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FSME - eine Krankheit mit Folgen
Zecken: 4 Wochen ihrer Zeit voraus
FSME - eine Krankheit mit Folgen
Die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME ist eine Krankheit mit gravierenden Folgen für einen Großteil der Betroffenen – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zu Schweregrad und Verlauf der Erkrankung.
Über zehn Jahre hinweg hat Prof. Dr. Reinhard Kaiser von der neurologischen Klinik des Klinikums Pforzheim FSME-Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen untersucht und beobachtet. Zwischen 1994 und 1999 erkrankten in Baden-Württemberg 731 Personen an FSME. 81 Patienten entwickelten einen schweren Verlauf mit Beteiligung des Rückenmarks. Davon stimmten 57 einer prospektiven Langzeitstudie mit einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren zu.
Das Ergebnis: Rund 50 Prozent der FSME-Patienten erleben einen schweren Krankheitsverlauf. 70 Prozent davon leiden dauerhaft unter Folgeschäden. Die gefährlichste Form der FSME ist die Myelitis: Sie entsteht, wenn FSME-Viren eine Entzündung des Rückenmarks auslösen. Weitere mögliche Formen sind die Gehirnentzündung (Enzephalitis) und die Hirnhautentzündung (Meningitis).
FSME verursacht bleibende Schäden
Untersucht wurde am Klinikum Pforzheim unter anderem, inwiefern sich die Symptome einer schweren FSME im Laufe der Zeit bessern bzw. vollständig zurückbilden. Dabei zeigte sich: Nur 11 Patienten (19 Prozent) waren nach zehn Jahren wieder vollständig genesen. Die besten Chancen auf eine Genesung bestehen innerhalb des ersten Jahres nach der Erkrankung. Danach gibt es meist keine deutliche Besserung. Und: Je schwerer der Verlauf, desto schlechter die Heilungschancen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen leidet unter dauerhaften Beeinträchtigungen. Dazu zählen Lähmungen der Extremitäten sowie der Atem- und Halsmuskulatur, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Schluck- und Sprechstörungen. 30 Prozent der schwer erkrankten FSME-Patienten starben während des Beobachtungszeitraumes.
Hohes Erkrankungsrisiko
Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, ist mit 1 zu 150 verhältnismäßig hoch. In den Verbreitungsgebieten der FSME sind rund 2 Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. Besonders betroffen ist der südliche Teil Deutschlands. Baden-Württemberg und Bayern sind mittlerweile fast flächendeckend als Risikogebiete deklariert. Dazu kommen Teile von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz.
Impfen schützt
Verhindern lässt sich die FSME durch eine vorbeugende Impfung. Die Impfung ist gut verträglich und wird für die Einwohner in Risikogebieten von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Notwendig ist die Impfung vor allem in Anbetracht der Schwere der Erkrankung: Das Risiko, schwer an FSME zu erkranken ist unverhältnismäßig höher als das Risiko einer Impfkomplikation. Daher ist die Impfung für alle Personen zu empfehlen, die in einem Risikogebiet leben, arbeiten oder Urlaub machen und dabei in Kontakt mit Zecken kommen können.
Quellen:
Prof. Dr. R. Kaiser: Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME – eineVerlaufsanalyse über 10 Jahre, Der Nervenarzt 2011
Pressekonferenz der Universität Hohenheim vom 16. März 2011: Zecken und FSME: Baden-Württemberg ist Hot Spot Nr. 1 in Deutschland
Eier suchen - Zecken finden
Für Kinder bedeutet Ostern vor allem Eines: Nachschauen, was der Osterhase gebracht hat. Doch bei der Suche nach den bunten Eiern sollten ein paar einfache Verhaltensregeln beachtet werden. Im Gras können nämlich nicht nur gut gefüllte Osternester warten, sondern auch ungebetene Gäste: Zecken. Und die sind mindestens genauso hungrig wie kleine Ostereier-Sammler.
Zecken schnell entfernen
Wichtig daher: Suchen Sie ihr Kind nach dem Ostereier-Sammeln gründlich ab! Zecken mögen vor allem weiche Hautstellen wie Kniekehlen und Achselhöhlen. Bei Kindern sind zusätzlich Kopf und Haaransatz häufig betroffen. Je schneller eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, dass sie beim Saugen Krankheitserreger überträgt. Borreliose-Bakterien brauchen zum Beispiel 12-24 Stunden, um in den menschlichen Organismus zu gelangen. Gegen FSME, die zweite von Zecken übertragene Erkrankung, hilft schnelles Entfernen zwar nicht, dafür gibt es hier eine vorbeugende Impfung.
Diese ist auch zu empfehlen, wenn über Ostern ein Urlaub in die so genannten FSME-Risikogebiete im Süden Deutschlands geplant ist. Betroffen sind unter anderem beliebte Urlaubsziele im Schwarzwald und Bayrischen Wald. Auch außerhalb Deutschlands ist die FSME verbreitet. Wo genau, das verraten die aktuellen Verbreitungskarten für Deutschland und Europa aus www.zecken.de.
Ausgezeichnete Website informiert Kinder spielerisch
Um Kindern das Thema Zeckenschutz spielerisch näherzubringen, lohnt sich ein Ausflug auf die Seite www.zeckenschule.de. Die mit dem Ehrfurter Netcode für qualitativ hochwertige Kinderseiten im Internet ausgezeichnete Seite weiht Kinder spielerisch in die spannende Welt der Zecken ein, informiert über von Zecken übertragene Erkrankungen und erklärt wirksame Schutzmaßnahmen wie die Impfung gegen FSME.
Übrigens: Auch der Osterhase sollte sich vor Blutsaugern in Acht nehmen. Zecken können die auch als Chinaseuche bekannte Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) übertragen. Die Krankheit ist für Menschen ungefährlich, kann aber zwischen 80 und 100 Prozent der erkrankten Hasen und Kaninchen das Leben kosten.
Zecken: 4 Wochen ihrer Zeit voraus
Der ungewöhnlich warme März hat Zecken schon früh aus ihren bodennahen Winterquartieren hervorgelockt. Die wärmeren Tage, dazu ungewöhnlich viele Sonnenstunden tragen zugleich entscheidend dazu bei, dass wir überhaupt mit den kleinen Blutsaugern in Kontakt kommen – bei Aktivitäten im Freien.
„Aufgrund des frühen Frühlingswetters ist die Zahl der Zecken, die wir dieses Jahr Ende März gesammelt haben, etwa so hoch wie sie 2009 und 2010 Ende April war. Insgesamt sind die Zecken also vier Wochen früher dran als in den Vorjahren“, sagt Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. In ausgewählten Risikogebieten in der Oberpfalz und im Bayrischen Wald bei Passau führt er jährlich Zeckenuntersuchungen durch. Seit zwei Jahren wird dabei auch die Zahl der Zecken ermittelt, die mit dem FSME-Virus infiziert sind. Die Anzahl der Zecken, die das Virus in sich tragen, ist neben den Wetterbedingungen ein wichtiger Faktor für die reale Infektionsgefahr, die von ihnen ausgeht. „Wir untersuchen zum Einen die FSME-Durchseuchungsrate der Zecken. Zum Anderen schauen wir, welche Entwicklungsstadien der Zecke betroffen sind – Larven, Nymphen oder adulte Zecken“, erläutert Dobler, der damit neue Erkenntnisse über die Übertragungswege des FSME-Virus gewinnen möchte.
„Im Vergleich zu 2009 haben wir im letzten Jahr eine höhere Durchseuchung der Zecken mit FSME-Viren feststellen können“, so Dobler. Ob es sich hierbei um eine längerfristige Tendenz handelt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Dazu reicht das Datenmaterial noch nicht aus. „Trotz der höheren Zahl infizierter Zecken ist 2010 die Zahl der FSME-Fälle bei Menschen nicht gestiegen“, stellt Dobler fest. „Die Ursache hierfür ist vor allem in den Witterungsverhältnissen zu sehen. Denn die meisten Menschen infizieren sich in ihrer Freizeit – beim Wandern, Spazieren und Joggen. Der kühle und verregnete Mai 2010 hat aber zu weniger Kontakten zwischen Mensch und Natur geführt.“
Darüber hinaus zeigen die bisherigen Ergebnisse, dass die Gefahr für den Menschen, an FSME zu erkranken, von Nymphen – dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken – und adulten (erwachsenen) Zecken gleichermaßen ausgeht. Dazu Gerhard Dobler: „Zwar zeigten unsere Tests, dass bis zu fünf Prozent der adulten Zecken und nur 0,5 Prozent der Nymphen das FSME-Virus in sich tragen. Da wir gleichzeitig aber zehnmal mehr Nymphen finden konnten, gleicht sich das Infektionsrisiko, das von beiden Stadien ausgeht, an.“ Denn gerade die kleinen, schwer sichtbaren Nymphen sind das häufigere Mitbringsel von einem Aufenthalt in Wald und Wiesen.
Wo Zecken in Deutschland gerade besonders aktiv sind, zeigt eine neue Prognosekarte auf www.zecken.de.





