zeckenabweisenden Mitteln.

 

 

Borreliose: Die wichtigsten Fakten

Keine Frage: eine Borreliose ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Mit jährlich etwa 50.000 bis 80.000 Neuinfektionen in Deutschland ist sie zudem die häufigste von Zecken übertragene Krankheit. Doch nach einem Zeckenstich in Panik zu verfallen, ist nicht angebracht. Die Gründe:

  • Obwohl zwischen drei und sechs Prozent der Zeckenstiche zu einer Infektion mit Borrelien führen, bricht die Krankheit lediglich bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Stiche aus.
  • Nur ein geringer Teil der Borreliose-Patienten hat mit schweren bzw. chronischen Beschwerden zu kämpfen. Das menschliche Immunsystem besiegt die Bakterien meist früher oder später.
  • Die Krankheit kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

 

Welche Vorsichtmaßnahmen schützen?

Eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen kann dabei helfen, eine schwere Erkrankung zu vermeiden. Da es gegen Borreliose noch keine Impfung gibt, gilt zunächst: Zeckenstiche vermeiden! Nach dem Aufenthalt in Zeckengebieten sollten Sie Ihren Körper und den Ihrer Kinder absuchen. Hier sollten Sie genauer hinschauen! Denn Hauptüberträger der Borreliose sind nicht die erwachsenen Zecken, sondern die viel kleineren Zeckenteenager – die Nymphen. Sie werden aufgrund ihrer geringen Größe leicht übersehen.

 

Hat sich eine Zecke festgesaugt, sollte sie möglichst schnell mit Hilfe einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden! Borreliose-Bakterien sitzen im Darm der Zecke. Ehe sie in die Blutbahn des Opfers gelangen können, muss die Zecke schon reichlich Blut gesaugt haben. Das Infektionsrisiko ist gering, wenn die Zecke innerhalb von 24 Stunden entfernt wird. (FSME-Viren werden hingegen gleich nach dem Einstich übertragen!) Erkennen lässt sich die kurze Saugdauer daran, dass der Hinterleib der Zecke noch nicht geschwollen ist.

 

Wie äußert sich eine Borreliose?

Hilfreich ist es, wesentliche Anzeichen der Borreliose frühzeitig zu erkennen und einen Arzt aufzusuchen. Denn auch für die Behandlung gilt: je eher, desto besser! Zwar kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein, doch gibt es einige typische Anzeichen:

  • In etwa 90 Prozent der Fälle äußerst sich eine Borrelien-Infektion innerhalb von Tagen bis Wochen als Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt um die Stichstelle oder an anderen Hautstellen auf. Größe, Farbton und Form der Wanderröte können sehr verschieden sein. Ihren Körper sollten Sie nach einem Zeckenstich daher genau beobachten! Teilweise kommen grippeähnliche Symptome (Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber u.ä.) hinzu. Eine seltene Reaktionsform an der Haut ist das Borrelien-Lymphozytom – eine kugelige, bläuliche bis rötliche Schwellung, die häufiger bei Kindern vorkommt. (Stadium 1)
Bildet sich eine solche Rötung um die Stichstelle, heißt es: ab zum Arzt! (Bild: Hannah Garrison)
  • Wochen bis Monate nach dem Stich kann eine akute Erkrankung auftreten, die überwiegend das Nervensystem, die Gelenke und das Herz betrifft. Typische Begleiterscheinungen der so genannten Neuroborreliose sind reißende Schmerzen, Gesichtslähmung oder Gelenkschwellung. Auch die Neuroborreliose heilt in der Regel vollständig aus. (Stadium 2)
  • In seltenen Fällen kann es nach Monaten bis Jahren zu einem chronischen Krankheitsverlauf mit Beteiligung der Haut (Acrodermatitis chronica atrophicans), des zentralen Nervensystems (späte Neuroborreliose) oder der Gelenke (Lyme-Arthritis) kommen. (Stadium 3)

Jede Form der Borreliose erfordert eine zwei- bis dreiwöchige Antibiotika-Therapie. Eine Besserung tritt dann in der Regel rasch ein. Langzeitbehandlungen mit Antibiotika sind im Übrigen ebenso unnötig, wie eine vorsorgliche Behandlung nach einem Zeckenstich – selbst wenn die Zecke mit Borrelien infiziert war. Allein die Symptome sollten eine Behandlung veranlassen.

 

Übrigens: Experten gehen davon aus, dass es eine „chronische Borreliose mit unspezifischen Beschwerden“ nicht gibt. Auch die standardisierten Laboruntersuchungen können eine solche Erkrankung nicht nachweisen.

 

 

Quellen:

MMW Fortschritte der Medizin: Vom Zeckenstich zur Borreliose. Nr. 22 / 2011

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; Thieme Verlag Stuttgart; 4. überarbeitete Auflage 2008, S.654 ff.

 

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