Nur zwölf Prozent der Deutschen gegen FSME geimpft.

Aktuelle Studie zum FSME-Schutz liegt vor

Die Zecken sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Zecke kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch das gleichnamige Virus auf den Menschen übertragen. Immer mehr Landkreise werden in Deutschland vom Robert-Koch-Institut zu FSME-Risikogebieten erklärt. Eine Infektion mit FSME kann zu schweren Lähmungen und sogar zum Tod führen. Der einzige wirkungsvolle Schutz dagegen ist eine Impfung.

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Doch bisher sind nur zwölf Prozent der Deutschen gegen FSME geimpft. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GFK). In der Studie wurden die sogenannten Durchimpfungsraten bis auf die Ebenen der Landkreise erhoben. Im Vergleich zu einer Befragung zum Impfschutz aus dem Jahr 2005 ist die Impfrate bundesweit um vier Prozent gestiegen.

(Sie können diese Grafik in drucktauglicher Form hier herunterladen. Die Nutzung ist kostenlos.)


FSME-Impfrate steigt leicht

In den am stärksten von FSME betroffenen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern haben jeweils 19,5 beziehungsweise 25 Prozent der Menschen einen vollständigen Impfschutz. Im Nachbarland Österreich liegt die Durchimpfungsrate bei über 80 Prozent. Im Bundesland Thüringen sind 15 Prozent geschützt, in Hessen zwölf Prozent und in Rheinland-Pfalz zehn Prozent.
Ein vollständiger Impfschutz verlangt eine abgeschlossene Grundimmunisierung aus insgesamt drei Impfungen.

Die Impfrate variiert von Landkreis zu Landkreis stark. So liegt beispielsweise im südbayrischen Landkreis Altötting die Durchimpfungsrate bei 60 Prozent, während die Rate des Landkreises Miltenberg südlich von Aschaffenburg bei 11,3 Prozent liegt. Beide Landkreise sind ausgewiesene FSME-Risikogebiete.

Kein vollständiger Impfschutz

Eine weiteres Ergebnis der Befragung: Neun Prozent der Deutschen hatten zwar mit dem FSME-Impfschutz begonnen, aber die entscheidende Impfdosis für den Langzeitschutz vergessen. „Unvollständig Geimpfte können nach einem Zeckenstich fast so leicht an FSME erkranken wie Ungeimpfte“, erklärt Dr. Jochen Süss vom Friedrich-Löffler-Institut, nationales Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten in Jena. „Die Menschen wiegen sich in einer nicht vorhandenen Sicherheit!“ Auf die zwei südlichen Bundesländer bezogen, haben 13 Prozent (Baden-Württemberg) bzw. 16 Prozent (Bayern) keine vollständige Grundimmunisierung gegen das FSME-Virus.

Von den Nicht-Geimpften betonen laut GfK-Studie viele die Angst vor Impfreaktionen. Rund ein Viertel der Befragten in den beiden südlichen Bundesländern sehen hier ein Risiko. Doch gerade FSME-Impfungen sind, durch Studien und in der Praxis belegt, als sehr verträglich eingestuft.

Für mindestens drei Jahre Sicherheit

Es gibt verschiedene Impfschemata. Beim Impfschema eines Herstellers wird folgendermaßen geimpft: Für den Kurzzeitschutz sind zwei Impfdosen im Abstand von 14 Tagen notwendig. Um den Langzeitschutz von mindestens drei Jahren zu erhalten, ist nach 9 bis 12 Monaten eine weitere Impfdosis erforderlich. Dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Um den Impfschutz sicher und kontinuierlich aufrecht zu erhalten, sollte alle drei Jahre eine Auffrischimpfung mit einer Impfdosis erfolgen.

Eine Impfung gegen FSME wird von den Krankenkassen bezahlt. Im Jahr 2006 gab es über 540 klinische FSME-Fälle in Deutschland – ein neuer Rekord seit 2001, seitdem das Robert-Koch-Institut die Fälle registriert. Gegenüber dem Vorjahr sind es 115 Fälle mehr.

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IX. Jena Symposium: Klima, Zecken, Krankheiten

Über 250 Wissenschaftler tauschen sich über die Zeckengefahr aus.

Mitte März herrscht in Jena Sprachvielfalt. Über 250 Wissenschaftler aus über 25 Nationen treffen sich in der thüringischen Stadt, um sich über Zecken und die durch sie übertragenen gefährlichen Krankheiten auszutauschen. „Es ist keine Elfenbeinturm-Diskussion“, sagt Zeckenforscher Dr. Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut, der seit 1990 alle zwei Jahre zu diesem Symposium einlädt. „Es sind handfeste Gefahren, die den Menschen und die Haustiere bedrohen.“

Immer mehr Zecken

Die Zecken sind auf dem Vormarsch und zwar europaweit. Und damit die gefährlichen Krankheiten – Frühsommer-Meningoenzephalitis, Lyme Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose, Rickettsiosen und noch viele mehr.

In Deutschland ist die Zahl der klinischen FSME-Fälle beim Menschen sprunghaft gestiegen. 2004 waren es 274, zwei Jahre später schon über 540 registrierte Fälle. In anderen Ländern sieht es nicht besser aus: In Litauen kam es 2003 zu einer richtigen Epidemie – über 763 Menschen erkrankten an der FSME. Bei einer Bevölkerung von 3,5 Millionen Menschen war das die höchste bisher gemessene Infektionsrate.

In Tschechien sind 2006 50 Prozent aller FSME-Infektionen im letzten Drittel des Jahres und nicht, wie der Name glauben lässt, im Frühsommer erworben worden. Mit bisher 1027 registrierten FSME-Fällen 2006 liegt dieses Land gegenwärtig in Europa an der Spitze.

Europakarte FSME-Verbreitung

Notwendige Forschung

Seit den 1950er Jahre forschen Wissenschaftler verstärkt zu den Zeckenkrankheiten. 1949 konnte in Tschechien zum ersten Mal das FSME-Virus identifiziert werden. Das Lyme Borreliose-Bakterium wurde 1981 – 32 Jahre später – entdeckt.

Die Notwendigkeit über Zecken und deren Krankheiten alles herauszufinden, spiegelt sich in der steigenden Zahl von Wissenschaftlern aus aller Herren Länder wieder, die sich auf dem IX Internationalen Jena Symposium über von Zecken übertragenen Krankheiten treffen. Die Zahl der Wissenschaftler steigt mit jedem Symposium. Kamen zu den letzten Veranstaltungen zwischen 150 und 190 Teilnehmer, sind es dieses Jahr über 250.

Symposium ist fächerübergreifend

„Unser Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf den Themen Klimawandel und von Zecken übertragene Krankheiten“, erklärt Dr. Süss. „Es gibt Vorträge von Klimaforschern, Biologen, Veterinärmedizinern und Medizinern. Der interdisziplinäre Austausch zwischen den Fachgebieten ist sehr sinnvoll. Das bringt uns alle weiter.“

Viele Fragen beschäftigen die Wissenschaftler: Welche Auswirkungen hat das veränderte Klima auf die Zeckenpopulationen? Wie groß ist die Zeckengefahr für den Menschen und seine Haustiere? Wie können durch Zecken verursachte Infektionen bei Mensch und Tier verhindert, oder, wenn sie bereits eingetreten sind, wirkungsvoll behandelt werden? Welche Maßnahmen müssen Gesellschaft und Politik ergreifen, um die Gefahren zu reduzieren?

Auf dem Symposium möchten Dr. Süss, seine vielen Mitstreiter, die Autoren der insgesamt 107 wissenschaftlichen Beiträge und alle Fachkollegen den Antworten auf diese Fragen wieder ein Stück näher kommen. Der wissenschaftliche Ertrag des Meetings wird wieder durch eine umfassende Publikation weltweit zugänglich gemacht.

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Viele Nager, viele Zecken, viele Viren

In Baden-Württemberg gibt es zurzeit sehr viele freilebende Mäuse. Das liegt vor allem am milden Winter. Normalerweise hätte die Kälte die Nagerpopulation reduziert.

Viele Nager machen Probleme: sie übertragen Krankheiten und dienen den Zecken als Wirt.

Epidemie in Baden-Württemberg

So grasiert seit Beginn des Jahres das von Nagern übertragene Hantavirus in Baden-Württemberg. Seit Anfang des Jahres registrierte das Landesgesundheitsamt schon 37 Fälle in ein einhalb Monaten. Im Vergleich dazu: Letztes Jahr gab es über das ganze Jahr nur 24 Hantavirus-Erkrankungen.

Das Hantavirus wird von Mäusen und Ratten übertragen, in Deutschland sind dies vor allem Rötelmäuse und Waldmäuse. Sie scheiden über ihren Speichel sowie über Kot und Urin den Erreger in großen Mengen aus. Das Virus bleibt noch mehrere Tage nach der Ausscheidung aktiv.

Ansteckung über die Luft

Fegt beispielsweise ein Hobbygärtner in seiner Laube den Staub und den Kot der Mäuse zusammen, kann er sich durch Einatmen mit dem Virus infizieren. Auch durch Bisse der Tiere kann das Virus übertragen werden, was aber eher selten vorkommt.

Das Hantavirus tritt in verschiedenen Formen auf. Der Virustyp in West-Europa löst grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Muskelschmerzen aus und kann zu einer Niereninfektion mit Nierenschmerzen bis hin zum Nierenversagen führen. Nach einer Infektion entwickelt der Mensch ein Immunität gegenüber dem Virus.

Zecken vermehren sich

„Die hohe Zahl von Nagern lässt nicht nur die direkte Infektionsgefahr durch Nager für den Menschen ansteigen“, sagt Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. „ Auch die Zecken können sich durch die vielen Nager massiv vermehren. Damit ist auch eine erhöhte Zahl FSME-infizierter Zecken zu erwarten.“

FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine schwere Erkrankung des zentralen Nervensystems. Zecken übertragen das Virus auf den Menschen.

„Wir können davon ausgehen, dass durch die gestiegene Zahl der FSME-infizierten Zecken aller Voraussicht auch die Zahl von FSME-Fällen in diesem Jahr steigen wird“, sagt Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig. Um sich davor zu schützen, rät das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg zu einer Impfung gegen die FSME.

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Wie kommt die Zecke in die Großstadt?

Die Gefahr von Zecken ist längst nicht nur auf Wiesen und Wälder beschränkt. Sie lebt in den Vorgärten der Wohnhäuser, den Stadtparks, den Kinderspielplätzen – eben in der Großstadt! Die Zecke sucht sich bevorzugt kleine Säugetiere als Wirte, von denen sie sich ihre Blutmahlzeit holt, z. B. Amseln, Eichhörnchen, Igel oder Füchse. Diese nehmen die Zecke mit in die Stadt.

Zecken können beim Menschen eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, außerdem die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die am häufigsten in Form eines roten Hautflecks erscheint.

Broschüre beschreibt Artenvielfalt in der Stadt

Informationsbroschüre "Wildtiere in München"

Eine jüngst erschienene Broschüre mit dem Titel „Wildtiere in München“ zeigt beispielhaft, wie der Igel, der Sperber, der Fuchs und der Buntspecht sich in Großstädten ansiedeln – im Schlepptau die Zecke. Die Tiere sind Beispiele der wachsenden Artenvielfalt im Stadtrevier.

Die Tiere passen sich geschickt den neuen Lebensräumen an. „Heute ist die Igelpopulation in der Stadt zehn bis zwanzig Mal höher als im Wald und der Flur. In den Stadtparks finden sie nämlich leichter ihre Nahrung, den Regenwurm“, sagt Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Hauptkonservator der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) und einer der Verfasser der Broschüre. Steigt die Zahl der Igel, steigt auch die Zahl der Zecken. „Wenn heute Hunde in den Parkanlagen an Gebüschen entlang streifen, haben sie mehr Zecken im Fell, als im Wald außerhalb der Stadt“, sagt Reichholf. „Die Zeckenpopulation in der Stadt ist heute zehnmal so hoch wie auf dem Land.“

Um sich vor der gefährlichen Zeckenkrankheit FSME wirklich zu schützen, hilft nur eine Impfung.

Hier können Sie die Broschüre „Wildtiere in München“ des Bund Naturschutz München herunterladen:
http://www.bn-muenchen.de/service/publikationen/

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