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Hungrig im Herbst - das "Zeckenwetter" erklärt, wann Zecken Appetit haben
Gesund durch den Herbst - so machen Sie es richtig
Was FSME-Viren im Körper anrichten
Hungrig im Herbst - das "Zeckenwetter" erklärt, wann Zecken Appetit haben
Wie aktiv sind Zecken im Herbst? Diese Frage beantwortet tagesaktuell die tick-radar GmbH auf der Seite www.zeckenwetter.de. Basierend auf Wetterdaten und Erkenntnissen aus speziell entwickelten „Zeckenwetterstationen“ mit lebenden Zecken haben Biologen eine Methode entwickelt, die Aktivität der kleinen Blutsauger vorherzusagen – und damit das Risiko, gestochen zu werden. Die Redaktion von www.zecken.de sprach mit Dr. Olaf Kahl von tick-radar über den Zusammenhang von Herbstwetter, Zeckenaktivität und Freizeitverhalten und über den neuen Internetauftritt des „Zeckenwetters“.
Was hat sich beim neuen Internetauftritt von www.zeckenwetter.de verändert?
Wir haben die Benutzerführung deutlich übersichtlicher gestaltet und viele interne Links eingebaut – die Informationen sind für den Benutzer damit noch schneller greifbar. Eine der wichtigsten Verbesserungen ist außerdem unsere neue Deutschlandkarte für die Prognose der Zeckenaktivität.
Wie funktioniert die neue Prognosekarte?
Vor allem ist die Karte deutlich interaktiver geworden. Der Benutzer kann jetzt jede Region in Deutschland, die ihn interessiert, gezielt ansteuern und sich Informationen anzeigen lassen. Neu ist auch die Einteilung in Land- und Stadtkreise. So erhält man als Nutzer präzise Angaben über ein bestimmtes Gebiet.
Welche Informationen sind das?
Zuerst natürlich die aktuelle Zeckenaktivität und eine Tendenz für die nächsten 2–6 Tage. Zusätzlich liefert die neue Karte aber auch Informationen über Infektionsrisiken, die von Zeckenstichen ausgehen. Zum Beispiel zeigt sie den FSME-Status eines Kreises an, also ob es sich um ein Risikogebiet für die von Zecken übertragene FSME handelt und eine Impfung empfohlen wird. Zusätzlich geben wir die Gebiete an, die zwar keine vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiete sind, in denen aber Einzelfälle von FSME vorgekommen sind. Auf Basis dieser Informationen können Ratsuchende in Sachen Impfung bei ihrer Entscheidung unterstützt werden.
Wie hoch ist die Zeckenaktivität im Herbst?
Grundsätzlich bietet der Herbst beste Bedingungen für Zecken. Die Luftfeuchtigkeit ist deutlich höher als im Frühjahr und die Temperaturen sind nicht extrem. Trotzdem gibt es natürlich von Jahr zu Jahr Schwankungen.
Was bedeutet dies für Menschen, die den Herbst gern an der frischen Luft genießen?
Wer sich viel in der freien Natur aufhält, sollte sich auf jeden Fall vor Zeckenstichen schützen. Das Freizeitverhalten ist ein wichtiger Faktor für das persönliche Zeckenstichrisiko. Deshalb sehen wir oft eine Häufung von Zeckenstichen, wenn Menschen viel Freizeit haben und sich vermehrt im Grünen aufhalten, also beispielsweise in den Ferien. Auch im September, dem klassischen Wandermonat, kommen Menschen häufig mit Zecken in Kontakt.
Welche Rolle spielt die von Zecken übertragene FSME im Herbst?
Mehr als die Hälfte aller FSME-Erkrankungen werden in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte registriert. Die Bezeichnung Frühsommer-Meningoenzephalitis ist daher nicht nur irreführend, sondern regelrecht gefährlich: Sie vermittelt den Eindruck, dass die FSME hauptsächlich im Frühjahr vorkommt – was so nicht richtig ist.
tick-radar beschäftigt sich nicht nur mit der Zeckenwettervorhersage, sondern ist auch in der Forschung tätig. Wie muss man sich das vorstellen?
An jeder unserer Zeckenwetterstationen befinden sich eine Reihe kleiner Parzellen, in denen wir das Verhalten lebender Zecken beobachten. Dabei sammeln wir nicht nur Daten über die aktuelle Zeckenaktivität, sondern gewinnen auch Erkenntnisse über längerfristige Zusammenhänge. Da wir die Zeckenaktivität 2 bis 3-mal pro Woche messen, produzieren unsere Stationen eine extrem hohe Datendichte, die wir für die Forschung nutzen.
Was plant tick-radar für die nähere Zukunft?
Wir stecken gerade mitten in der Vorbereitung für drei neue Zeckenwetterstationen in Bielefeld, Jena und Regensburg, die im Januar 2011 starten sollen. Damit wird es ab 2011 sechs Stationen für ganz Deutschland geben.
Regensburg liegt in einem vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet für FSME. Wie schützen sich die Mitarbeiter der Station?
Für all unsere Mitarbeiter ist eine FSME-Impfung Pflicht. Das gilt nicht nur für unsere Mitarbeiter in den Risikogebieten, sondern auch für alle, die an einer Zeckenwetterstation arbeiten. Zusätzlich versuchen wir uns mit Gummistiefeln und achtsamem Verhalten vor Zeckenstichen zu schützen. Unsere persönlichen Tricks und Tipps zum Thema Zeckenschutz und Zeckenentfernung stellen wir ebenfalls auf www.zeckenwetter.de zur Verfügung.
Gesund durch den Herbst – so machen Sie es richtig
Der Herbst lockt Natur- und Waldfreunde nach draußen: Zum Pilze sammeln, Drachen steigen lassen, Wandern und Spazieren. Aber auch für Zecken ist das herbstliche Klima ideal. Eine hohe Luftfeuchtigkeit und moderate Temperaturen sorgen dafür, dass sich die kleinen Plagegeister im Herbst besonders wohl fühlen.
Die Folge: Bei der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME gibt es in vielen Jahren im Herbst einen zweiten Erkrankungsgipfel. So wurden beispielsweise 2009 im September genau so viele Erkrankungsfälle registriert wie im Mai. Auch Oktober und November schlagen regelmäßig mit neuen Fällen zu Buche. Obwohl die Abkürzung FSME eigentlich für Frühsommer-Meningoenzephalitis steht, kann die Krankheit das ganze Jahr über vorkommen. Immer, wenn Zecken aktiv sind, können sie beim Blutsaugen FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien übertragen.
Erst bei einer Temperatur unter 7 Grad Celsius über mehrere Tage gehen Zecken nicht mehr auf die Suche nach einem Wirt. Prinzipiell können sie daher das ganze Jahr über aktiv sein – bei entsprechender Temperatur sogar im Winter.
Menschen, die das angenehme Herbstwetter gern für einen Aufenthalt in Wald und Wiesen nutzen, sollten daher den Zeckenschutz nicht vergessen. Auch beim Sammeln von Pilzen oder Kastanien ist Vorsicht geboten: Wer die öffentlichen Wege verlässt und direkt durch Wiesen und Unterholz wandert, kommt besonders leicht mit Zecken in Kontakt.
Das Tragen von langer Kleidung bietet allein keinen ausreichenden Schutz. Zecken beweisen auf der Suche nach einer geeigneten Einstichstelle viel Geduld und können längere Zeit auf der Kleidung herumkrabbeln. Wenn eines der Spinnentiere eine freie Hautstelle entdeckt und zugestochen hat, ist schnelles Handeln gefragt: Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Infektion mit Borreliose-Bakterien. Zecken lassen sich am besten mit einer spitzen Pinzette herausziehen oder mit einer Zeckenzange vorsichtig aus der Haut drehen.
Die von Viren in den Speicheldrüsen der Zecke ausgelöste Hirnhautentzündung FSME wird dagegen direkt nach dem Einstich übertragen. Rechtzeitiges Entfernen bietet hier keinen Schutz. Stattdessen empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut eine Impfung für alle, die sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können – sei es zu Hause oder im Urlaub.
Eine aktuelle Liste der entsprechenden Gebiete in Deutschland und Europa liefert die Seite www.zecken.de.
Neue Erkenntnisse: Was FSME-Viren im Körper anrichten
Was passiert eigentlich im Körper, wenn bei einem Zeckenstich FSME-Viren übertragen werden? Wie reagiert das Immunsystem? Und wie schaffen es die Viren, die menschliche Abwehr zu überlisten und in das zentrale Nervensystem zu gelangen? Diesen und anderen Fragen gehen Wissenschaftler um Bastian Dörrbecker von der Georg-August-Universität in Göttingen in einer aktuellen Untersuchung nach.
Sitz der FSME-Viren sind die Speicheldrüsen der Zecke. Sobald die Zecke einen geeigneten Wirt gefunden und zugestochen hat, gibt sie ihren Speichel in die Wunde ab – und damit auch die darin vorhandenen Viren.
Station 1: Die Haut
Die ersten menschlichen Zellen, mit denen das Virus in Kontakt kommt, sind Abwehrzellen der Haut. Diese erkennen den Eindringling mithilfe spezieller Rezeptoren und bilden spontan Abwehrstoffe mit antiviralen Eigenschaften. Die Gruppe der Flaviviren, zu der neben FSME-Viren auch die Erreger des Gelbfiebers gerechnet werden, haben gelernt, diese Barriere zu überwinden. Zusätzlich enthält der Speichel einer Zecke bestimmte Proteine, die darauf spezialisiert sind, die Immunabwehr zu beeinträchtigen, die Blutgerinnung zu unterdrücken und damit den Blutfluss aufrecht zu erhalten. Mit dieser Strategie kann die Zecke ungestört saugen – und gibt FSME-Viren unbewusst Hilfestellung.
Station 2: Die Lymphknoten
Die erste Immunreaktion des Körpers auf eindringende Viren ist damit gescheitert. Es handelt sich hierbei um eine schnelle, aber relativ unspezifische Reaktion. In einem zweiten Schritt versucht das Immunsystem, den Erreger gezielter zu bekämpfen. Das geschieht beispielsweise, indem sogenannte „Fresszellen“ das Virus aufnehmen und zerstören. Die Fresszellen wandern dann zu den Lymphknoten und präsentieren Teile des Virus den T- und B- Zellen des Immunsystems. Diese Zellen werden im menschlichen Knochenmark gebildet und sind in der Lage, körperfremde Stoffe zu erkennen und auf sie zu reagieren. B-Zellen bilden daraufhin spezifische Antikörper, um das Virus unschädlich zu machen.
Gleichzeitig nutzen FSME-Viren die Lymphknoten und die Zellen der menschlichen Abwehr, um sich in ihnen zu vermehren. Schafft es das Immunsystem nicht, das Virus zu beseitigen, kann es sich über das Blut im ganzen Körper verbreiten.
Ist das Immunsystem jedoch durch eine Vorbeugende Impfung vorbereitet, wird die Infektion schon an dieser Stelle wirkungsvoll durch die aktivierten Komponenten des Immunsystems gestoppt.
Ziel: Die Nervenzelle
Für eine FSME ist außerdem charakteristisch, dass die Viren einen speziellen Abwehrmechanismus des Körpers überwinden können: Die Blut-Hirn-Schranke. Das aus speziellen Zellen aufgebaute Schutzschild um das Gehirn sorgt normalerweise dafür, dass im Blut befindliche Erreger nicht in das Gehirn und das zentrale Nervensystem eindringen. Wird sie überwunden, kann es zu Hirnhautentzündungen, Gehirnentzündungen und zu einem Befall des Rückenmarks kommen. Ziel des FSME-Virus sind die menschlichen Nervenzellen, auch Neuronen genannt.
Eine FSME ist nicht ursächlich behandelbar. Zwar können Symptome wie Fieber und Schmerzen gelindert werden – aber es existiert kein Medikament, um das Virus unschädlich zu machen. Eine vorbeugende Impfung ist daher der einzig sichere Schutz gegen die FSME. Sie hilft dem Organismus, sich mit spezifischen Antikörpern auf das FSME-Virus vorzubereiten und es im Fall einer Infektion gezielt zu bekämpfen.
Quelle: Dörrbeker B, et al., Tick-borne encephalitis virus and the immunne response of the mammalian host, Travel medicine and Infectious Disease (2010)





