Informationsdienst zecken.de – Newsletter Juli 2008
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Mit natürlichen Feinden gegen Zecken
Zecken stillen ihren Durst mit Wasserdampf
Gut geschützt in den Urlaub
Chinaseuche: Gefahr für Kaninchen
Mit natürlichen Feinden gegen Zecken
Zecken sind raffinierte Jäger. Klein, schnell und ausdauernd. Und sie übertragen gefährliche Krankheiten wie FSME oder Borreliose. Gegen FSME kann man sich impfen lassen, gegen Borreliose gibt es in Europa noch keinen zugelassenen Impfstoff. Umso wichtiger ist es, einen Weg zu finden, um Zecken als Überträger der Krankheiten zu bekämpfen.
Seit fast drei Jahren forscht Prof. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim an einer Lösung. Unterstützt von ihrem Team, das aus Mitarbeitern der Universität und des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg besteht, untersucht sie natürliche Feinde der Zecke.
Mittlerweile sind die Forscher auf drei natürliche Zeckenfeinde gestoßen, die in Stuttgart und Umgebung heimisch sind. Dies ist wichtig, da keine fremden Organismen importiert werden sollen. Das Risiko wäre zu groß, dadurch unvorhersehbare Schäden im Ökosystem zu verursachen.

- Die Pilze überwuchern die Zecken von innen
Natürliche Feinde im Einsatz
Ein fliegender Feind der Zecke ist die Erzwespe Ixodiphagus hookeri, die ihre Eier in den Hinterleib der Zecke legt. Die kleinen Wespen wachsen im Körper der Zecke heran und befreien sich, indem sie ein Loch durch den Hinterleib der Zecke bohren, die daran stirbt. Jedoch wissen die Wissenschaftler noch zu wenig über die Biologie der Erzwespe und die Bedingungen, welche für eine Eiablage gegeben sein müssen.
Das Forscherteam bevorzugt die Pilzart Metarhizium anisopliae sowie den Fadenwurm Steinernema carpocapsae. Beide haben im Laborversuch die Zeckenpopulation deutlich reduziert. Die Pilze dringen über die Atemwege in die Zecke ein und überwuchern sie von innen. Die Würmer hingegen wirken indirekt: Beim Eindringen in die Zecke werden Bakterien freigesetzt, welche die Zecke töten. Die Wirksamkeit der natürlichen Feinde hängt vom Entwicklungsstadium der Zecke ab: Nymphen sind besonders anfällig für Pilze, adulte Zecken fallen häufiger den Fadenwürmern zum Opfer. Im Scheunen-Versuch, der natürliche aber kontrollierte Bedingungen simuliert, haben die Würmer die Hälfte aller Zecken getötet, die Pilze immerhin ein Fünftel.
Noch viele offene Fragen
Von den Pilzen gibt es mittlerweile Isolate zum Sprühen. Bis diese jedoch zum Einsatz kommen, können noch Jahre vergehen. „Haben wir eine Frage geklärt, tauchen zehn neue auf“, erklärt Prof. Ute Mackenstedt. Noch untersucht werden muss, in welcher Menge der Pilz ausgebracht werden kann, ohne dass in der Natur Schaden angerichtet wird. „Es ist wie bei Medikamenten: Eine Überdosierung kann schädlich sein“, sagt die Parasitologin von der Universität Hohenheim. Auch auf die Fragen, welchen Einfluss das Wetter auf die Kulturen hat, wie die Pilze auf andere Organismen wirken oder ob sie wichtige Bodenmilben zerstören, müssen die Forscher noch Antworten finden.
Zecken stillen ihren Durst mit Wasserdampf
Zur Nahrungsaufnahme und um ihren Flüssigkeitshaushalt auszugleichen, saugen Zecken mit ihrem Stechrüssel (Hypostom) Blut. Doch oft liegt zwischen zwei Blutmahlzeiten viel Zeit. Zwar kann die Zecke bis zu zehn Jahre hungern und dazu ihren Stoffwechsel auf das Nötigste reduzieren. Ihren Wasserbedarf muss sie jedoch ständig decken.
Um nicht zu verdursten, nutzt die Zecke eine spezielle Technik. Sie produziert einen Speichel, der Wasser anziehend wirkt (hygroskopisch). So kann sie Wasserdampf aus der Umgebungsluft aufnehmen. Dazu muss die relative Luftfeuchtigkeit mindestens 80 Prozent betragen.
Speichel ist nicht gleich Speichel
Bei der nächsten Blutmahlzeit nimmt die Zecke Flüssigkeit wieder über die Nahrung auf. Je nach Menge des zuvor durch Wasserdampf gewonnenen Vorrats übersättigt sie allerdings beim Saugen ihren Wasserhaushalt. Dann produziert sie eine weitere Art Speichel und spuckt überschüssige Flüssigkeit in die Stichwunde zurück. In diesem Speichel können nicht nur unverdauliche Nahrungsreste vorkommen. Hat die Zecke beim Blutsaugen an einem früheren Wirt Viren, Bakterien oder Parasiten aufgenommen, haben sich die Krankheitserreger in ihr möglicherweise vermehrt.
Übertragung von Krankheitserregern
Das FSME-Virus findet sich bei einem infizierten Tier im Speichel. Sobald die Zecke ein neues Opfer sticht und zu saugen beginnt, werden die Viren übertragen. Besonders tückisch daran: Zeckenstiche spürt man nicht, da die kleinen Blutsauger ein Betäubungsmittel abgeben, das die Einstichstelle betäubt. Selbst wenn eine Zecke schnell entdeckt und entfernt wird, besteht deshalb die Gefahr, sich mit FSME zu infizieren. Schutz davor bietet lediglich eine Impfung.
Je länger die Zecke saugt, desto größer wird auch das Risiko einer Infektion mit Borrelien. Diese Bakterien leben im Darm der Zecken und gehen über den Speichel in das Blut des Opfers über. Früh erkannt, lässt sich Borreliose gut mit Antibiotika bekämpfen, später auftretende und chronische Symptome sind hingegen schwierig zu behandeln.
Gut geschützt in den Urlaub
Um ihre Gesundheit rundum zu schützen, sollten sich Urlauber bevor die Reise losgeht darüber informieren, welche Impfungen für das jeweilige Land empfohlen werden. In vielen Ländern und Regionen tragen Zecken das FSME-Virus in sich, so z.B. in Tschechien, Schweden oder der Schweiz. Wer dort Urlaub macht und sich in der Natur aufhält, sollte sich vorsorglich impfen lassen.
Viele FSME-Fälle in Osteuropa
Die größte Gefahr, sich mit FSME zu infizieren, besteht für Urlauber in Russland, Litauen, Lettland und Estland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der internationalen Forschungsgruppe für FSME im European Network for Diagnostics of „Imported“ Viral Diseases (ENIVD), die die Situation in 22 Ländern untersuchte. In Lettland traten 2007 beispielsweise pro 100.000 Einwohner 10,4 FSME-Fälle auf, 2004 waren es sogar 13,5 Fälle. Auch in Deutschland, der Tschechischen Republik, Polen, Schweiz, Schweden, Finnland, Slowakei, Ungarn und Slowenien infizieren sich jedes Jahr Menschen mit dem gefährlichen Virus.
Eine Sonderrolle nimmt Österreich ein. Hier gibt es zwar sehr viele Risikogebiete, die Zahl der FSME-Fälle nimmt durch die hohe Impfrate seit 1981 jedoch kontinuierlich ab. So traten im Jahr 2007 lediglich 0,6 Fälle pro 100.000 Einwohner auf. Insbesondere für ungeimpfte Touristen ist die Gefahr einer Infektion aber weiterhin hoch. Auch aus Frankreich, Italien, Norwegen und Dänemark sind FSME-Fälle bekannt. Selbst wer kurz entschlossen in eines dieser Risikogebiete fährt, kann durch eine Schnellimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen noch einen ausreichenden Schutz aufbauen.
Empfehlungen für FSME-Impfung gefordert
Insgesamt infizieren sich in Europa jedes Jahr etwa 3.000 Menschen mit FSME, in Russland sind es bis zu 10.000. Die durch Flaviviren hervorgerufene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist damit eine der häufigsten Ursachen für Erkrankungen des zentralen Nervensystems in diesen Ländern.
Patienten mit FSME-Erkrankungen müssen häufig im Krankenhaus intensivmedizinisch betreut werden und leiden unter lang anhaltenden oder bleibenden neuropsychologischen Schäden. Die ENIVD-Wissenschaftler fordern deshalb, dass die zuständigen Stellen in den jeweiligen Staaten eine FSME-Impfung für alle Bewohner und Reisende in Risikogebiete empfehlen. Die Kosten dafür sollten von den Krankenkassen erstattet werden.
Zudem weisen sie auf ein Problem bei der Definition von Risikogebieten hin: Die bisherigen Indikatoren beruhen überwiegend auf der Zahl der FSME-Fälle, die jährlich auftreten. Die Forscher vermuten jedoch, dass diese Zahl in Zukunft aufgrund einer höheren Impfrate sinken wird. Sie raten deshalb zu neuen Indikatoren wie Prävalenzstudien bei Zecken, die zeigen, wie viele der Tiere das FSME-Virus in sich tragen.
Erfahren Sie mehr: Risikogebiete in Europa
Chinaseuche: Gefahr für Kaninchen
Alle drei bis vier Jahre bricht in Deutschland die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) bei Kaninchen aus, die für 80 bis 100 Prozent der Tiere tödlich endet. Übertragen wird das Virus unter anderem durch Zecken. Eine Impfung kann die Tiere davor schützen.
Übertragung durch Blutsauger
Das auch als Chinaseuche bekannte Virus wird vor allem durch Blut saugende Insekten übertragen. So sind beispielsweise die Stechmücke oder der Kaninchenfloh für seine Verbreitung verantwortlich. Doch auch die Zecke überträgt mit wachsender Population zunehmend diese Krankheit. Besonders Tiere, die draußen gehalten werden, sind gefährdet. Sie hoppeln in hohem Gebüsch und Gräsern herum, wo Zecken auf geeignete Wirte warten.
Aber auch Kaninchen, die in der Wohnung gehalten werden, können von Zecken gestochen werden. Zecken können beispielsweise über frisch gesammeltes Grünfutter in den Käfig gelangen und nach einem Stich eine RHD-Infektion auslösen. Menschen und andere Lebewesen können die Krankheit ebenfalls durch Tröpfcheninfektion übertragen.
Auch wenn andere Tiere oder Menschen die Krankheit verbreiten, besteht für sie kein Risiko: Gefährlich ist das Virus nur für Kaninchen und Hasen. Das Virus stört die Blutgerinnung der Tiere, wodurch es zu Blutungen in das Gewebe kommt. RHD ist nicht heilbar und kann immer wieder auftreten, da Kaninchen auch nach überstandener Infektion nicht immun dagegen sind. Geschützt sind Kaninchen nur wenn sie, wie vom Tierarzt empfohlen, jährlich geimpft werden.
Drei Verlaufsformen der Krankheit
Der Ansteckungszeitraum für RHD beträgt ein bis drei Tage, danach gibt es drei mögliche Verlaufsformen der Infektion. Die akute Verlaufsform äußert sich in Atemnot, Unruhe, Nahrungsverweigerung und blutigem Durchfall. Meist ersticken die Tiere nach zwei bis drei Tagen. Die perakute Form verläuft sehr schnell. Das Kaninchen zeigt keine Krankheitsanzeichen, bis es plötzlich zusammenbricht, aus der Nase blutet und innerhalb weniger Stunden stirbt. Die dritte Verlaufsmöglichkeit bleibt oft unbemerkt, denn nach wenigen Tagen mit Symptomen wie Durchfall oder allgemeinem Unwohlsein erholt sich das Kaninchen wieder.


