Newsletter Februar 2007
Die Texte/Bilder können für journalistische Zwecke kostenfrei übernommen werden.
- Robert-Koch-Institut: Rekordzahl an Zeckeninfektionen 2006
- Beweis I: FSME-Zecke sticht im Januar
- Beweis II: Zecken können auch im Winter aktiv sein!
- Ein Baby – jüngstes FSME-Opfer 2006
- Polizisten ohne Schutz
- Tipp: Die Angst vor der Impf-Spritze nehmen
Robert-Koch-Institut: Rekordzahl an Zeckeninfektionen 2006
War schon im Jahr 2005 die Zahl an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankten Menschen massiv angestiegen, so meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2006 erneut eine Rekordfallzahl: 540. Das sind 109 Fälle mehr als im Vorjahr.
Noch extremer ist die Steigerung, wenn man sich die gemeldeten Fallzahlen von 2004 vor Augen führt. Da waren es lediglich 272 FSME-Fälle. Innerhalb von zwei Jahren liegt eine Steigerung von über 98 Prozent vor. Eine Infektion mit FSME kann zu schweren Lähmungen und sogar zum Tod führen. Die FSME-Viren können eine Hirnhautentzündung oder Hirnentzündung auslösen.
Seit 2001 sind die Ärzte und Labore in Deutschland verpflichtet, alle FSME-Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut (RKI) zu melden.
Mehr Zecken, mehr FSME-Fälle
Es gibt viele Gründe, warum die Zahl der FSME-Fälle in Deutschland ansteigt.
So hat die Zahl der Nager, wie etwa die Wühlmäuse, stark zugenommen. Diese Kleintiere sind für junge Zecken (Larve und Nymphen) Wirte, an Blut saugen und sich zur ausgewachsenen Zecke entwickeln.
Durch die wärmeren Winter in Deutschland gibt es mehr Zecken, die sich immer mehr in Deutschland ausbreiten.
Durch den Klimawandel wird voraussichtlich die Zahl der FSME-Riskogebiete in Deutschland weiter ansteigen. Schon im Jahr 2006 erhöhte das RKI die Zahl der Risikogebiete um sechs weitere auf 96 insgesamt. Nach Angaben des Friedrich-Löffler-Institut, dem Referenzlabor für durch Zecken übertragene Erkrankungen, lag die Zahl der Risikogebiete 1998 noch bei 63. Ein Landkreis wird zu einem Risikogebiet erklärt, wenn über einen Zeitraum von fünf Jahren mindestens fünf oder in einem Jahr mindestens zwei FSME-Erkrankungen aufgetreten sind.
Auch das veränderte Freizeitverhalten der Deutschen erhöht die Gefahr eines Zeckenstichs und einer möglichen Infektion. Nordic Walking, Mountainbike fahren und Wandern finden großen Zuspruch – alles Tätigkeiten, die in der Natur ausgeübt werden. Zu guter Letzt trägt auch eine verbesserte Diagnostik in der Medizin dazu bei, dass mehr Fälle erkannt werden.

- Zecken lassen sich von einem Grashalm abstreifen.
Impfen als Schutz
Da es bislang noch keine Behandlungsmöglichkeit bei einer FSME-Erkrankung gibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die vorbeugende Impfung, die zudem als sehr gut verträglich gilt. Impfen lassen sollten sich diejenigen Personen, die in Risikogebieten wohnen oder arbeiten und dabei dem Risiko eines Zeckenstichs ausgesetzt sind sowie Menschen, die in solche Gebiete reisen. Die Kosten für eine FSME-Impfung werden von den meisten Krankenkassen übernommen.
Beweis I: FSME-Zecke sticht im Januar
Der milde Winter hat die Zecken vom Winterschlaf abgehalten. Schon gibt es den ersten Fall der gefährlichen Krankheit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) im neuen Jahr.
Eine Person wurde Anfang Januar im Landkreis Roth bei Nürnberg von einer Zecke gestochen und erkrankte an FSME, wie Dr. Wolfgang Hautmann vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bestätigte.
Die Gefahr eines Zeckenstiches droht nicht nur im Frühsommer, wie es der Name der Krankheit FSME suggeriert. Ist das Klima mild, wie in diesem Winter, sind die Zecken auch außerhalb ihrer „Saison“ aktiv.
Zwei weitere FSME-Fälle im Dezember 2006 belegen dies. In Baden-Württemberg erkrankte im Landkreis Göppingen und Ludwigsburg jeweils eine Person. Dies bestätigte Professor Peter Kimmig vom Landesgesundheitsamt Stuttgart.
Beweis II: Zecken können auch im Winter aktiv sein!
Normalerweise beginnt die Zeckensaison in Mitteleuropa Ende Februar/März und endet im Oktober/Anfang November. Bei extrem mildem Winterwetter trifft das allerdings nicht zu, wie Berliner Wissenschaftler erstmals nachwiesen.
Der Biologe Dr. Hans Dautel und das Team von Insect Services hatten im September 2006 an einem Waldstandort in der Nähe vom Berliner Wannsee einen Feldversuch mit dem Gemeinen Holzbock, die häufigste vorkommende Zeckenart in Deutschland, gestartet. Auf vier Parzellen setzten sie 204 Nymphen und 196 erwachsene Zecken aus. Die Parzellen waren mit einer etwa 10 cm hohen Laubschicht bedeckt, um den Zecken an diesem feuchten Zufluchtsort ein langes Überleben und das Überwintern zu ermöglichen. Jede Parzelle wurde mit 48 senkrecht stehenden Holzstäben ausgestattet. „Aktive Zecken klettern Grashalme oder andere bodennahe exponierte Plätze hoch und lauern dort auf vorbeistreifende Wirte“, erklärt Dr. Dautel. „Sind unsere Zecken aktiv, klettern sie einen Stab hoch.
„Wir fanden aktive Zecken“
Angesichts des durchgehend überaus milden Wetter im Herbst und Winter in diesem Jahr stellte sich die Frage, ob die Zecken auch unter diesen Bedingungen ihre sonst übliche Winterruhe von November an einhalten. Im Frühjahr werden Nymphen und erwachsene Gemeine Holzböcke oberhalb von 6–7 °C aktiv. „Wir inspizierten die Parzellen von November bis Januar regelmäßig auf aktive Zecken und fanden stets Zecken auf den Stäben“, berichtet Dr. Dautel. Um diese Befunde zu überprüfen, suchte der Wissenschaftler mit dem Berliner Zeckenexperten Dr. Olaf Kahl am 15. Januar in einem nahe gelegenen Waldstandort nach Zecken. „Wir fingen an diesem milden Wintertag zu zweit innerhalb einer Stunde sage und schreibe 88 Nymphen und 7 erwachsene Zecken“, merkt Dr. Dautel an.
Dies ist der erste Beweis für Mitteleuropa, dass Zecken während einer milden Winterzeit aktiv sein können. Wer nun bei mildem Winter durch Wald und Wiesen streift, sollte sich bewusst sein – ein Zeckenstich ist auch in dieser Jahreszeit nicht mehr ausgeschlossen.
Ein Baby – jüngstes FSME-Opfer 2006
Ein Baby aus dem Ort Kronach im Fränkischen war 2006 das jüngste Opfer der von Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Der Säugling schlummerte auf der Terrasse des Elternhauses, als er von einer Zecke angefallen und gestochen wurde.
Die Eltern fanden die Zecke am Körper des Kindes. Die Zecke wurde im Krankenhaus entfernt. Zehn Tage später erkrankte das Kind. Da sich Eltern und Ärzte an den Zeckenstich erinnerten, brachte man das Baby in die Kinderklinik von Coburg.
Die Ärzte testeten auf FSME und fanden den Verdacht bestätigt. Zum großen Glück war der Verlauf der FSME schwächerer Natur. Das Kind wird keine Folgeschäden davontragen.
Bei dem Ausbruch von FSME, die eine Hirnhautentzündung auslösen kann und zu Lähmungen führt, gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Es gibt nur einen Schutz: die Impfung.
Das Gesundheitsamt von Kronach, das den Fall registrierte, sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass Zecken immer mehr in den städtischen Raum vordringen. „All die letzten FSME-Fälle in unserem Landkreis waren Städter“, sagt Amtsleiter Dr. Friedrich Curio. „Früher waren es der Jogger im Wald oder der Waldarbeiter. Heute trifft es den Hobbygärtner und den Laubenbesitzer.“ Das Gesundheitsamt empfiehlt eine Imfpfung gegen FSME.
Polizisten ohne Schutz
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Brandenburg fordert seit geraumer Zeit für alle Polizisten, die draußen zum Einsatz kommen, eine Schutzimpfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Diese Krankheit kann von Zecken übertragen werden. Das Innenministerium Brandenburg bietet nur Polizisten, die in zeckengefährdeten Gebieten zum Einsatz kommen, eine solche Schutzimpfung an.
Da es in Brandenburg kein vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenes FSME-Risikogebiet gibt, sieht das Innenministerium für die Brandenburger Polizisten keine Gefahr der Infektion. Brandenburgs Polizeigewerkschafter Andreas Schuster will die Forderung aber aufrecht erhalten: „Wir hatten etliche Nachfragen von Kollegen zum Zeckenschutz“.
FSME-Fälle auch in Brandenburg
Unbegründet ist diese Forderung in Brandenburg nicht. Auch wenn es keine ausgewiesene FSME-Risikogebiete gibt, ist die Gefahr einer FSME-Infektion durch Zecken gegeben. im Jahr 2006 wurden zwei FSME-Fälle registriert, jeweils einer im Landkreis Dahme-Spreewald sowie Oder-Spree.
Tipp: Die Angst vor der Impf-Spritze nehmen
Jede Mutter und jeder Kinderarzt kennt die Situation: Das Kind soll eine Spritze bekommen. Doch das Kind quengelt und weint. Die Angst vor der Spritze ist groß.
Ein Tipp, wie man Kinder die Angst vor dem Piks beim Impfen nehmen kann, kommt nun aus den Vereinigten Staaten. Wie die Ärztezeitung jüngst berichtete, rät der Kinderarzt Dr. Seth Toback aus Pittsburgh zu folgender Vorgehensweise:
- Lassen Sie die Kinder am Alkohol-Tupfer zur Desinfektion der Impfstelle riechen
- Sagen Sie dem Kind, dass auf dem Tupfer eine Superlösung ist, die die Haut kühlt, so dass der Einstich nicht mehr weh tut.
Der kühlende Effekt des Alkohols im Tupfer in Verbindung mit der Suggestion nähme dem Kind die Angst.



