Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Virus-Erkrankung, die in verschieden schweren Stadien verlaufen kann. Im Jahr 2017 wurden 476 klinische Fälle in Deutschland gemeldet.

Bis zu zwei Prozent der Zecken sind in Risikogebieten mit dem Virus infiziert.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch das FSME-Virus ausgelöst. Das Virus kann die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen. Teilweise sind auch die Begriffe Enzephalitis oder Meningoenzephalitis in Gebrauch, medizinisch korrekt heißt es jedoch Frühsommer-Meningoenzephalitis.

FSME – diese Wege der Übertragung sind bekannt

Das FSME-Virus wird in erster Linie von Zecken auf den Menschen übertragen. Es sind jedoch auch Fälle bekannt, bei denen der Genuss von Rohmilch von FSME-Viren-infizierten Kühen oder Ziegen die Krankheit ausgelöst hat.

Die Gefahr, nach einem Zeckenstich in den Risikogebieten an FSME zu erkranken, liegt Schätzungen zufolge bei bis zu 1 zu 150. Hintergrund dieser Berechnung: Es wird angenommen, dass rund zwei Prozent der Zecken in Risikogebieten mit dem Virus infiziert sind. Allerdings führt nicht jede Infektion zu einer Erkrankung: Von den Menschen, die von einer FSME-Viren-infizierten Zecke gestochen werden, erkrankt etwa jeder Dritte. Bei den anderen verläuft die Infektion ohne merkliche Krankheitszeichen.

Die Gefahr, nach einem Zeckenstich in den Risikogebieten an FSME zu erkranken, liegt Schätzungen zufolge bei 1 zu 150.

FSME-Risikogebiete

Nur in bestimmten Regionen sind Zecken mit FSME-Viren infiziert. In Deutschland ist vor allem der Süden betroffen. Regionen, in denen regelmäßig FSME-Erkrankungen auftreten, in denen also die Zecken das Virus tragen, bezeichnet man als Risikogebiete.

Es gibt immer mehr Risikogebiete in Deutschland: Waren 1998 noch 63 Landkreise im gesamten Bundesgebiet als FSME-gefährdet eingestuft, so waren es 2017 schon 146 Stadt- und Landkreise.

Jährlich neu eingestuft werden diese Risikogebiete vom Robert Koch-Institut (RKI). Ein Kreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der Zeiträume 2002 bis 2006, 2003 bis 2007, 2004 bis 2008, 2005 bis 2009, 2006 bis 2010, 2007 bis 2011, 2008 bis 2012, 2009 bis 2013, oder 2012 bis 2016 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p < 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung/100.000 Einwohner erwartete Fallzahl. Weitere Informationen dazu, wie ein Risikogebiet definiert wird, gibt es hier.

Wie kann man sich mit FSME-Viren anstecken?

Die FSME-Viren sind im Speichel der Zecke. Nach dem Stich können sie sofort in die Wunde übergehen.
Auch wenn man eine Zecke sofort nach dem Stich entfernt, schützt das nicht gegen eine FSME. Es gilt aber: Je länger die Zecke saugt, umso höher ist das Risiko, sich mit weiteren Erregern zu infizieren.

Die FSME-Viren sind im Speichel der Zecke. Nach dem Stich können sie sofort in die Wunde übergehen und eine FSME-Infektion auslösen

Krankheit FSME

Im Jahr 2017 wurden 476 klinische Fälle von FSME in Deutschland gemeldet. Nicht jede FSME-Infektion führt zu einem schweren Krankheitsverlauf. Wissenschaftler haben bisher noch nicht herausfinden können, warum es bei einigen Menschen zu schweren Erkrankungen und sogar zu Todesfällen kommt, während andere FSME-Infizierte nur leicht oder gar nicht erkranken. Sicher ist, dass das Alter der Infizierten eine wesentliche Rolle spielt. Je älter die Person, umso schlimmer kann die FSME verlaufen. Auch das Geschlecht scheint einen Einfluss zu haben: Die FSME trifft Männer ungefähr doppelt so häufig wie Frauen. Noch deutlicher ist das Verhältnis bei den schweren Verläufen der FSME: Männer sind rund dreimal so oft betroffen. Kinder werden statistisch gesehen häufiger von Zecken gestochen als Erwachsene, eine FSME-Infektion verläuft bei ihnen aber meist unbemerkt.

Woran erkennt man FSME?

Wann nach einem Zeckenstich erste Symptome von FSME auftauchen können, ist unterschiedlich. Die Inkubationszeit von FSME kann mehrere Wochen betragen. Da viele Betroffene die Verbindung zu einem Zeckenstich, der mehrere Wochen her ist, nicht ziehen, ist die Diagnose auch für Ärzte schwer. Hinzu kommt, dass erste Symptome von FSME meist als grippeähnlich beschrieben werden und von den Betroffenen zunächst als Sommergrippe eingestuft werden.

Symptome und Krankheitsverlauf der FSME

Ein FSME-Patient erlebt im typischen Fall den Verlauf der Krankheit in zwei Stadien.

Stadium I:
Typische anfängliche FSME-Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Sommergrippe. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden.

Stadium II:
Bei einem Teil der Infizierten befällt das FSME-Virus das zentrale Nervensystem. Die mildeste Form ist in diesem Fall eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Die Symptome: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und häufig ein steifer Nacken.

Eine schwere Form der FSME ist die Gehirn- und Rückenmarkentzündung. Dabei sind nicht nur die Hirnhäute, sondern das ganze Gehirn und die Nervenwurzeln von der Erkrankung betroffen.
Es kann neben den Symptomen einer Hirnhautentzündung auch zu Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, zu psychischen Veränderungen oder bestimmten Lähmungen am Körper kommen.

Medizinische FSME-Behandlung

Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Da das Virus nicht mit Medikamenten bekämpft werden kann, beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome. Es werden vor allem fiebersenkende und schmerzstillende Mittel eingesetzt. Letzten Endes muss der Körper aber selbst mit dem Virus fertig werden. Deshalb ist es besonders wichtig, die Erkrankung zu verhindern. Zum einen sollte man versuchen, Zeckenstiche zu vermeiden. Zum anderen kann eine Impfung gegen FSME dazu beitragen, die Gefahr einer Infektion nach einem Zeckenstich zu verringern.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Bewohnern von Risikogebieten und Personen, die in ein solches reisen und dort mit Zecken in Kontakt kommen, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Spätfolgen einer FSME

Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, die Erkrankung zu verhindern.

Bislang ging man davon aus, dass rund 10 bis 20 Prozent der Patienten nach einer schweren klinischen Verlaufsform der Frühsommer-Meningoenzephalitis Spätfolgen, beispielsweise lang anhaltende oder bleibende neuropsychologische Schäden, davontragen. Nach einer FSME kann eine Therapie beim Logopäden oder Physiotherapeuten notwendig sein.

Studienergebnisse der Neurologischen Klinik des Klinikums Pforzheim belegen die möglichen Langzeitfolgen einer FSME-Erkrankung erstmals mit festen Zahlen: Zwischen 1994 und 1999 erkrankten in Baden-Württemberg 731 Personen an FSME. 81 Patienten entwickelten einen schweren Verlauf mit Beteiligung des Rückenmarks (Myelitis). Davon nahmen 57 über 10 Jahre hinweg an einer Langzeitstudie teil. Die Ergebnisse der Studie: 50 Prozent der schwer erkrankten FSME-Patienten litten dauerhaft unter den Folgeschäden der Krankheit, wie z. B. Lähmungen der Extremitäten sowie der Atem- und Halsmuskulatur, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Schluck- und Sprechstörungen. 30 Prozent der schwer erkrankten Studienteilnehmer starben während des Beobachtungszeitraumes. Nur knapp 20 Prozent wurden wieder vollständig gesund.

Quelle: Prof. Dr. R. Kaiser: Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME – eine Verlaufsanalyse über 10 Jahre, Der Nervenarzt 2011