Informationsdienst zecken.de
Die Texte können für journalistische Zwecke kostenfrei übernommen werden.
Impfung im Winter - Schutz im Sommer
Studie belegt: FSME-Impfung häufig unvollständig
Rekordwinter kann Zecken nicht schrecken
Impfung im Winter - Schutz im Sommer
Ein Zeckenstich löst bei den meisten Menschen ein mulmiges Gefühl aus. Automatisch stellt sich die Frage: „Bin ich ausreichend geschützt?“ Wer diese Frage positiv beantworten möchte, kann schon jetzt etwas tun: Mit einer Impfung gegen die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME.
Warum diese Impfung bereits im Winter sinnvoll ist, erklärt der Mediziner und Zeckenexperte Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig von der Universität Hohenheim: „Wer jetzt zum Impfen geht, ist für die kommende Zeckensaison optimal vorbereitet. Auch wenn eine FSME-Impfung prinzipiell zu jedem beliebigen Zeitpunkt durchgeführt werden kann: Am besten schützt man sich, bevor die erste Zecke zugestochen hat.“ Einen guten Schutz für die anstehende Saison bieten bereits zwei Injektionen. Eine dritte schließt die so genannte Grundimmunisierung ab und sorgt für einen längerfristigen Impfschutz. Angesichts des bereits fortgeschrittenen Winters empfiehlt sich zum jetzigen Zeitpunkt ein Schnellimmunisierungs-Schema, bei dem nach etwa vier Wochen mit einer belastbaren Immunität gerechnet werden kann.
Trotz steigender Durchimpfungsraten erkranken Jahr für Jahr mehrere hundert Menschen an der gefährlichen Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung, die bleibende Schäden hinterlassen und im schlimmsten Fall tödlich enden kann. „Da wir keine ursächliche Therapie gegen das FSME-Virus zur Verfügung haben, kann die Krankheit nur symptomatisch behandelt werden“, so Prof. Kimmig „unsere wirksamste Waffe im Kampf gegen die FSME ist daher nach wie vor die Impfung.“ Ein weiterer wichtiger Hinweis: „Wer in der Vergangenheit bereits geimpft wurde, sollte seinen Impfstatus von Zeit zu Zeit überprüfen. Durch einen Blick in den Impfpass kann ihr Arzt sehr leicht feststellen, ob Sie noch ausreichend geschützt sind.“ Vor allem ältere Personen sollten beim nächsten Arztbesuch den Impfpass nicht vergessen: „Zum Einen brauchen sie aufgrund des nachlassenden Immunsystems alle drei Jahre eine Auffrischimpfung, zum Anderen verläuft eine FSME mit zunehmendem Alter immer schwerer.“
Besonders wichtig ist die Impfung für Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet leben. Aktuell gehören ganz Baden-Württemberg und der größte Teil von Bayern, aber auch Landkreise in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz zu den vom Robert-Koch-Institut (RKI) deklarierten Risikogebieten. Auch Urlauber, Pendler oder Geschäftsreisende sollten sich rechtzeitig informieren, ob ihr Zielort in einem FSME-Risikogebiet liegt. Eine aktuelle Übersicht der betroffenen Gebiete in Deutschland und Europa bietet die Seite www.zecken.de.
Neben der FSME ist die Borreliose die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung. Eine Impfung gegen Borreliose existiert bisher nicht, die Krankheit lässt sich jedoch gut mit Antibiotika behandeln. Wichtig ist vor allem die frühe Diagnose: Eine großflächige kreisförmige Rötung um die Einstichstelle ist eines der markantesten Merkmale einer Borreliose und sollte in jedem Falle ärztlich abgeklärt werden.
Zusätzlich empfiehlt Prof. Kimmig einige allgemeine Regeln zum Zeckenschutz: „Obwohl es keinen hundertprozentigen Schutz vor Zeckenstichen gibt, kann man doch Einiges tun, um das Risiko zu vermindern. Generell empfiehlt sich das Tragen geschlossener Kleidung, möglichst in einer hellen Farbe, um die Zecken leichter entdecken und absammeln zu können. Nach einem Aufenthalt im Zeckengebiet sollte der Körper frühzeitig inspiziert werden. Denn selbst wenn eine Zecke zugestochen hat, ist ein frühzeitiges Entfernen wichtig. Generell wird die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung so verringert. Die Übertragung der FSME-Erreger beginnt zwar gleich nach dem Zeckenstich, bis zur Borreliose-Infektion vergehen im Schnitt jedoch 12-24 Stunden.“
Studie belegt: FSME-Impfung häufig unvollständig
Die Gesundheitsvorsorge vergessen wir oft – solange wir gesund sind. Das belegt eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum Impfverhalten bei der Impfung gegen die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Viele Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich hier zeitweise aufhalten, haben keinen vollständigen Impfschutz.
Rund 47.000 Personen hat die GfK im August letzten Jahres zum Thema FSME-Impfschutz befragt. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der vollständig Geimpften bundesweit zwar auf 17,3 Prozent gestiegen ist, weitere 11,5 Prozent jedoch einen unvollständigen FSME-Schutz aufweisen. In klassischen „Risikoländern“ wie Bayern zeichnet sich das Verhältnis noch deutlicher ab: hier sind 34 Prozent der Menschen komplett gegen FSME immunisiert, weitere 19 Prozent haben sich zwar mindestens einmal gegen FSME impfen lassen, jedoch keinen vollständigen Schutz.
Die meisten vergessen schlicht nach der ersten oder zweiten Impfung wieder zum Arzt zu gehen, um ihren Impfschutz zu vervollständigen. Auch an die Auffrischimpfung denken viele erst, wenn der Arzt einen Blick in den Impfpass geworfen hat und auf Lücken aufmerksam macht.
Eine vollständige Grundimmunisierung besteht aus drei Injektionen. Danach wird alle 3-5 Jahre eine Auffrischimpfung fällig. Am besten beginnt man die Grundimmunisierung vor Beginn der anstehenden Zeckensaison. Durch die 2. Impfung erreicht man einen saisonalen Schutz. Erst mit der 3. Impfung ist die Langzeitwirkung von mindestens drei Jahren gewährleistet. Für einen kurzfristigen Impfschutz besteht die Möglichkeit einer Schnellimmunisierung.
Rekordwinter kann Zecken nicht schrecken
Zecken sind robuste Tiere. Auch der härteste Dezember seit 40 Jahren konnte ihnen kaum etwas anhaben. Denn in Sachen Überlebenskunst macht ihnen so schnell keiner etwas vor: Um ihre Körperflüssigkeiten vor dem Gefrieren zu bewahren, senken Zecken ihren Unterkühlungspunkt. So können sie Umgebungstemperaturen bis -20°C ohne Probleme überstehen. „Winter wie dieser haben auf die Zeckenpopulation keinen Einfluss. Zecken, wie der in Deutschland verbreitete Gemeine Holzbock, sind äußerst gut an solche klimatischen Verhältnisse angepasst“, erläutert Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.
Winterwetter weit unter dem Gefrierpunkt überleben die kleinen Spinnentiere auch aus einem anderen Grund: Zecken graben sich in lockeren Boden oder ins Laub ein und fallen in eine Art Winterstarre. Starke und lang anhaltende Schneefälle – wie im vergangenen Rekorddezember – kommen ihnen dabei noch zugute. „Eine Schneedecke wirkt isolierend. Dadurch dringt die Kälte kaum in den Boden ein. So geschützt überleben Zecken auch Dauerfrost und sehr kalte Winterperioden“, erklärt Dobler.
Sobald die Temperaturen wieder über sieben Grad Celsius steigen, erwachen Zecken und gehen auf Nahrungssuche. Das ist auch an einem milden Wintertag möglich. Die winzigen Parasiten klettern dann an Grashalmen oder Büschen hoch und warten auf einen warmblütigen Wirt, der sie im Vorbeigehen abstreift. Haben sie eine dünne und gut durchblutete Hautstelle gefunden, stechen sie zu und beginnen Blut zu saugen. Vom Stich selbst merkt das Opfer meist nichts, da der Speichel der Zecke schmerzstillende Stoffe enthält.
Eigentlich wäre das bisschen Blut für Mensch und Tier kein Problem – wären da nicht verschiedene Krankheitserreger, die beim Zeckenstich übertragen werden können. Menschen können vor allem an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose erkranken. Borreliose ist besonders im Frühstadium sehr gut mit Antibiotika behandelbar. Für die FSME existiert keine solche ursächliche Therapie. Treten Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung auf, können nur noch Symptome gelindert werden. Schwere Verlaufsformen kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor. Eine Impfung kann die Erkrankung von vornherein verhindern. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts allen empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen oder in ein solches verreisen. Die Impfung ist gut verträglich und wird von der Krankenkasse bezahlt.
Das aktuelle Wetter bestimmt zum Einen, wie viele Zecken aktiv sind und zum Anderen, ob Menschen überhaupt mit ihnen in Kontakt kommen. Allein anhand von Klimadaten lässt sich das Vorkommen von Zecken nicht vorhersagen – und ebenso wenig das Risiko für den Menschen. Wann genau die Zecken in Deutschland wieder aktiv werden, zeigt eine Karte auf www.zecken.de. Sie wird von Biologen anhand von Wetterdaten und Beobachtungen des Zeckenverhaltens mindestens zweimal pro Woche auf den neuesten Stand gebracht.







