Über Kopf oder auf Glas – Zecken können sich fast immer festhalten

Wer schon einmal versucht hat, eine krabbelnde Zecke von seinem Arm zu schnippen oder wegzupusten, der weiß, wie erstaunlich gut sich die millimetergroßen Spinnentiere bei solchen Angriffen festhalten können. Forscher der TU Dresden und der Kieler Universität haben die Haftmechanismen der Zecke mit Hilfe dreier Experimente untersucht und dazu jüngst ihre Forschungsergebnisse1 veröffentlicht: Die Zecke nutzt nicht nur ihre acht Beine sowie die Klauen, sondern auch faltbare Haftkissen zwischen diesen.

Am besten kann sich die Zecke auf menschlicher Haut festhalten. Dank ihrer Hafttechnik kann sie sich aber auch an einen Grashalm klammern, ohne herunterzufallen, und ist dabei sogar gegen Windstöße gefeit.

Die Zecke lebt in Gräsern, im Unterholz, auf Wiesen, in Parks oder Wäldern. Oder aber sie krabbelt auf einem potenziellen Wirt herum – einem Menschen oder einem Wirbeltier –, um eine geeignete Einstichstelle für eine Blutmahlzeit zu finden. Doch egal, wo die Zecke sich aufhält, sie begegnet so einigen Widerständen auf ihrer Suche nach Nahrung. „Zecken müssen daher in der Lage sein, sich auf einer großen Varietät von Oberflächen halten zu können“, heißt es dazu im Forschungsartikel. Dagmar Voigt und Stanislav Gorb stellten in ihrer Versuchsanordnung typische Situationen im Leben einer Zecke nach, um ihre Haftfähigkeit zu untersuchen.

Elastische Klauen mit entfaltbarem Haftkissen

Mit Inversions-, Zentrifugal- und Zugkraftexperimenten fanden die Forscher heraus, dass sich Zeckenweibchen mit einer Kraft, die mehr als das 500-Fache ihres eigenen Körpergewichts beträgt, an einer Glasoberfläche festhalten können. Bei Zeckenmännchen ist die Kraft nicht ganz so hoch. Behilflich ist den kleinen Krabblern ein Haftkissen, das zwischen ihren Klauen zusammengefaltet ist wie ein Fächer und bei Bedarf aufgefaltet werden kann. Erschüttert also beispielsweise ein Windhauch den Grashalm, auf dem die Zecke sitzt, entfaltet diese die Haftkissen an ihren Klauen und erhöht so die Kraft, mit der sie sich festhalten kann. Eine Überraschung war dabei für die Forscher, dass sowohl die Klauen der Zecke als auch die Haftkissen mit dem Protein Resilin gefüllt zu sein scheinen, das für Elastizität sorgt. Dadurch können Zecken ihre Gliedmaßen an den Untergrund anpassen.

Mehr Halt durch Widerhaken am Stechrüssel

Wenn die Zecke einmal zugestochen hat, findet sie dank der Widerhaken an ihrem Stechrüssel (Hypostom) zusätzlichen Halt. Deshalb bedarf es beim Entfernen einer Zecke auch manchmal mehrerer Anläufe, bis sie sich von ihrer Einstichstelle lösen lässt. Entfernt werden sollte eine Zecke unbedingt, sobald sie entdeckt wird. Denn die winzigen Milben aus der Familie der Spinnentiere können beim Stechen Krankheitserreger übertragen, unter anderem Borreliose-Bakterien oder das FSME-Virus. Letzteres sitzt im Speichel der Zecke, kann sofort beim Stechen übertragen werden und eine Entzündung des Gehirns und des zentralen Nervensystems auslösen. Wer die Haftmechanismen der Zecke nicht am eigenen Leib bewundern möchte, der kann vorsorgen: bei Aktivitäten im Freien die Hose in die Socke stecken, möglichst lange Kleidung tragen, zeckenabweisende Sprays verwenden. Zudem ist es wichtig, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich nach Zecken abzusuchen. Und: Eine Impfung gegen FSME kann das Risiko verringern, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken.

1 Dagmar Voigt & Stanislav Gorb: „Functional morphology of tarsal adhesive pads and attachment ability in ticks Ixodes ricinus (Arachnida, Acari, Ixodidae)“. Journal of Experimental Biology 2017 220: 1984–1996; DOI: 10.1242/jeb.152942

Mehr zum Thema Zeckenvorsorge erfahren Sie unter www.zecken.de