Indian Summer – im bunten Herbstlaub lauern Zecken

Kurz vor dem dunklen Winter gibt die Natur im Herbst noch einmal Vollgas und der Indian Summer lockt Spaziergänger mit seiner bunten Blätterpracht ins Freie. Zudem laden Pilze, Kastanien und Eicheln zum Sammeln ein. Doch Vorsicht! Auch Zecken sind im goldenen Herbst aktiv und nutzen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen.

Zecken fallen erst in ihre Winterstarre, wenn es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen kälter als sieben Grad Celsius ist, daher können die Parasiten auch im Herbst noch aktiv sein. (Foto: Adobe Stock - eyetronic)

Die Energietanks in der warmen Herbstsonne noch mal aufzutanken ist wahrhaftig ein Vergnügen. Aber Achtung, auch Zecken sind noch aktiv, und so kurz vor dem Winter ist ihr Hunger auf eine üppige Blutmahlzeit riesig. Die kleinen Spinnentiere fallen erst in ihre Winterstarre, wenn es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen kälter als sieben Grad Celsius ist. Da Zecken feuchtwarme Gebiete besonders gerne mögen, sind sie im Herbst vor allem unter einer dünnen Laubschicht und in nassen Gräsern und Büschen zu finden. Herbstspaziergänger sollten sich gegen Zecken schützen, da die kleinen Parasiten Krankheitserreger wie FSME-Viren und Borreliose-Bakterien übertragen können.

Zecken sind kleine Krankmacher

Während die durch Zecken verursachte Lyme-Borreliose mit Antibiotika gut therapiert werden kann, ist Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nicht ursächlich behandelbar. Daher ist Vorsorge besser als Nachsorge. Doch wie gelangen die Krankheitserreger in den menschlichen Körper? FSME-Viren können mit dem Zeckenspeichel während des Stichs sofort in die Wunde übertragen werden, Borreliose-Bakterien hingegen sitzen im Darm der Zecke. Hier gilt: Je länger die Zecke saugt, umso höher ist das Risiko, sich mit Borreliose-Bakterien oder anderen Erregern zu infizieren. „Der Beginn einer Infektion mit FSME-Viren äußert sich zum Beispiel mit zunächst grippeähnlichen Symptomen. Das Virus kann zudem die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen“, erklärt der Zeckenexperte Prof. (a. D.) Dr. Jochen Süss.

Wie können sich Spaziergänger vor Zecken schützen?

Beim Aufenthalt in der Natur ist es wichtig, dass möglichst lange, körperbedeckende Kleidung und geschlossenes Schuhwerk getragen werden. Wer zusätzlich vorbeugen möchte, kann vor dem Herbstspaziergang Kleidung und Hautteile mit speziellen insektenabweisenden Mitteln, sogenannten Repellents, einsprühen. Dass sich die Zecke auf den Körper setzt oder gar sticht, bleibt in der Regel unbemerkt. Daher ist es wichtig, den Körper nach dem Aufenthalt in der freien Natur nach Zecken abzusuchen. Trotzdem gilt: Zeckenstiche lassen sich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit vermeiden. Neben den bereits beschriebenen Maßnahmen kann daher auch eine Impfung helfen, das Risiko einer FSME-Infektion zu reduzieren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt jenen Personen eine Impfung, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen oder Aufenthalte und Reisen in FSME-Risikogebiete planen.

Wo liegen die FSME-Risikogebiete in Deutschland?

Auch wenn Zecken überall in Deutschland lauern, gibt es sogenannte FSME-Risikogebiete wie beispielsweise weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs sowie Regionen in Südhessen und Thüringen, in denen die Gefahr der Übertragung von FSME-Viren besonders hoch ist. Für Menschen, die in diesen Gebieten leben oder diese Regionen regelmäßig besuchen, wie zum Beispiel den herbstlichen südlichen Thüringer Wald, sollte eine FSME-Impfung selbstverständlich sein. Auch im Herbst ist es noch nicht zu spät für eine FSME-Impfung, denn auch kurzfristig kann ein Impfschutz aufgebaut werden. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.

Zu guter Letzt: Wo kommt der Begriff „Indian Summer“ eigentlich her? Er beschreibt ein Wetterphänomen in Nordamerika, bei dem das Klima im späten Herbst sehr mild und warm ist. Das Highlight ist die farbenfrohe Laubverfärbung der Wälder. Das deutsche Pendant ist der Altweibersommer. Viel Vergnügen in der schönen Blätterpracht.