Zeckencheck auf Deutschlands Fußballplätzen

In zwei Tagen ist es soweit: Die Fußball-WM 2018 beginnt. Ganz Deutschland leuchtet in Schwarz-Rot-Gold. Mit Schweden und Mexiko trifft die Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde auf schwierige Gegner. Doch auf dem Fußballplatz lauert ein weiterer Feind: die Zecke. Eine bundesweite Fußballerhebung1 hat insgesamt 32 Fußballplätze auf Zecken untersucht – mit erstaunlichen Ergebnissen:

In 14 von 16 Bundesländern wurden Zecken auf Sportstätten gefunden

Hohe Zeckendichte auf deutschen Fußballplätzen

Tabellenführer der Fußballerhebung ist mit weitem Vorsprung NRW (193 Zecken auf 120 m²), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (99 Zecken) und Schleswig-Holstein (88 Zecken). Im Mittefeld rangiert Hessen (45 Zecken). Lediglich in den Stadtstaaten Bremen und Berlin wurden keine Zecken gefunden. „Die Ergebnisse der Fußballerhebung verdeutlichen, dass sowohl auf den Sportstätten als auch in näherer Umgebung der Fußballplätze Zecken in einer überraschend hohen Dichte² auftreten können“, erklärt Zeckenexperte Prof. (a. D.) Dr. Jochen Süss.

Zecken warten in Lauerstellung auf Wirt

Deutschlandweit gibt es rund 50.000 Sportplätze, von denen viele von hohen Gräsern und Büschen umgeben sind. Und genau hier lauert die Zecke auf ihren nächsten Wirt. Denn entgegen dem Irrglauben, dass Zecken von Bäumen fallen, können die Parasiten maximal 1,5 Meter hoch klettern. Menschen streifen die Parasiten oft unbemerkt beim Vorbeigehen an Gräsern oder Büschen ab. Und daher ist insbesondere auf Sportstätten das nächste Treffen mit dem Parasiten bereits vorprogrammiert: Bei der ein oder anderen Flanke landet der Ball dann schon mal im Gestrüpp, Zuschauer tummeln sich im Gras am Spielfeldrand oder der Trainer schickt seine Mannschaft für ein paar Extrarunden ins Grüne.

Ein Zeckenstich kann jeden treffen

Zecken fühlen sich nicht nur auf Fußballplätzen, sondern auch im Wald, in Stadtparks sowie privaten Gärten heimisch. Die Blutsauger können beim Stechen gefährliche Krankheitserreger übertragen, darunter das FSME-Virus sowie Borrelien. Bei schwerwiegenden Krankheitsfällen kann das FSME-Virus die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen und schwere Langzeitfolgen wie Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen verursachen. Nicht nur prominente Bundesligaspieler mussten bereits erfahren, dass ein Zeckenstich nicht ganz ungefährlich ist. „Ein Zeckenstich kann jeden treffen, der sich gerne im Freien bewegt. Die richtige Zeckenvorsorge ist daher unabdingbar“, ergänzt Jochen Süss.

Richtige Zeckenvorsorge

Alle Menschen, die gerne in der Natur unterwegs sind oder sich im Freien aufhalten, sollten Zeckenstiche so gut es geht vermeiden. Empfehlenswert sind folgende Vorsorgemaßnahmen: freie Körperflächen durch helle, lange Kleidung bedecken, schützende Antizeckensprays, sogenannte Repellents, auftragen sowie den Körper nach jeder Trainingseinheit oder einem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen. Eine Impfung kann dazu beitragen, das Risiko einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich zu verringern.

Ergebnisse der Untersuchung

Bundesland

Zecken auf 120 m²

NRW

193

Mecklenburg-Vorpommern

99

Schleswig-Holstein

88

Brandenburg

74

Baden-Württemberg

63

Sachsen-Anhalt

60

Hamburg

46

Hessen

45

Sachsen

39

Niedersachsen

34

Rheinland-Pfalz

22

Thüringen

16

Saarland

15

Bayern

2

Berlin

0

Bremen

0

 

1 Untersuchungsbedingungen und methodisches Vorgehen der Fußballerhebung
Im Zeitraum vom 12.04.2018 bis zum 18.05.2018 wurden bundesweit 32 Fußballspielstätten – pro Bundesland je zwei Spielstätten ¬– untersucht. Zum Einsatz kam die klassische Flaggmethode, bei der ein Flanelltuch über die bodennahe Vegetation oder die Laubstreu gezogen wird. Aktive Zecken krallen sich bei Kontakt an der Unterseite der Flagge fest und können dann gezählt und gesammelt werden. Pro Fußballplatz wurden insgesamt 12 Flaggenzüge auf dem Fußballfeld und im engeren Umfeld des Fußballfeldes vorgenommen, so dass insgesamt 120 m² auf Zecken untersucht worden sind. Im Rahmen dieser Erhebung wurde lediglich die Anzahl der Zecken ausgewertet. Es wurde nicht untersucht, ob die gefundenen Zecken mit Krankheitserregern wie dem FSME-Virus oder Borrelien infiziert sind.

2 Definition Zeckendichten
• Sehr geringe Zeckendichte: 1–3 Zecken pro 100 m² (4 Fälle)
• Geringe Zeckendichte: 4–10 Zecken pro 100 m² (6 Fälle)
• Mäßig hohe Zeckendichte: 11–24 Zecken pro 100 m² (7 Fälle)
• Hohe Zeckendichte: 25–50 Zecken pro 100 m² (9 Fälle)
• Sehr hohe Zeckendichte: > 50 Zecken pro 100 m² (3 Fälle)