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Die Zeckenvorhersage: Wann Zecken besonders aktiv sind
Auch in Brandenburg können Zecken das FSME-Virus übertragen
Daten zum FSME-Impfstatus in Deutschland
Wie Sie Ihr Haustier vor Zecken schützen können
Die Zeckenvorhersage: Wann Zecken besonders aktiv sind
„Zecken sind äußerst komplexe Lebewesen, eine Prognose über ihre Aktivität zu erstellen, ist nicht einfach“, sagt Dr. Olaf Kahl. Zusammen mit Dr. Hans Dautel arbeitet der Biologe aus Berlin an einem Verfahren, mit dem sich vorhersagen lässt, wie aktiv Zecken in den kommenden Tagen sein werden.
Zecken sind abhängig von der Witterung
Die Spinnentiere brauchen Feuchtigkeit, ideal für ein langes Überleben ist eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 80 bis 85 Prozent. Nicht nur die aktuellen Witterungsverhältnisse spielen eine Rolle, wenn es um ihre Aktivität geht: „Bei der Vorhersage muss man auch das Wetter der vergangenen Tage berücksichtigen“, erklärt Dr. Kahl. Ist es längere Zeit sehr trocken, ziehen sich die Zecken zurück und überdauern die Trockenperiode in der Laubstreu, wo es eine gewisse Restfeuchtigkeit gibt. Steht ihnen dann zum Beispiel nach einem Regentag wieder genügend Feuchte zur Verfügung, sind die Zecken besonders aktiv. Sie kommen aus ihren Verstecken und klettern an Grashalmen nach oben. Dort warten sie oft tagelang auf einen vorbeiziehenden Wirt.

- Wie aktiv Zecken sind, hängt auch vom Wetter ab.
Daten sammeln unter kontrollierten Bedingungen
Die Biologen haben zwei Jahre lang Zecken beobachtet, um mehr darüber herauszufinden, wann sie sich auf die Lauer legen, um einen Wirt zu befallen. „Wir haben ein Quadratmeter große Parzellen eingerichtet, die mit einer Art Schneckenzaun umfasst sind. Diese metallene Barrikade ist innen zusätzlich mit einer sehr glatten Farbe gestrichen – die Zecken können nicht entkommen“, erklärt Dr. Kahl. In den Parzellen streuten sie Buchen- und Eichenlaub aus. Diese Blätter bieten beste Bedingungen: Sie verrotten nur langsam, bilden eine viellagige Schicht aus, speichern viel Feuchtigkeit und entsprechen dem natürlichen Lebensraum von Zecken. In diese vorbereitete Fläche setzten sie Zecken. „In jeder Parzelle stecken 48 Holzstäbe im Boden, an denen die Zecken wie an Grashalmen, krautigen Pflanzen oder am Boden liegenden Zweigen nach oben klettern, wenn sie auf Wirtsuche sind“, beschreibt Dr. Kahl. Die Forscher werteten aus, wann wie viele Zecken an den Stäben saßen. Diese Daten über die Zeckenaktivität, die Witterung und eine Wettervorhersage ermöglichen es, auch Aussagen darüber zu treffen, wie aktiv die Zecken in den kommenden Tagen sein werden.
Besserer Schutz vor Zecken
„Inzwischen sind wir so weit, dass wir unsere Methode einsetzen könnten“, sagt Dr. Kahl. „Aber wir wollen mit unserer Prognose keinen Warndienst anbieten – der womöglich die Empfehlung gibt, nicht in den Wald zu gehen, weil die Zecken gerade aktiv sind“, betont der Biologe. „Zusammen mit der Prognose geben wir deshalb Ratschläge, wie man sich am besten vor Zecken schützt. Dazu gehört auch, dass man weiß, wann man in Zeckengebieten besonders vorsichtig sein muss.“
Dass die Methode von Dr. Kahl und Dr. Dautel funktioniert, zeigen begleitende Kontrollversuche mit der Flaggmethode. Dabei wird ein weißes Tuch über ein Areal gezogen, aktive Zecken verfangen sich darin und können gezählt werden. Unter günstigen Bedingungen decken sich die Ergebnisse beider Vorgehensweisen. Doch das Verfahren der Berliner hat Vorteile: „Die Flaggmethode funktioniert nur bei trockenem, nicht zu windigen Wetter. In unseren Parzellen hingegen erhalten wir auch bei feuchtem Untergrund, bei Regen und windigem Wetter zuverlässige Ergebnisse“, sagt Dr. Kahl.
Auch in Brandenburg können Zecken das FSME-Virus übertragen
Brandenburg gilt nicht als FSME-Risikogebiet. Trotzdem besteht auch hier geringe Gefahr, sich über einen Zeckenstich mit einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu infizieren. Das zeigt eine Studie unter Waldarbeitern, die im Sommer 2008 durchgeführt wurde. Neun Forscher haben insgesamt 563 Waldarbeiter aus 10 verschiedenen Bezirken in Brandenburg untersucht. Rund 65 Prozent von ihnen waren nicht gegen FSME geimpft. Das Ergebnis: Bei rund 9 Prozent der ungeimpften Waldarbeiter konnten FSME-Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass sie auf natürliche Weise - durch einen Zeckenstich - mit dem FSME-Erreger in Kontakt gekommen sind. Eine FSME kann unterschiedlich verlaufen: Es gibt FSME-Infizierte, die nur leicht oder gar nicht erkranken. Eine FSME kann aber auch zu einer Hirnhautentzündung, Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, psychischen Veränderungen oder Lähmungen am Körper führen. Auch das Rückenmark und Nervenwurzeln können vom FSME-Virus geschädigt werden, im schlimmsten Fall kann der Patient sterben.

- Auch in Brandenburg können Zecken das FSME-Virus übertragen.
Vergleichbare Ergebnisse in Baden-Württemberg
Die Forscher befragten die Studienteilnehmer in Brandenburg zu potentiellen Risikofaktoren einer FSME-Infektion: Sie erhoben Daten darüber, wie häufig sich die Teilnehmer in Gebieten aufhielten, in denen Zecken leben. Die Arbeiter wurden gefragt, wie oft sie bereits von Zecken gestochen worden waren, ob sie gegen FSME geimpft sind und ob sie Reisen innerhalb Europas unternommen haben. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler das Blut der Waldarbeiter auf FSME-Antikörper - dabei setzten sie zwei unterschiedliche Testverfahren ein.
Die Ergebnisse der Studie in Brandenburg decken sich mit vergleichbaren Untersuchungen in Baden-Württemberg aus den Jahren 1997 bis 1999 - und legen nach Meinung der Forscher nahe, dass die FSME in Brandenburg häufiger vorkommt als bislang angenommen. Im Gegensatz zu Brandenburg ist Baden-Württemberg als Risikogebiet ausgewiesen, die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung gegen FSME. In Brandenburg sind bisher vier Regionen bekannt, in denen Einzelfälle von FSME-Erkrankungen aufgetreten sind.
Erfahren Sie mehr: FSME-Risikogebiete in Deutschland
Daten zum FSME-Impfstatus in Deutschland
In den FSME-Risikogebieten sind immer noch zu wenig Menschen vor der Krankheit geschützt. Vor allem ältere Personen sind häufig nicht gegen eine FSME geimpft – Kinder und Jugendliche hingegen haben weitaus häufiger einen Impfschutz. Doch eine Infektion kann gerade bei älteren Menschen schwere Folgen haben. Das Robert-Koch Institut (RKI) betont deshalb, dass die Aufklärung über die Relevanz der FSME-Impfung weiterhin sehr wichtig sei. Das FSME-Virus kann durch einen Zeckenstich übertragen werden und beim Menschen zu einer Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung führen.
Kinder sind häufiger als Erwachsene geimpft
Das RKI beruft sich auf Zahlen aus verschiedenen Studien: zum Beispiel die Impfraten von Schülern aus Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen. Immer mehr Schulanfänger aus diesen Bundesländern sind durch eine Impfung vor FSME geschützt. Einige Zahlen aus dem vergangenen Jahr: In den Risikogebieten in Baden-Württemberg haben im Mittel 28,1 Prozent der Kinder eine vollständige Grundimmunisierung gegen FMSE, in Bayern sind es 35,6 Prozent und in Thüringen 49,4 Prozent. Diese Quoten sind in den vergangenen Jahren konstant gestiegen.

- Viele Kinder sind gegen FSME geimpft - älteren Menschen fehlt häufig der Schutz.
Die FSME ist besonders für ältere Menschen gefährlich
Weiteres Datenmaterial zum Impfstatus liefert eine Studie zur FSME-Impfung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die Gfk hat im Jahr 2008 dazu rund 48.000 Personen befragt - mit folgendem Ergebnis: In Baden-Württemberg sind insgesamt 25,5 Prozent gegen FSME geimpft, in Bayern 30,7 Prozent und in Thüringen 20,5 Prozent. Der Vergleich der Impfraten unter Schülern und Gesamtbevölkerung legt den Schluss nahe, dass die Impfquote bei Erwachsenen wesentlich niedriger liegt. Die FSME kann unterschiedlich schwer verlaufen, dabei spielt das Alter der Infizierten eine wichtige Rolle. Je älter ein Patient ist, umso schwerer können die Folgen einer Infektion sein. Die Ständige Impfkommission (SITIKO) empfiehlt eine Impfung gegen FSME für alle, die sich in Risikogebieten aufhalten - und das kann auch während eines Urlaubs der Fall sein.
Wie Sie Ihr Haustier vor Zecken schützen können
Zecken können für Haustiere wie Hunde gefährlich sein. So kann der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) eine Borreliose übertragen, infizierte Tiere leiden unter Gelenkentzündungen und Fieber. Auch der Erreger der Anaplasmose kann durch einen Zeckenstich in den Organismus der Tiere gelangen. Erkrankt der Hund daran, zeigt er Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Schlappheit, geschwollene Beine und Gelenkentzündungen. Die Auwaldzecke kann eine Babesiose übertragen - diese Krankheit wird auch Hundemalaria genannt und zerstört die roten Blutkörperchen des Hundes. Im schlimmsten Fall stirbt der Hund nach ein bis zwei Tagen.
Doch nicht nur heimischen Zeckenarten sind ein Problem: Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) lebt vorwiegend in südlichen Ländern, wird aber häufig aus dem Urlaub eingeschleppt. Auch sie überträgt Babesien - und kann im Gegensatz zu anderen Zeckenarten in Häusern überleben. Der Berliner Biologe Dr. Hans Dautel berichtet: „Ich habe schon erlebt, dass sich die Braune Hundezecke massenhaft in Wohnungen vermehrt hat.“ Eine einzelne Zecke legt 2000 bis 3000 Eier. Mit einem Hund oder einer Katze kann man sich auch eine heimische Zeckenpopulation in den Garten holen. „Lässt sich eine gesogene Zecke im Garten von ihrem Wirt, in diesem Fall dem Haustier, fallen und findet dort angemessene Lebensbedingungen, so wird sie sich weiter und weiter vermehren“, erklärt Dr. Dautel.

- Das Borreliose-Bakterium kann auch Hunde krank machen.
So schützen Sie Ihr Tier
Experten wie Dr. Dautel und der Bundesverband praktizierender Tierärzte empfehlen deshalb, Hunde und Katzen mit so genannten Repellents vor Zecken zu schützen. Besonders wirksam sind Mittel, die eine Doppel-Wirkung haben: Sie schrecken die Zecken nicht nur ab, sondern sind gleichzeitig akarizid - sie töten die Zecken. Doch bei der Anwendung muss man einige Dinge beachten. „Wie bei jedem Medikament ist es wichtig, sich an die Anwendungshinweise zu halten“, sagt Dr. Dautel. Die Dosierung ist unter anderem abhängig von Gewicht und Größe des Tieres. Die Präparate müssen regelmäßig in bestimmten Zeitabständen angewendet werden. Katzenfreunde sollten doppelt wachsam sein: Einige der Substanzen sind für Katzen giftig. Es sollten daher nur explizit für Katzen zugelassenen Präparate verwendet werden.
Die meisten dieser Zecken-Abwehrstoffe werden als Halsband oder als Spot-On-Produkt angeboten. Halsbänder werden dem Tier angelegt und geben nach und nach Wirkstoffe ab. Spot-On-Präparate werden in den Nacken des Tieres geträufelt. „Sie enthalten neben dem Wirkstoff gegen die Zecken ein Spreizungsmittel, das dafür sorgt, dass sich das Präparat auf der Lipidschicht von Haut und Fell gleichmäßig verteilt“, beschreibt Dr. Dautel. Entdeckt man trotzdem Zecken an seinem Tier, sollte man sie so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange entfernen. Die Zecken kann man dann die Toilette hinunterspülen oder mit einem harten Gegenstand zerdrücken. „Zerquetscht man eine Zecke mit den ungeschützten Fingern, können Krankheitserreger aus der Zecke durch kleine Wunden in den menschlichen Organismus kommen“, warnt Dr. Dautel.


