FSME-Gefahr in Deutschland weiter gestiegen

Die Zahl der Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hat in Deutschland 2008 weiter zugenommen. Die neuesten Karten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen Risikogebiete in bundesweit 132 Stadt- und Landkreisen. Neu hinzugekommen sind 2008 der Landkreis Rhönfeld-Grabfeld in Bayern sowie die Region Göppingen und der Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Somit ist ganz Baden-Württemberg ein zusammenhängendes Risikogebiet, lediglich der Landkreis Heidenheim ist bislang ausgenommen. Alle neu hinzugekommenen Landkreise grenzen an bereits bestehende Risikogebiete an.

Erfahren Sie mehr: Risikogebiete in Deutschland (Landkreiskarte)

132 Landkreise mit erhöhter Infektionsgefahr

Die FSME-Risikogebiete in den an Baden-Württemberg und Bayern angrenzenden Bundesländern Hessen und Thüringen sind beständig. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz ist der Landkreis Birkenfeld nach wie vor das einzige Risikogebiet. Zwar grenzen fünf rheinland-pfälzische Landkreise an Risikogebiete in Hessen oder Baden-Württemberg an, sie sind aber durch den Rhein von diesen getrennt. Nach Meinung der RKI-Experten bildet dieser eine natürliche Grenze. Weitere Landkreise mit vereinzelt auftretenden FSME-Erkrankungen finden sich in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Letztere erfüllen jedoch nicht die Definition des RKI für ein FSME-Risikogebiet.

Für die aktuelle Definition der Risikogebiete greift das RKI auf eine Datenbasis mit allen zwischen 2002 und 2007 gemeldeten FSME-Fällen zurück. Als Risikogebiet gilt ein Landkreis wenn in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als eine FSME-Erkrankung pro 100.000 Einwohner dort oder in den an die Region angrenzenden Landkreisen aufgetreten ist. Der Infizierte muss dabei nachweislich in diesem Landkreis von einer Zecke gestochen worden sein.

Impfung für zeckenexponierte Personen

Da FSME nicht behandelbar ist, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine FSME-Impfung für die Einwohner dieser Gebiete sowie für Berufsgruppen wie Förster, in der Landwirtschaft Tätige oder Laborpersonal. Die Krankenkassen tragen die Kosten für zeckenexponierte Personen in den definierten Risikogebieten. In Baden-Württemberg wird die Impfung gegen FSME ohne geografische Einschränkung durch die zuständige Landesbehörde empfohlen.

Im Jahr 2007 gab es in Deutschland insgesamt 238 Fälle von FSME-Erkrankungen. Über 50 Prozent davon traten in Bayern auf, weitere 40 Prozent in Baden-Württemberg. Betroffen waren zudem Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr mit 546 gemeldeten Erkrankungen stark gesunken. Eine Erklärung dafür könnten der kühlere Sommer und damit ein geringeres Expositionsrisiko sowie die steigenden Impfquoten in den Risikogebieten sein. Eine sichere Erklärung für dieses Phänomen wird zur Zeit unter den Experten intensiv diskutiert.

 

 

Stiftung Warentest: Anti-Zecken-Mittel garantieren keinen Schutz vor Zeckenstichen

12 von 20 Anti-Zecken-Mitteln sind mangelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die in der Ausgabe 5/2008 veröffentlicht wurde. Nur sechs der getesteten Mittel erhielten das Testurteil befriedigend, zwei waren ausreichend.

Große Abweichungen in der Wirkdauer

Wichtigstes Testkriterium war, ob eine Zecke eine mindestens fünf Zentimeter lange Strecke auf der Haut zurücklegen konnte, die mit dem Mittel behandelt wurde, ohne sich fallen zu lassen, und wie lange die Wirkung anhielt. Der von den Herstellern versprochene Schutz von bis zu acht Stunden wurde deutlich unterschritten. Im schlechtesten Fall wirkte das Mittel nur wenige Minuten, die besten Produkte zeigten eine Wirkdauer von drei Stunden.

Weitere Kriterien neben der Wirksamkeit gegen Zecken waren die gesundheitlichen Risiken der Wirkstoffe, die Geruchsbelästigung, die Anwendung und das Gefühl auf der Haut. Geprüft wurde auch, ob die Mittel Textilien verfärben oder bleichen und ob die Deklaration korrekt ist. Dabei zeigte sich, dass fünf der 20 getesteten Sprays und Lotionen überhaupt nicht verkauft werden dürften, da ihnen die Zulassung als Biozid-Produkt durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fehlt. Biozide sind Substanzen, die Organismen vernichten, weshalb Einsatzbereich, Dosierung und Schutzmaßnahmen für alle Anwender schon auf der Verpackung klar erkennbar sein müssen.

Das Testergebnis der Stiftung Warentest zeigt, dass Repellentien allein keinen ausreichenden Schutz vor Zeckenstichen bieten. Deshalb sollten beim Aufenthalt in Risikogebieten weitere Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Der Aufenthalt im hohen Gras oder Unterholz sollte vermieden und möglichst helle geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen sowie festes Schuhwerk getragen werden. Zu Hause sollte die Haut nach Zecken abgesucht werden. Das schnelle Entfernen einer Zecke minimiert das Übertragungsrisiko von Krankheiten wie der Borreliose erheblich. Einziger Schutz vor einer Infektion mit dem FSME-Virus ist jedoch eine Impfung.

 

 

Die Zecke sticht ihre Opfer

163.000 zu 35.900 – dieses Ergebnis erhält man bei einem Vergleich der Google-Suchanfragen zu den Begriffen Zeckenbiss und Zeckenstich. Auch wenn die Mehrheit der Einträge etwas anderes besagt, ist das Ergebnis aus wissenschaftlicher Sicht eindeutig: Die Zecke beißt nicht, sondern sie sticht.

Zecken besitzen einen Stechrüssel (Hypostom), durch den sie Blut saugen, und scherenartige Mundwerkzeuge (Cheliceren). Mit diesen reißen sie die Haut des Wirtes auf wenn sie eine geeignete Einstichstelle gefunden haben und graben dann mit ihrem Stechrüssel eine Grube in das Gewebe. Dort sammeln sich Blut, Lymphe und Gewebebrei. Spezielle Substanzen im Zeckenspeichel verhindern die Gerinnung dieses Gemischs, das die Zecke über mehrere Tage hinweg nach und nach aufsaugt.

 

Die Zecke gräbt sich in die Haut des Wirtes.

 

Betäubungsmittel für die Einstichstelle

Ein Zeckenstich wird meist nicht sofort bemerkt. Dies liegt daran, dass die Zecke während des Stechens mit ihrem Speichel ein Betäubungsmittel absondert, so dass das Opfer den Einstich nicht spürt. Der Speichel der Zecke enthält außerdem Stoffe, die verhindern, dass das Blut gerinnt oder die Einstichstelle sich entzündet.

Um das eingesogene Gemisch von der Einstichstelle verdauen zu können, filtert die Zecke die für sie nahrhaften festen Bestandteile des Blutes heraus. Überschüssige Flüssigkeit gibt sie über den Stechapparat wieder an den Wirt zurück. Dabei besteht die Gefahr, dass die Zecke über ihren Speichel Krankheitserreger an den Wirt übertragt wie FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien. Zecken sollten deshalb schnellstmöglich entfernt werden.

Zecken schnell entfernen

Damit das nicht zu einfach ist, gibt es einige Besonderheiten in der Anatomie der Zecke. Zum einen verankert sie sich über Widerhaken an ihrem Stechapparat fest im Stichkanal. Zum anderen produziert sie eine Art Klebstoff, den sog. Zeckenzement, mit dem sie sich an der Haut des Wirts anhaftet. Von diesem Zeckenzement hat die Familie der Schildzecken (Ixodidae) auch ihren Namen – die Römer bereiteten aus der Mistel (Ixos) einen Klebstoff zu.

Zecken werden am besten vorsichtig mit einer feinen Pinzette entfernt. Dazu setzt man dicht über der Haut an und zieht die Zecke vorsichtig heraus. Da der Stechapparat einer Zecke Widerhaken aber kein Gewinde besitzt, muss die Zecke entgegen der weit verbreiteten Meinung beim Entfernen weder nach rechts noch nach links gedreht werden. Anschließend sollte die Stichstelle gereinigt und desinfiziert werden. Ein Irrtum ist es übrigens auch, dass eine Zecke vor dem Entfernen mit Klebstoff oder Öl beträufelt werden sollte. Die Zecke erstickt dadurch und kann im Todeskampf erst Recht Viren und Bakterien in das Blut abgeben.

 

 

Sonderausstellung über Zecken im Tiergarten Nürnberg

Zecken fallen nicht von Bäumen und können nach einer Blutmahlzeit 200 Mal so viel wiegen als zuvor. Dieses und noch mehr Wissenswertes über das Leben der Zecken erfahren Besucher in einer Sonderausstellung im Tiergarten Nürnberg in Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg. Vom 8. Mai bis 29. Juni 2008 können sie sich im Foyer des Naturkundehauses unter anderem Zeckenmodelle ansehen oder durch ein Mikroskop einen genaueren Blick auf die winzigen Blutsauger werfen. Zudem informiert die Ausstellung über die Bedeutung von Zecken als Krankheitsüberträger.

Die Ausstellung erklärt beispielsweise, wo und wie die Zecke lebt, warum sie Blut saugt, was ein FSME-Risikogebiet oder Borreliose ist. Im Zeckenkino erwartet die Besucher ein spannender Kurzfilm zum „Lebenszyklus einer Zecke“. Kinder können in einem Quiz am Ende der Ausstellung testen, wie viel sie über die kleinen Blutsauger wissen. Und wer noch mehr über Zecken erfahren will, kann als Schulklasse oder Gruppe nach Voranmeldung an einer Führung teilnehmen.

Anschließend können die Besucher noch einen Blick auf die kleine Eisbärin Flocke werfen. Sorgen machen muss sich dabei niemand: Es gibt keine Berichte darüber, dass schon einmal ein Eisbär von einer Zecke gestochen wurde. Schildzecken kommen zwar weltweit vor, nicht jedoch in der Arktis und Antarktis.

 

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