Informationsdienst zecken.de - Newsletter April 2008
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Europameister bei der FSME-Impfung: Österreich
Mit Kokosnuss gegen die Blutsauger
Kein Heimspiel für Zecken
Nur noch 33 Tage bis zum Anpfiff. Fans und Mannschaften fiebern der Fußball-Europameisterschaft entgegen, die vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und der Schweiz ausgetragen wird. Viele Zuschauer werden den Aufenthalt in den Alpenländern verlängern, um Urlaub zu machen und die Natur zu genießen. Dafür sollten sie sich rechtzeitig um einen ausreichenden Impfschutz kümmern.
In Österreich und der Schweiz besteht ein hohes Risiko, sich mit der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu infizieren. Diese Viruserkrankung kann nicht behandelt werden, Schutz bietet nur eine Impfung. Das österreichische Gesundheitsministerium und das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz raten deshalb allen Teilnehmern, sich vor der EM gegen FSME impfen zu lassen.
Schutz für die Teilnehmer der Fußball-EM
Auch der europäische Fußballverband UEFA hat allen Mannschaften zu einer "Zeckenschutzimpfung" mindestens zwei Monate vor Beginn der EURO 2008 geraten. Ob beim Grillen im Freien, beim Public Viewing auf der Wiese oder beim Waldlauf – für die Fußballfans besteht vor allem außerhalb der Stadien die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden.
Besonders vorsichtig sollten Besucher in Gebieten sein, in denen regelmäßig FSME-Fälle auftreten. Dazu gehören in der Schweiz die Kantone Aargau, Bern, Fribourg, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen. Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich. Die Zahl der FSME-Erkrankungen in der Schweiz hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Von 2000 bis 2004 gab es im Schnitt jährlich 99 FSME-Fälle. 2005 stieg die Zahl auf 206 Fälle, 2006 wurden sogar 246 Erkrankungen gemeldet. Im Jahr 2007 gab es 111 Fälle, was auf natürliche Schwankungen zurückzuführen ist.
In Österreich finden sich Hochrisikogebiete in den Flussniederungen vor allem entlang der Donau von Passau bis Linz (Oberösterreich), in der Wachau, St. Pölten und Wien bis zur slowakischen Grenze (Niederösterreich). Betroffen sind ferner Teile von Kärnten, der Steiermark und des Burgenlandes besonders entlang der slowenischen und ungarischen Grenze.
Noch genügend Zeit für die Impfung
Damit die Abwehr bei der EM in jeder Hinsicht steht, kann jetzt noch geimpft werden. Ein ausreichender Schutz gegen FSME besteht bereits nach zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Für eine vollständige Grundimmunisierung ist eine dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten notwendig. Für alle Kurzentschlossenen besteht in Ausnahmefällen auch die Möglichkeit einer Schnellimmunisierung durch zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen. Um einen dauerhaften Schutz zu erhalten, ist eine weitere Impfung nach fünf bis zwölf Monaten notwendig.
Erfahren Sie mehr:
FSME-Risikogebiete in der Schweiz
FSME-Risikogebiete in Österreich
Europameister bei der FSME-Impfung: Österreich
In keinem anderen europäischen Land sind so viele Einwohner gegen FSME geimpft wie in Österreich: Die Quote liegt bei rund 90 Prozent. Seit Beginn der Impfungen in den 1980er Jahren sind die jährlichen Erkrankungszahlen deutlich zurückgegangen. In den Jahren 2000 bis 2004 erkrankten im Durchschnitt 62 Personen pro Jahr an FSME während es von 1976 bis 1980 noch durchschnittlich 426 Personen jährlich waren. Im Jahr 2007 sank die Zahl auf 45 gemeldete FSME-Fälle.
Während die Österreicher selbst gut geschützt sind, sieht es bei den Touristen häufig ganz anders aus. Gerade einmal jeder fünfte sieht eine Zeckenschutzimpfung anlässlich eines Urlaubsaufenthaltes in Österreich als sehr wichtig an, so eine Umfrage des Fessel-GfK Instituts unter 480 deutschen Urlaubern. Dies liegt wohl auch daran, dass nur neun Prozent der Befragten das FSME-Risiko in Österreich für sehr hoch halten. 90 Prozent haben jedoch bereits von der Impfung gehört.
FSME-Risikogebiete in Österreich
Der Airbus der Zecken
Der Frühling lockt die Stadtbevölkerung auf die Balkone. Doch die vielen Tauben können das Vergnügen verderben, die „Ratten der Lüfte“ gelten als Plage. Und das nicht ohne Grund: Über den Taubenkot werden Krankheiten wie Salmonellen, Toxoplasmose oder die trotz des Namens auch für Menschen gefährliche Papageienkrankheit übertragen. Zudem dienen die Tiere blinden Passagieren als Transportmittel – den Taubenzecken.
Mehrere Blutmahlzeiten
Die Taubenzecke (Argas reflexus) ist die am häufigsten vorkommende Lederzeckenart in Deutschland. Sie benötigt im Laufe ihres Entwicklungszyklus mehrere Blutmahlzeiten, die sie vor allem bei Tauben und andere Vogelarten bekommt. Die Nahrungsaufnahme erfolgt hauptsächlich nachts, danach verlassen die Zecken den Wirt wieder und kehren zurück in ihr Versteck.
Taubenzecken leben überwiegend in Nistkästen in Hausnähe oder in Ritzen, Hohlräumen und Fugen in der näheren Umgebung von Brutstätten. Häufig sind sie auch auf den Dachböden von Häusern zu finden, in denen Tauben nisten oder genistet haben. Als blinder Passagier der Vögel können sich Taubenzecken jedoch auch verbreiten und beispielsweise auf einem Balkon von ihrem Wirt abfallen. Durch undichte Balkontüren und Risse im Mauerwerk gelangen sie in Wohnungen und können sich dort einquartieren.
Reaktionen beim Menschen
Nur wenn kein Vogel als Wirt zur Verfügung steht, saugen Taubenzecken an Menschen oder Haustieren Blut. Die Stiche können beim Menschen allergische Reaktionen auslösen. Die Symptome reichen dabei von relativ harmlosen lokal geröteten und geschwollenen Einstichstellen über eine nässende Hautentzündung (Urtikaria) bis zu schweren Reaktionen mit Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen oder anaphylaktischem Schock. Kurios: Die Taubenzecken sterben, nachdem sie Menschenblut aufgenommen haben, vermutlich weil sie dieses nicht verdauen können.
Mit Kokosnuss gegen die Blutsauger
Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen wie FSME, Lyme-Borreliose oder Fleckfieber. Um Stiche zu vermeiden, haben sich verschiedene Zeckenschutzmittel (sog. Repellents) bewährt. Labortests zeigen, dass diese besonders gut wirken, wenn sie Laurinsäure enthalten, die u.a. im Fett der Kokosnuss vorkommt.
Entdeckt wurde die abschreckende Wirkung von Laurinsäure auf heimische Zecken von Prof. Dr. Monika Hilker, Dr. Olaf Kahl und Dr. Hans Dautel aus der Arbeitsgruppe Angewandte Zoologie/Ökologie der Tiere an der FU Berlin. In einer weiteren Untersuchung wurden in Zusammenarbeit mit einem Arzneimittelhersteller sieben verschiedene zehnprozentige Laurinsäure-Lösungen auf ihre Wirksamkeit gegen Nymphen des Holzbocks (Ixodes ricinus) getestet. Lediglich der Anteil der inaktiven Substanzen und Geruchsstoffe in den Lösungen unterschied sich.
Laboruntersuchung zur Wirksamkeit
Die Nymphen wurden auf einem Glasstab abgesetzt, dessen Spitze 1,1 mm von einer warmen, sich drehenden Trommel entfernt war. Für die Zecken wirkt diese wie ein vorbeiziehender Wirt. Mit Hilfe des „Moving-Object-Bioassay“ konnte gezeigt werden, dass alle Lösungen mit Laurinsäure die Nymphen abstießen. Zwischen 81 und 100 Prozent der Tiere mieden die mit der Lösung behandelte Oberfläche der Trommel.
Bei Menschen bestand mit der Lösung, die im Test die beste Wirksamkeit gezeigt hatte, mindestens sechs Stunden Schutz vor Zecken. Bei sechs Freiwilligen wurde die Laurinsäure-Lösung auf eine markierte Hautfläche aufgetragen, für Vergleichstests blieb sie unbehandelt. 63 bis 83 Prozent der Nymphen und 75 bis 88 Prozent der adulten Zecken wurden im Laborversuch durch das Mittel abgestoßen, d.h. sie bewegten sich nicht in die Fläche, auf der die Lösung aufgetragen war, oder ließen sich zu Boden fallen. Damit zeigt Laurinsäure eine vergleichbare Wirkung bei deutlich geringerer Konzentration als andere Mittel und ist deutlich länger wirksam.


