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Zecke mit Nebenwirkungen

Über 800 verschiedene Zeckenarten leben weltweit. Viele davon sind gefährlich, da sie Bakterien oder Viren übertragen. Einige Zeckenarten geben jedoch während des Blutsaugens ein Gift ab, das zu fortschreitenden Lähmungen führen kann. So hat die Zecke Ixodes holocyclus durch ihr Gift schon mehr Menschen getötet als jedes andere Spinnentier in Australien.

Foto: Pfizer

Die wegen ihrer hellen Farbe „weiße Zecke“ genannte Art ist in den östlichen Buschgebieten Australiens heimisch und aufgrund des milden Klimas das ganze Jahr über aktiv. Ebenso wie andere Zecken überträgt auch Ixodes holocyclus Krankheitserreger, z.B. Borrelien oder Rickettsien, die Fleckfieber oder Q-Fieber auslösen können. Eine Infektion mit Viren wurde bislang noch nicht nachgewiesen.

Tückisch an einem Stich der australischen Zecke ist, dass während des Saugvorganges nicht nur Krankheitserreger sondern auch ein Gift übertragen wird, welches eine sogenannte Zeckenparalyse auslösen kann. Verursacht wird sie durch Neurotoxine im Zeckenspeichel.

Symptome der Zeckenparalyse
Wird die Zecke nicht nach spätestens 24 Stunden entfernt, treten erste Symptome auf. Ein Kribbeln im Gesicht, um die Lippen oder an Händen und Füßen ist ein erstes Anzeichen für eine Zeckenparalyse. Wenn der Zeckenstich unbemerkt bleibt oder die Symptome nicht ernst genommen werden, treten Lähmungserscheinungen auf: Zunächst kommt es zu typischen Geh- und Gleichgewichtsstörungen, dann steigt die Lähmung weiter im Körper auf zu den Armen. Nach und nach werden alle Muskeln im Körper gelähmt. Zuletzt ist auch die Atemmuskulatur betroffen und der Patient stirbt an Atemstillstand.

Die schlimmen Folgen eines Zeckenstichs lassen sich jedoch vermeiden. Wenn die ersten Symptome wie Kribbeln im Körper oder ein gestörter Gleichgewichtssinn auftreten, sollten Reisende auf jeden Fall den ganzen Körper und auch den Kopf nach Zecken absuchen und sie sofort entfernen. Denn die Symptome einer Zeckenlähmung klingen nach Entfernen der Zecke in der Regel ohne Folgeschäden wieder ab.

Todesfälle durch Zecken
Bis zum Jahr 1989 sind in Australien 20 Todesfälle durch Zeckenparalyse dokumentiert. Zum Vergleich: Durch die als äußerst giftig geltende Trichterspinne Atrax robustus und die Rotrückenspinne Latrodectus hasselti starben 13 bzw. 14 Menschen. Fortschritte in der modernen Medizin und die Entwicklung eines Antitoxins haben in den letzten 70 Jahren Todesfälle durch Ixodes holocyclus verhindert. Die australischen Krankenhäuser behandeln allerdings jedes Jahr etliche Patienten wegen Zeckenparalyse, darunter besonders häufig Kinder.

In Deutschland gibt es bislang nur einen klinisch dokumentierten Fall von Zeckenparalyse, der 2006 in Rostock auftrat. Bei dem 47-jährigen Mann war die Diagnose besonders schwierig, da die Symptome nicht mit einem Zeckenstich in Verbindung gebracht wurden und stattdessen ein Schlaganfall als Ursache vermutet wurde.

Neben Menschen nutzt Ixodes holocyclus vor allem Tiere als Wirte. Besonders oft befallen sie Opossums, Kängurus, Rinder, Schafe, Hunde und Katzen. Nach Angaben der australischen Vereinigung Tick Alert Group Support richtet die Zecke jedes Jahr enorme Schäden bei Nutz- und Haustieren an. Bis zu 100.000 Tiere werden jedes Jahr durch das Zeckengift beeinträchtigt, etwa 10.000 müssen tierärztlich behandelt werden.